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Susanne Paesler

Malerei 1993 - 2006


„Radikaler oder besser: konsequenter werden,“ sagte Susanne Paesler 1994, „heißt für mich, dekorativer zu werden. Ich denke, dass das Dekorative ein Transportmittel für etwas jenseits der Dekoration sein kann, aber ich möchte für meine Arbeit, dass eine Ambivalenz zwischen Beunruhigung und Bestätigung des Gegebenen bestehen bleibt.“ Diese Ambivalenz ist für die Rezeption von Susanne Paeslers Malerei entscheidend, weil sie den verklemmten Imperativ aufs Korn nimmt, kritische und kluge KunstbetrachterInnen dürften ihre Objekte nicht mögen. Doch Susanne Paeslers Bilder sind anziehend; wir können uns ihnen nicht entziehen, und dabei wird uns unsere Lust unheimlich, weil sie das Vertraute fremd macht: Geometrische Abstraktion sieht wie Stoffmuster aus, zarte Pastellfarben wie Schminke, kräftige Bilderrahmen erweisen sich als optische Täuschungen. Susanne Paesler führt den Geschmack, dieses eigenartige und produktive Des/Interesse, vor und tut nicht so, als gäbe es ihn nicht. Erst eine domestizierte Moderne, keine metaphysisch aufgeladene, macht eine solche Praxis der neuen Abstraktion in der Malerei möglich. Erst aus der Perspektive des Wohnens, der Mode und des Designs, so lassen sich Susanne Paeslers Gemälde sehen, ist eine Grundlage für eine Malerei entstanden, die mit Ironie oder Persiflage nichts zu tun hat, sondern die die Geschichte des Tafelbildes konsequent und das heißt: aus einem bestimmten Blickwinkel fortschreibt. Dazu gehört das Nacharbeiten von Jackson Pollocks legendären Spritzern oder Lucio Fontanas Schnitten ebenso wie die Anlehnung an Bridget Rileys optische Irritationen. Solche Werke sind ihre eigene Signatur im kulturellen Text des 20. Jahrhunderts.

Susanne Paesler spielte Malerei in einer Art von System durch. Einem formalen und einem Kontextsystem, das jedoch anders, als es der Begriff System nahe legt, alles andere als gefühllose Oberflächen hervorbrachte, sondern auf optisch vibrierende Weise das Analytische im Schönen kenntlich machte. Entstanden ist ein Werk von kritischer Eleganz im Spektrum geometrischer Abstraktion, kalligraphischer Kürzel, landschaftlicher Situationen, floraler Assoziationen und ornamentaler Muster. Gerade im kulturhistorischen Wissen um die Gesten früherer MalerInnen führte Susanne Paesler solche Gesten selbst wiederum gestisch und nicht als exakte Kopie durch und deklinierte sie als Muster, als Bilder im Sinne von Standards. Selbst die minutiöse, makellose Karotextur der frühen Arbeiten, die Susanne Paeslers künstlerischen Erfolg unmittelbar nach Abschluss des Studiums an der Städelschule in Frankfurt/Main begründeten, lässt sich als eine solche Geste verstehen.

In Susanne Paeslers mehrjähriger Auseinandersetzung mit dem Bildrahmen als Testfall jeder Bildbegrenzung führte dieses Nachdenken über die Geste weg von der Hand hin zu einer Materialisierung der Rahmenbedingungen zeitgenössischer Malerei. Besonders scharfsinnig und gleichzeitig, mit einem Neologismus, scharfsinnlich, übertrug Susanne Paesler diesen Ansatz dann auf ihre Signatur als dem Gegenstück zum Label in der Mode, aber auch als traditionellerweise den Malprozess abschließende künstlerische Autorisierung. Vom Computer, generell ein für sie äußerst wichtiges Produktionsmittel, in Pixel übersetzt, zitierte Susanne Paesler diese Signatur wiederholt in ihrer bevorzugten Typographie, aber auch in einer handschriftlichen Version und vor allem in unterschiedlichen Dimensionen. In manche der späten Kompositionen aus regelmäßigen geometrischen Formen und Kurven reicht beinahe unkenntlich nur noch der vergrößerte letzte Buchstabe des Nachnamens, das „r“. Diese eigenwillig dynamische Spur überspielt das Bild in Dimensionen von Abstraktion im doppelten Sinn: Rechnen wir das Werk von den gewöhnlichen Abmessungen einer Unterzeichnung hoch auf ein dazugehöriges Bildobjekt, so ließe dieses alle bekannten Riesenformate in der Malerei hinter sich. Die Signatur spielt schließlich auch bei einem der jüngsten, besonders eindrücklichen Bilder eine wichtige Rolle. Anders als die Landschaften und die stillebenartigen Motive führt es die Auseinandersetzung mit Mustern fort. Hier adaptierte die Malerin eine folkloristische Musterversion und entwickelte eine leuchtende, ornamentale Figur in der Form eines Kronleuchters.

Bei aller ästhetischer Verlockung der Oberflächen hat Susanne Paeslers Malerei eine nicht nur komplexe, sondern auch widerständige visuelle Intelligenz, gepaart mit einer Verletzlichkeit, die jede Auseinandersetzung mit dem Persönlichen bedeutet. Die Künstlerin ist nach langer Krankheit im August 2006 gestorben. Die Ausstellung zeigt ein unnachahmliches Werk; sie macht auch den Anfang für eine Neubewertung, die nicht nur das Einzigartige, sondern auch das Zukunftsweisende dieser Malereiposition herausstellen wird.

Hanne Loreck



Susanne Paesler, 1963 geboren in Darmstadt, 2006 gestorben in Berlin

Ausstellungen (Auswahl):
2005: Berlinische Galerie, Berlin (solo); Abstraktes, Galerie Barbara Weiss (group); 2003: deutschemalereizweitausenddrei, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt/Main (group) ; 2002: Kunstverein Springhornhof, Neuenkirchen (solo); 2001: Frankfurter Kreuz, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt/Main (group); 2000: Private Painting, Galerie Zwinger, Berlin (solo); Kunstbank, Berlin (group)

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