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Greusslich Contemporary

"abgrundtief"

ROLLIN BEAMISH + NAO NISHIHARA



Nao Nishihara My first Honda Civic, 2015
Car bonnet (silver), aluminium stick, rubber ball, electric motor, belt, wood, 50 x 170 x 214 cm
Nao Nishihara My first Seat Ibiza, 2015
Car bonnet (red), aluminium stick, rubber ball, electric motor, belt, wood, 50 x 160 x 200 cm


Vernissage: Sa. 30.05.2015, 18–21 Uhr
Finissage: Sa. 11.07.2015, 18–21 Uhr


Vortrag: Sa. 04.07.2015, 20 Uhr
„Die Faszination des Medusenhaupts“ - Gorgonische Betrachtungen von Christian Breuer mit anschließendem Gespräch mit Rollin Beamish

Hiermit sind Sie herzlich zur höchst verstörenden Ausstellung von Rollin Beamish und Nao Nishihara in die Galerie Greusslich Contemporary eingeladen. Ein tiefdröhnender Grundton, erzeugt von zwei in Vibration gebrachte Automotorhauben, ergänzt von scharfen taktgebenden Stakkato eines kleinen Holzschlaginstrumentes bzw. dem Klirren von kleinen Schellen produzieren ein Klangerlebnis, als ob eine manische Prozession ablaufen würde. Gleichzeitig sind Zeichnungen von Körperteilen zu sehen, die während oder nach der Ermordung Personen abgetrennt wurden und an öffentlichen Plätzen arrangiert wurden. Diese Praxis lebt in Mexiko auf und wird von konkurrierenden Organisationen benutzt, um sich gegenseitig Rache und Abschreckung zu demonstrieren.
Dieser enge Dialog der zwei kritischen künstlerischen Positionen, die gemeinsam sowohl auf der unmittelbaren Ebene des Klangs als auch der intellektuellen Ebene funktionieren, wird die Ausstellung an den Rand der Zumutbarkeit treiben. Die Galerie entschuldigt sich ausdrücklich für diese unerfreuliche Begegnung für den Betrachter, unterstützt aber umso mehr das kuratorische Konzept, auf Grund der gesellschaftlichen Relevanz und aktuellen Wichtigkeit.

Rollin Beamish zeigt eine wandfüllende Installation seiner neuesten Serie aus meisterhaften Freihand-Zeichnungen von abgetrennten Körperteilen. Beamish hat Fragen an das Menschsein.
Immer sprechen seine unterschiedlichen syntaktisches Arrangements seiner besonders in den letzten Jahren erstellten, eigenartigen Portraits von diesen verhüllten Fragen, die den Künstler innerlich antreibenden. Sowohl die präzisen eindrücklichen Gemüts- und Stimmungsdarstellungen der Charaktere führen zu diese These, als auch dass es sich u.a. um aus dem Kontext geschnittene Personen des heutigen politischen, philosophischen, literarischen und sozial relevanten Lebens handelt, die Themen wie Unterdrückung, Gewalt, Lüge und Machtmissbrauch, aber auch Selbstbestimmung, Verantwortlichkeit, Liebe und Utopie personifizieren.
Beamish sagt, dass sein Prozess des Denkens und Auswählens tatsächlich schwieriger ist, als die Umsetzung der handwerklich komplex aufgebauten Zeichnungen, was seine Arbeit neben Diskussionen in Bezug auf unterschiedliche Realismusströmungen (wie z.B. klassischer oder akademischer Realismus, Neue Sachlichkeit, Foto-, Hyper- oder Surrealismus) ebenfalls ins Scheinwerferlicht konzeptueller Bildbetrachtungen rücken lässt.
Die ausgerissenen Gliedmaßen als realistische Allegorie für den Schmerz der Unschuldigen (und Schuldigen) ist eindrucksvoll erfahrbar und verpflichtet, die weiterreichenden intrinsischen Fragen des Künstlers an die Menschheit zu erforschen, die sich besonders in Kombination mit seinem weiteren Oeuvre eröffnen.

