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Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

12 x 12. Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie

Antje Engelmann



Antje Engelmann: Renate, 2005, © Antje Engelmann

Künstlergespräch am 14.03. um 19:00 Uhr

Im Rahmen von "12 x 12. Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie" zeigt das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur Arbeiten der Künstlerin Antje Engelmann. Geboren 1980 in Ulm, lebt und arbeitet sie seit 2002 in Berlin. Ihre Filme kreisen um ihre Herkunft und Familiengeschichte, die vor wie hinter der Kamera arrangiert und aufbereitet wird. Engelmann bewegt sich in ihren Videos zwischen direkter Dokumentation und Inszenierung.


Renate (2005, 35 min.)

Antje Engelmann begleitet ihre Tante, die über 50-jährige Prostituierte Renate, von Ulm über Hamburg nach Berlin. Diese Reise über Deutschlands Autobahnen zu den früheren Wohn- und Arbeitsorten der Protagonistin ist Sinnbild für deren Lebensgeschichte. Der Film zeichnet das Leben einer Frau nach, die den Weg in ein Abenteuer gesucht hat, dessen glamouröser Schein längst abgeblättert ist. In ihren Erzählungen vom schnellem Geld und dem Gefühl, begehrt zu werden, wird der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit spürbar, nach denen die junge Renate gesucht hat.

Ihre Geschichten zeigen, dass Renate das Anbieten ihres Körpers nie als Demütigung empfand, sondern vielmehr als Ausdruck eines alternativen Lebensgefühls. Prostitution war für sie kein Geschäft, sondern bot ihr die Möglichkeit der Persönlichkeitsbildung durch eine aktive und überdies bezahlte sexuelle Kultur. Sie blickt nicht bitter, sondern amüsiert auf ihre aufregende Vergangenheit zurück, die allerdings – so ihr Resümee – besser irgendwann ein Ende hätte finden sollen. Kritisch und nüchtern reflektiert sie die Vorlieben ihrer Kunden, die finanziell prekäre Situation der Akteurinnen wie auch die langfristigen Konsequenzen, die Prostitution nach sich ziehen kann – schließlich, so die Protagonistin, stirbt in diesem Beruf „die Seele jeden Tag ein Stück“.

Antje Engelmann begleitet Renate mit einer Handkamera und richtet die Linse allein auf ihr Gegenüber. Sie ist eine Beobachterin, die zwar die Erzählung strukturiert, Renate jedoch keine Fragen oder moralischen Bedenken entgegensetzt.


Wie Wann Wo Warum (2007, 15 min.)

„Wie Wann Wo Warum“ behandelt den Tod des Hamsters Rufus und dessen Verarbeitung durch die 12-jährige Schwester der Künstlerin, Laurin. Was anfangs wie eine filmische Beobachtung anmutet, erweist sich auf den zweiten Blick als Möglichkeit, die Trauerarbeit der Schwester aktiv zu begleiten. Ausgehend von der Nachricht, dass das Tier eingeschläfert werden muss, entwickelt Antje Engelmann ein Einäscherungsritual für den toten Hamster: An einer einsamen Stelle im Wald baut sie mit Laurin einen kleinen Altar auf und beobachtet den in Flammen aufgehenden Kadaver des Haustiers. Das Ritual lässt die Darsteller verstummen und ermöglicht dem Zuschauer ein Nachdenken über die Macht symbolischer Handlungen. Solchen Fragen nach dem Sinn von Ritus und Symbolik geht Engelmann auch in ihrem neuesten Film ausführlich nach.

Eine Anleitung, um die Vergangenheit zu ändern (2011, 40 min.)

Bereits 2003, als ihre Urgroßmutter noch lebte, begann die Künstlerin die Arbeit an diesem filmischen Großprojekt. Erzählt wird die Familiengeschichte Engelmanns anhand von dokumentarischem, ritualhaft inszeniertem und gefundenem Material, beispielsweise Spielfilmsequenzen und dem Archiv von Super-8-Filmen ihrer Familie.

Den wichtigsten Bezugspunkt bilden die donauschwäbische Abstammung ihrer Familie sowie die Riten und Symbole dieser Volksgruppe. Engelmanns Vorgehensweise bei ihrer Spuren- und Identitätssuche gleicht einer ethnographischen Studie. Über persönliche Gespräche innerhalb der Familie folgt sie jenem Weg, den die vertriebenen Urgroßeltern von Ungarn nach Deutschland genommen haben. Ihre Reise führt sie bis nach Brasilien, wo sie sich mit dem Alltag einer donauschwäbischen Gemeinde auseinandersetzt. In einer Art Diaspora-Situation leben die Donauschwaben dort noch heute gemäß den Traditionen und Bräuchen ihrer Vorfahren.

Die eigene Biografie ist Ausgangspunkt für die Frage nach der Bedeutung von Heimat und Ritus in einer als kosmopolitisch bezeichneten Welt. Wie wichtig ist die Bewahrung von Traditionen – Kleidung, Dialekte, Essgewohnheiten –, um durch Abgrenzung ein Gefühl von Zugehörigkeit und persönlicher Verortung zu erzeugen? Engelmanns Annäherung an die eigene Geschichte schwankt zwischen Anziehung und Abstoßung. Sie wirft aber auch Fragen auf: Wie rekonstruiert man Vergangenheit? Aus Bildern, Erzählungen, Zeitreisen oder durch Erinnerungsstücke und Erbgegenstände? Wie prägen Bilderarchive und Fotoalben unsere persönliche Erinnerung?

Das collagierende Vorgehen gibt der Künstlerin nicht nur die Möglichkeit, verschiedene Formen der Rekonstruktion von Vergangenheit und der Konstruktion von Identität zu erproben. Die filmische Erzählung changiert auf diese Weise gekonnt zwischen der Determinierung der Künstlerin durch die donauschwäbische Tradition ihrer Familie und ihrer Selbstfindung vor dem Hintergrund der Familiengeschichte.

ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch-Montag 10:00-18:00 Uhr
Dienstag geschlossen
geschlossen am 24.12. und 31.12.

Berlinische Galerie
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Kunst, Fotografie und Architektur
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Alte Jakobstraße 124 – 128
10969 Berlin
Tel. (+49)–(0) 30 789 02 833
Fax. (+49)–(0) 30 789 02 730

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