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Galerie Schuster Berlin

The New Akademiks. Young American Art – curated by John Friedman

Samuel Adams, Christian Curiel, Aaron Gilbert, Krisjanis Kaktins-Gorsline, Lindsay McCrum, Didier William


Akademische Kunst hat im letzten Jahrhundert einen extrem negativen Beigeschmack bekommen. Die Tate Britain erklärt dazu auf Ihrer Homepage, dass, obwohl akademische Kunst eigentlich nichts mehr sei, als Kunst, die das an Kunsthochschulen Erlernte wiedergibt, die europäischen Kunsthochschulen im 19. Jahrhundert extrem konservativ wurden und sich gegen jeglichen Wandel wehrten und Innovatives ablehnten.

Sie wurden das Gegenstück der Avantgarde und positionierten sich grundsätzlich gegen Moderne Kunst. Die Bezeichnung „akademisch“ wurde zum Synonym für alle konservativen Kunstformen, die Innovation und Modernität ignorieren.

Selbst in Frankreich, wo neoklassizistische und romantische Bewegungen - vertreten durch Künstler wie etwa Jacques-Louis David und William-Adolphe Bouguereau - den Zenit der Entwicklung erlebten, war akademische Kunst diskreditiert. Kritiker schmähten den akademischen Stil als „L’art Pompier“ („Die Kunst von Feuerwehrleuten“) und machten sich über Davids Soldaten lustig, deren Helme denen der Feuerwehrmänner glichen. Sie waren überzeugt, dass es den prächtigen Figuren, die vor hundertfünfzig Jahren an der französischen Akademie gemalt wurden, an wahrem, echtem Gefühl mangele.

Man konnte akademische Künstler, die glaubten, dass ihre allegorischen Darstellungen wirklich abstrahierte ewige Wahrheiten vermittelten, nicht stärker verurteilen, als ihre Bilder „gekünstelt“ zu nennen - und die meisten Kritiker taten eben dies. Akademische Kunst erreichte wohl ihren Tiefpunkt, als der im zwanzigsten Jahrhundert einflussreiche, amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg diese Kunst als Kitsch abtat.

Ironischerweise sind es heute, zumindest in den USA, gerade die akademischen Institutionen, die eine Wiedergeburt traditioneller künstlerischer Stile pflegen und fördern. Meisterschüler der besten Universitäten schaffen einige der interessantesten Kunstwerke in traditionellem Stil der figurativen Malerei. Obwohl diese Studenten eine umfassende Ausbildung in traditionellen Disziplinen erhalten, treiben sie diese, motiviert durch ihre Lehrer, bis an die Grenzen und entwickeln ein eigenes Vokabular. Das ist in der Regel wichtiger, als einen traditionellen Stil zu pflegen. Ihre Kunst kombiniert oft einen strengen konzeptionellen Ansatz oder ein persönliches politisches Statement mit einer ästhetischen Vision.

Diese Ausstellung präsentiert einen Querschnitt einiger dieser jungen Künstler. Sie haben die Meisterschülerprogramme z.B. in Yale oder Columbia abgeschlossen oder stehen kurz vor dem Abschluss.



Wie der Betrachter sehr schnell feststellen wird, kann man keinem dieser Künstler vorwerfen Kunstwerke zu erschaffen die einem Klischee entsprechen. Dennoch beziehen und zitieren ihre Arbeiten oft klassische Malereistile. Sie alle haben eine eigene Sprache entwickelt und vermitteln eine ureigene Ästhetik. Es gibt nichts Sentimentales, Banales oder Konstruiertes in ihren Arbeiten.

Christian Curiels Arbeiten reflektieren klar Erfahrungen eines Künstlers, der im sonnengetränkten Miami aufgewachsen ist. In vielen seiner Arbeiten kann man den vibrierenden Beat lateinamerikanischer Musik spüren. Dennoch verbinden seine Gemälde diese Energie mit einer Themenpalette, die eher für die holländischen Maler des siebzehnten Jahrhunderts (z.B. Pieter Breughel) stehen; wiedergegeben allerdings in der Farbigkeit der heutigen Welt. Das Resultat sind Bilder, die einen starken emotionalen Eindruck beim Betrachter des 21. Jahrhunderts hinterlassen.