Im Kontrast dieser Ausdrucksform steht das unmittelbare Medium von Nao Nishihara, ein japanischer Soundartist. Auch bei ihm stehen im Vorfeld seiner Klangobjekte komplexe kompositorische Entscheidungen bezüglich der Klangqualität, der Materialität, des Kontextes, des Betrachters, der Performance und der Tonerzeugung bezüglich Zeit, Takt, Rhythmus, Geschwindigkeit, Zufall, Wiederholung und Motiv.
Nashihara installiert 4 Klangskulpturen, die Töne automatisiert erzeugen. Zwei, von ihm „Klammeraffen“ genannte Holzkonstruktionen wandern an einen gespannten Seil durch den Raum und schlagen Rhythmus. Zwei rotierende Automotorhauben vibrieren dumpf durch aufliegende schleifende Gummibälle.
Nashihara‘s Arbeiten bergen immer viele Fragen an die visualisierte automatisierte analoge und teilweise ortsspezifische Tonerzeugung und die Bedeutung von Geräuschlandschaften und Klangskulpturen in der bildenden Kunst.
In diesem Kontext verbreiten die zum Instrument umfunktionierten Motorhauben zusammen mit ihrem ächzenden (an-)klagenden Klang konsumkritische Endzeitstimmung. Mit seinen Mitspielern den „Klammeraffen“ produziert ein absurdes Orchester einen trance-artigen Klangteppich, mit Assoziationen an unterschwelligen dunklen Beeinflussungsversuchen, spirituellem Extremismus oder zombiehaften Wiederholungszwang.

Nashihara‘s Sound und Beamish‘s Installation können intensive Motivationen zur Auseinandersetzung mit sich und der Menschheit hervorrufen, lethargischen sozialen Rückzug oder schlagartige Flucht provozieren.

Vortrag: Sa. 04.07.2015, 20 Uhr: „Die Faszination des Medusenhaupts“
Gorgonische Betrachtungen von Christian Breuer

„Kopfabschneiden = Kastrieren. Der Schreck der Meduse ist also Kastrationsschreck, [...] das Starrwerden bedeutet die Erektion [...].“ (Freud: „Das Medusenhaupt“ [1922], in: G. W., Band XVII, S. 47)

Anlässlich der Ausstellung „abgrundtief“ und ausgehend von Rollin Beamish‘s Ikonografie des Medusenhaupts werden in einem kleinen Vortrag Faszination und Bedeutung der Gorgo thematisiert und anschließend im Gespräch mit dem Künstler vertieft.
Christian Breuer lebt und arbeitet als Übersetzer und Musiker in Berlin. 2014 promovierte er bei Prof. Thomas Macho am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin mit der Arbeit „Und wo blicke können tödten…“ – Der Malocchio als begehrlicher Augen/Blick, die im Herbst 2015 beim Kulturverlag Kadmos Berlin als Buch erscheinen wird.

Rollin Beamish (*1977, Ohio, USA) lebte und arbeitete, ausgestattet mit dem renommierten Fulbright-Stipendium, 2005/06 in Berlin, wo er sich seither zeitweilig immer wieder aufhält. Seit 2006 unterrichtet er an der Montana State University in Bozeman, MT, wo er Associate Professor for Drawing & Painting ist. Seit 2013 ist er PhD Candidate für Media and Communications an der European Graduate School in Saas-Fee in der Schweiz. 2004 schloss er sein MFA an der Ohio University, Athens, Ohio mit Hauptfach: painting ab. 2000 beendete er seinen BFA Cleveland Institute of Art, Cleveland, Ohio auch mit Hauptfach: painting.

