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Galerie KUNSTAGENTEN

RECENTLY SEEN AND ADMIRED

Hamra Abbas, K8 Hardy, Freya Hattenberger, Eli Cortinas Hidalgo


Die Ausstellung ist aus der Begeisterung für einzelne prägnante künstlerische Positionen heraus entstanden und dem Wunsch, diesen eigene Räume einzurichten. Dementsprechend wird in der Galerie KUNSTAGENTEN jeder der vier eingeladenen Künstlerinnen ein Raum zur Verfügung gestellt, in dem sie jeweils aktuelle Arbeiten präsentieren, die alle zum ersten Mal in Berlin zu sehen sein werden. Allen Künstlerinnen ist gemeinsam, dass sie die menschliche (weibliche) Figur in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellen und mit diesen – und nicht zuletzt den Betrachtern – ein doppelbödiges Spiel spielen.

Im Eingangsraum begrüßt Hamra Abbas´ Woman in Black (2008) die Besucher. Auf einem runden Podest stehend, überlebensgroß und glänzend, ist auf den ersten Blick alles übertrieben, alles zuviel an dieser Frau: ihre gewaltigen Brüste, ihr herablassender Blick und nicht zuletzt der erhobene Mittelfinger, der geradezu dazu angelegt scheint, den Betrachter vor den Kopf zu stoßen. Wer ist diese Frau in Schwarz? Zweifellos eine neue Vision der Superheldin schlechthin, die an Lara Croft und Kolleginnen erinnert. Sie vereint in sich Weiblichkeit, Stärke, Gewaltbereitschaft, Siegesgewissheit und dies alles in übermenschlichem Maße. Neben dem Bezug zum Superheldentum sind der Künstlerin, die in Kuwait geboren wurde und in Islamabad und Boston lebt, auch die Referenz zu hinduistischen Tempelfiguren wichtig. So überraschend die Verbindung zwischen Comic-Superheldin und hinduistischer Tempelfigur zuerst einmal anmuten mag, so plausibel scheint er auf den zweiten Blick, denn gleichermaßen werden von der Superheldin wie von der Göttin Schönheit, Macht und Kraft verkörpert. Die Skulptur erlangt dadurch eine weitere Ebene, die auf den Zusammenhang zwischen Tradition und Gegenwart sowie östlicher und westlicher Kultur verweist.
Mit der kindlichen Judy Garland als Dorothy aus dem legendären Film „The Wizard of Oz“ (1938), der als erster Technicolorfilm gilt, tritt im nächsten Raum eine Heldin ganz anderer Art auf. Aus dem Filmzusammenhang ausgeschnitten erscheint in Eli Cortinas Hidalgos Arbeit There is no Place like home Dorothy auf zwei übereinander gestellten Monitoren. Auf dem oberen ist ihr mädchenhaftes Gesicht mit geschlossenen Augen zu sehen, auf dem unteren die berühmten rubinroten Schuhe, mit denen sich durch Aneinanderschlagen der Fersen alle Wünsche erfüllen lassen. In Cortinas´ Arbeit wiederholt Dorothy wie ein Mantra den finalen Satz aus dem Film: „There is no place like home“, bis diese vermeintlich Trost und Erleichterung ausdrückende Aussage eine düstere Konnotation erhält und Dorothys verzückte Miene ebenso gut als Ausdruck einer beunruhigenden Obsession gelesen werden kann.
In gewisser Weise beunruhigend – und zugleich einnehmend – sind auch die Bilder aus den selbst gemachten Fashionfashion-Magazinen der New Yorker Künstlerin K8 Hardy, die zur Betrachtung und zum Durchblättern im hinteren Ausstellungsraum bereitliegen. Ihre Bilder widersprechen mit ihrem handgemachten Charme jeglicher konventionellen Fashion-Fotografie-Ästhetik, ebenso wie die Art und Weise der Künstlerin sich zu präsentieren und in den merkwürdigsten Stellungen vor der Kamera zu posieren allzu deutlich macht, wie sehr wir an bestimmte Posen und Looks gewöhnt sind, die letztlich durch heterosexuelle – und besonders durch „Mann-guckt-Frau-an-Sichtweisen“ – geprägt sind.
Auch Freya Hattenberger, deren Videos im Untergeschoss präsentiert werden, stellt sich selbst ins Zentrum ihrer Bilder. In dem Video Sirene (2006) ist die Künstlerin zu sehen, wie sie – in eindeutig als obszön konnotierter Geste, jedoch offenkundig leidenschaftslos und eher sachlich – mit dem Mund ein Mikrophon umfasst. Der daraus entstehende Sound stört die mögliche Frivolität der Szene empfindlich, ist gleichzeitig unangenehm als auch betörend – ganz wie es sich für eine Sirene gehört.

Kuratorin: Barbara J. Scheuermann

KUNSTAGENTEN GALLERY
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