Die Oberfläche, die Struktur und auch der inhaltliche Schwerpunkt der großen Gemälde von Krisjanis Kaktins-Gorsline beziehen sich ebenfalls auf die Arbeiten der nordeuropäischen Meister des 16. und 17. Jahrhunderts. Seine Arbeiten drehen sich immer um Figürliches, gezeichnet im Stile seiner künstlerischen Vorbilder. Genau hier endet dann allerdings die Vergleichbarkeit. Seine jüngsten Arbeiten haben Gesichter oder Köpfe, die so nicht existieren, obskur wiedergegeben und vollkommen abstrahiert. Diese zeigen sehr deutlich die Konfusion, Ungewissheit und Entfremdung, der das Individuum im Einundzwanzigsten Jahrhundert gegenübersteht. Die Arbeiten verfügen über ein Element der Unruhe, die ihre verstörende Emotionalität ausmacht.

Aaron Gilberts Arbeiten nehmen ebenso Bezug auf die Entfremdung und Existenzangst, welcher der Mensch heute gegenübersteht. Auch seine Arbeiten sind stilistisch mit den europäischen Meistern der Vergangenheit verwandt. Er überarbeitet seine Leinwände in der gleichen Weise, wie seine geistigen Vorfahren es taten. Es gibt nur einige vierhundert Jahre alte Eitempera-Arbeiten, die in ihrem Finish mehr Sorgfalt aufweisen. Dennoch irritieren sein Stil und seine künstlerische Aussage in einer sehr eigenen, zeitgenössischen Weise. Die Figuren, die seine Arbeiten bevölkern, scheinen nur sehr oberflächlich miteinander zu interagieren. Sie existieren jeweils auf unterschiedlichen Ebenen im Bild, so dass ihre Blicke sich nicht wirklich treffen – eine hervorragende Metapher für zeitgenössische Isolation in einer überbevölkerten Welt.

Lindsay McCrum ist die einzige Fotografin in der Ausstellung, aber ihre fotografischen Arbeiten sind so malerisch in Stil und Aussage, dass es schwierig ist, sie unabhängig von der Malerei zu sehen. Es überrascht nicht, dass McCrum ursprünglich Malerei studierte. Sie gesteht ein, dass ihre „San Marco Suite“ in der emotionalen Aussage und Komposition von Fra Angelico, Piero della Francesca und Giotto beeinflusst ist. Wie bei den Vorbildern liegt etwas Ätherisches in den Gesichtern. Sie scheinen aus dünner Luft gemacht. Dennoch, auch wenn die Arbeiten in ihrer religiösen Ikonenhaftigkeit den alten Meistern ähneln, fotografiert wurden gewöhnliche Menschen.
McCrum zeigt die königliche Schönheit und durchlässige Natürlichkeit, die in jedem von uns zu finden ist - selbst in einem Teenager mit Piercings.

Die Arbeit von Didier William hat ebenso klare, politische Untertöne. Viele seine Arbeiten sind von seinem Geburtsland Haiti beeinflusst. Seine Kompositionen können z.B. die berüchtigte Machete zitieren, die in seiner Insel zu erheblichem Chaos geführt hat, oder seine Geschichten spielen in einer Shantytown in Haiti. Obwohl Williams ein großartiger Zeichner ist, gibt er seinen Figuren keinerlei unterscheidbare Charakteristiken, sie alle sehen aus wie der böse „schwarze Mann“, mit dem kleine Kinder in einem Land unkontrollierter Gewalt und Gesetzlosigkeit aufwachen. In anderen Bildern beschwört er malerische Gesichter, aus denen Schmerz, Zorn und Trauer sprechen. Schwer zu sagen, welche Gefühle seine Figuren im haitianischen Kontext auslösen, aber vielleicht sind sie alle gleichzeitig zu erfahren.

Der letzte vorzustellende Künstler der Ausstellung ist Samuel Adams. Auf den ersten Blick ist er der am wenigsten figurative der gesamten Auswahl, aber umso länger man schaut, umso figurativer werden seine Arbeiten. Hieronymos Bosch und Inka Essenhigh haben die Arbeit von Adams beeinflusst und dennoch steht sein Werk auf ganz eigenen Beinen. Wie bei beiden springen seine Bilder zwischen lebendigen und nichtlebendigen Elementen hin und her. Jede Komponente in seinen überschönen, unwirklichen Landschaften und Stillleben haben seltsame menschliche Qualitäten. Alle Arbeiten sind antromorph und je mehr Zeit man ihnen widmet, desto mehr enthüllen sie. Wie die anderen Künstler der Ausstellung auch, schafft es Samual T. Adams wahrhaftige Gefühle zu erzeugen, er ist ein wahrer Meister seines Faches.

John Friedman, 2008

Abbildungen:
C. Curiel: "Sustenance", 5 x 7 feet, Oil on canvas, 2007
S. Adams: "Taking Tiger Mountain", Mixed Media on wood, 120 x 88 x 5 cm

Galerie Schuster Berlin
Heidestraße 46
10557 Berlin
Tel. (030) 323042 – 00
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