Noa Nashihara (* 1976, Hiroshima, Japan) He grew up in Kyoto and Ube in Yamaguchi. In 1998, he left Tokyo University of Foreign Studies before graduating. In 2009, he graduated from Tokyo University of the Arts, with a degree in Musical Creativity and the Environment. In 2011, he obtained a master’s degree in Intermedia Art from Tokyo University of the Arts.
Nao Nishihara works with sound. To experience a great amount of sounds, Nishihara undertakes activities of: installation, sound study, study/documentation of foghorns, field-based recordings, sound for dance, and instrument production/repair. His activity contains solo exhibitions such as: “ Reise der Ohren”(2015, Bethanien Berlin), “ Sound and Object”(2014, Ayumi-Gallery Tokyo), “UNDER35 GALLERY”(2011,‘Shin-Minatomura’ of Yokohama Triennale), “Deaf Cane”(2011, explosion-tokyo), group exhibitions as: Unknown Nature No.5 (2014, Ayumi Gallery), Noge Jazz de Bon-Odori 2014 (2014, Noge-Honcho-street, Yokohama), Nuit de la philo – objets, choses, corps (2013, Institut Francais Tokyo), performances as: “FATAL ERROR: der Einzige” with Benjamin Efrati (2014, Stollestr 33 Dresden Germany), Performance with “MIRACLE” (2014, Beaux-Arts de Paris), Shimizu Kanji Karada-wa-Korekarada?direction by Tanaka Min” (2014, plan-B Tokyo), Setouchi Art Festival 2013 (2013/8/17?Uno Port Okayama). He has worked with Kazue Sawai, Min Tanaka, Keiji Haino and lots of friends. He translated the book Sound Art (Film Art Inc., 2010) along with Kazue Kobata and Hiroshi Egaitsu.
http://nishiharanao.blogspot.jp

Greusslich Contemporary
Buchholzer Str. 11
10437 Berlin

Open: Wed+Thu 4-9 pm, Fri + Sat 1-6 pm

+49 30 5367 2850
greusslich-contemporary.de

__________________________________
English:

You are hereby cordially invited to a most disturbing exhibition of works by Rollin Beamish and Nao Nishihara, at the Greusslich Contemporary Gallery. A deeply droning root note, produced by two vibrating automobile hoods, and supplemented respectively by the sharply pulsating staccato of a small lumbering instrument and the clangor of small bells, produce a resulting sound as though a manic procession were taking place. Simultaneously, drawings of body parts are displayed, which were detached either during, or directly after the murder of the depicted persons, and which were then arranged in public spaces. This practice is resurgent in Mexico and is used by competing organizations (cartels) in order to reciprocally demonstrate terror and reprisal.

This close dialog of two critical artistic positions, which together function both on the immediate level of sound as well as on an intellectual level, enables the exhibition to operate on the edge of reasonability. The gallery apologizes emphatically to visitors for this unpleasant encounter, but supports all the more the curatorial concept on the grounds of its societal relevance and contemporary importance.

Rollin Beamish shows a wall-filling installation of his newest series of masterful freehand drawings of severed body parts. Beamish posits questions about personhood. His varied syntactical arrangements, especially of his idiosyncratic portraits generated in recent years, always refer to these hidden questions which inwardly provoke the artist. Both the precise portrayal of the mind and mood of the characters lead to this thesis, as also does the fact that these persons, cut from their contexts dealing with contemporary political, philosophical, literary, and socially relevant life, personify topics like oppression, violence, lies and the misuse of power, but also self-determination, responsibility, love and utopia.
Beamish remarks, that his processes of thinking and selection are actually more difficult than the conversion into complex, technically built drawings, which, alongside discussions with regard to various currents in realism (i.e. classical or academic realism, new objectivity, photo-, hyper-, or surrealism) also moves his work into the spotlight of a conceptual viewing.
Body parts torn asunder, as a realistic allegory for the pain of the innocent (and guilty), is impressively palpable and demands the bequeathal of the intrinsic questions posed by the artist to humankind for further research; questions which open up especially in combination with his wider oeuvre.

In contrast to this form of expression stands the immediate medium of Nao Nishihara, a Japanese sound artist. Likewise with him stand in the forefront of his sound objects complex compositional decisions with regard to sound quality, materiality, context, the viewer, the performance and the production of tone in regards to time, pulse, rhythm, speed, accident, repetition and motif.

Nishihara installs 4 sound sculptures which automatically produce sounds. Two of his wood constructions, referred to by him as "Brace Apes" wander through the room on a stretched cord, and beat a rhythm. Two rotating automobile hoods vibrate dully, resting upon abradant rubber balls.
Nishihara's works always bear many questions about the visualised, automated analog - and partly site-specific - production of sound, as well as the meaning of sound-scapes and sound sculpture in visual art. In this context, the automobile hoods transformed into instruments, together with their groaning, accusatory sound, effuse an apocalyptic mood, critical of consumer culture. With its accompanists, the so-called "Brace Apes", this absurd orchestra produces a trance-like tapestry of sound, with associations of dark, subliminal messages, spiritual extremism or a zombie-like compulsion toward repetition.

Internally and with humankind more broadly, Nishihara's sound and Beamish's installation are capable of evoking intense debate, or alternately can provoke lethargic social withdrawal or abrupt flight.

Lecture: Sat. 04.07.2015, 8 pm: “The Fascination of Medusa”
Gorgonic Contemplations by Christian Breuer

“To decapitate is synonymous with to castrate. The terror of the Medusa is thus a terror of castration, […] becoming stiff means an erection […].” (Freud: “Medusa’s Head”, in: International Journal of Psychoanalysis, ed. by James Strachey, No. 22 [1941], p. 69

On the occasion of the exposition “abyssal” and based on Rollin Beamish’s iconography of the Medusa there will be a short lecture about the fascination and significance of Gorgo followed by a talk with the artist. The lecture will be held in German.
Christian Breuer lives and works as a translator and musician in Berlin. In 2014 he obtained his Ph.D. with Prof. Macho at the Institute for Cultural Studies at Humboldt University Berlin with his thesis „Und wo blicke können tödten…“ – Der Malocchio als begehrlicher Augen/Blick, which will be published in autumn 2015 by Kulturverlag Kadmos Berlin.

Rollin Beamish (*1977, Ohio, USA) equipped with a grant from the renowned Fulbright Commission, lived and worked in Berlin in 2005/06, where he has since continued to stay part time. Since 2006, he has taught at the Montana State University in Bozeman, MT, where he is Associate Professor of Painting and Drawing. Since 2013, he has been a PhD candidate in Media and Communication at the European Graduate School in Saas-Fee Switzerland. In 2004 he completed his MFA at the Ohio University in Athens, OH, majoring in painting. In 2000 he completed his BFA at the Cleveland Institute of Art, in Cleveland, Ohio, also majoring in painting.

Noa Nashihara (* 1976, Hiroshima, Japan) He grew up in Kyoto and Ube in Yamaguchi. In 1998, he left Tokyo University of Foreign Studies before graduating. In 2009, he graduated from Tokyo University of the Arts, with a degree in Musical Creativity and the Environment. In 2011, he obtained a master’s degree in Intermedia Art from Tokyo University of the Arts.
Nao Nishihara works with sound. To experience a great amount of sounds, Nishihara undertakes activities of: installation, sound study, study/documentation of foghorns, field-based recordings, sound for dance, and instrument production/repair. His activity contains solo exhibitions such as: “ Reise der Ohren”(2015, Bethanien Berlin), “ Sound and Object”(2014, Ayumi-Gallery Tokyo), “UNDER35 GALLERY”(2011,‘Shin-Minatomura’ of Yokohama Triennale), “Deaf Cane”(2011, explosion-tokyo), group exhibitions as: Unknown Nature No.5 (2014, Ayumi Gallery), Noge Jazz de Bon-Odori 2014 (2014, Noge-Honcho-street, Yokohama), Nuit de la philo – objets, choses, corps (2013, Institut Francais Tokyo), performances as: “FATAL ERROR: der Einzige” with Benjamin Efrati (2014, Stollestr 33 Dresden Germany), Performance with “MIRACLE” (2014, Beaux-Arts de Paris), Shimizu Kanji Karada-wa-Korekarada?direction by Tanaka Min” (2014, plan-B Tokyo), Setouchi Art Festival 2013 (2013/8/17?Uno Port Okayama). He has worked with Kazue Sawai, Min Tanaka, Keiji Haino and lots of friends. He translated the book Sound Art (Film Art Inc., 2010) along with Kazue Kobata and Hiroshi Egaitsu.
http://nishiharanao.blogspot.jp

Greusslich Contemporary
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Open: Wed+Thu 4-9 pm, Fri + Sat 1-6 pm
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    Berlin Daily 11.12.2017
    Fotoalbenlesung
    19 Uhr: Zwischen den Bildern lesen, mit Prof. Torsten Schulz, im Rahmen der Ausstellung FOTO | ALBUM Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung des Werkbundarchiv - Museum der Dinge | Oranienstraße 25 | 10999 Berlin

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