Fotos vom Rundgang - Tage der offenen Tür 2013: Franziska Libuda, Heike Overberg

Zukunftsträchtige, ökologisch sinnvolle Produktentwicklungen, soziale Konzepte für ausgegrenzte Gruppen, digitale Oberflächen für noch zu entwickelnde Geräte, »intelligente« Stoffe, unkonventionelle, phantasievolle Entwürfe für Kleidung, noch nie gesehene Bühnenbilder, experimentelle Raumgestaltung und Stadtentwicklung sowie von den Gesetzen des Marktes unbelastete Kunstwerke – zum Ende des Studienjahrs 2013/14 präsentieren Studierende der Kunsthochschule Berlin Weißensee aus allen Studiengängen ihre Entwürfe, Arbeiten und Projektskizzen. Interessierte sind eingeladen die Hochschule zu den Tagen der offenen Tür zu besuchen.


Fotos vom Rundgang - Tage der offenen Tür 2013: Franziska Libuda, Heike Overberg

RUNDGANG – Tage der offenen Tür 2014

Sonnabend, 19. und Sonntag, 20. Juli 2014, jeweils von 12-20 Uhr
Ort: Kunsthochschule Berlin Weißensee, Bühringstraße 20, 13086 Berlin

WEITERE VERANSTALTUNGEN IM RAHMEN DES RUNDGANGS – TAGE DER OFFENEN TÜR 2014:

SEEFASHION14
Modenschau des Fachgebiets Mode-Design
Ort: Club »Prince Charles«, Aufbau-Haus am Moritzplatz, Prinzenstraße 85 F, 10969 Berlin
Montag, 7. Juli 2014, 18 und 20.30 Uhr; Eintritt: 20 EUR/15 EUR
Details unter: http://bit.ly/1qvy1Vz

ALLER ENDE ANFANG
Ausstellung der Abschlussarbeiten 2014. Visuelle Kommunikation
Ort: HO | Berlin, Holzmarktstraße 66, 10179 Berlin
Eröffnung: Donnerstag, 17. Juli 2014, 18 Uhr
18.-24. Juli 2014, täglich 12-20 Uhr

REIF
Ausstellung der Abschlussarbeiten 2014
Malerei, Bildhauerei, Raumstrategien
Ort: Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin
Eröffnung: Freitag, 18. Juli 2014, 19 Uhr
19.-27. Juli 2014, täglich 14-19 Uhr
Es wird ein Rahmenprogramm angeboten.
Weiteres unter: http://bit.ly/1t0pSwA
Fotos vom Rundgang - Tage der offenen Tür 2013: Franziska Libuda, Heike Overberg

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Alfred Ehrhardt Stiftung


Alfred Ehrhardt Stiftung
10117 Berlin,
Auguststr. 75
Telefon: 030-200953-33

Internet: Alfred Ehrhardt Stiftung
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vom 15.09.2017 | 19-21 Uhr bis 23.12.2017

Titel: FRAGMENT oder die Gegenwart des Zweifels


Künstler: Joachim Richau
Werkabbildung
Joachim Richau
STEN BROTT I
2010
© Joachim Richau


16. September bis 23. Dezember 2017
Eröffnung: Freitag, 15. September 2017, 19–21 Uhr
Begrüßung: Dr. Christiane Stahl, Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung



Unmittelbar nach dem Fall der Mauer begann der Ostberliner Fotograf Joachim Richau (*1952) seine regelmäßigen Arbeitsaufenthalte in Skandinavien. Seit den frühen 2000er Jahren beschäftigte er sich verstärkt mit der schwedischen Landschaft. Mehr als zehn Jahre lang hatte Richau in Dalarna ein Atelier im Waldhaus von Freunden, weit entfernt von bewohnter Gegend, wohin er sich jedes Jahr zu mehrmonatigen Aufenthalten zurückzog. Dort entstand neben unzähligen weiteren Bildfolgen und Einzelbildern auch der Zyklus FRAGMENT oder die Gegenwart des Zweifels, dem die Alfred Ehrhardt Stiftung nun eine eigene Ausstellung widmet.

Auf seinem Weg von einer noch dokumentarisch geprägten Fotografie der 1980er und 90er Jahre in Richtung eines abstrakteren, weniger narrativen Bildausdrucks wurde Joachim Richau unter anderem von Alfred Ehrhardt bestärkt: Seine Detailaufnahmen von Sandstrukturen im Watt oder isländischen Lavaformationen und vor allem sein auf wenige Bildelemente reduziertes malerisches und zeichnerisches Werk finden Eingang in Richaus Bilddenken. So erreichen seine extremen Nahaufnahmen eines schneebedeckten Steinbruchs einen Abstraktionsgrad, der seinen Bildern eine malerische Qualität verleiht. Fragmentarisch löst er mit seinem Blick die Schichten des Gesteins aus ihrem Umfeld und setzt den Fokus auf ihre Strukturen, so dass ihre grafische Prägnanz hervortritt. Seine intensive, unmittelbare und langjährige Auseinandersetzung mit der Struktur dieser Landschaft war zwingende Voraussetzung, um diese Bilder zu schaffen.

Werkabbildung
Joachim Richau
STEN VIT III
2016
© Joachim Richau


Das Leben und Arbeiten in der Abgeschiedenheit ermöglichte Richau eine Hinwendung zu sich selbst. Erst in der Kontemplation und Konzentration konnte er die Bilder zu sich finden lassen. „In Schweden war ich zu Hause in der Fremde“, beschreibt der Fotograf seine Erfahrung, „Ich war dort viel näher bei mir als je zuvor. Fern dem Vertrauten fühle ich mich wohl, bin ich ruhig. Und in der Ferne habe ich Distanz zum Gegenstand.“

Im Wort „Fragment“ klingt etwas Verletzliches, Feines, Zartes an. Eine Fragmentierung geht mit einem Bruch einher. Der Steinbruch wird somit zum Sinnbild für die Verletzlichkeit des Massiven, des scheinbar Unverrückbaren. Ebenso wie die Fragilität und Sensibilität finden auch die Brüche, derer es in seiner Biografie viele gibt, in Richaus Bildern einen Ausdruck. Für ihn ist der Bildgegenstand nicht der konkrete Steinbruch, sondern die „absolut selbstverständliche Erhabenheit und Zeitlosigkeit der Natur als Ort menschlichen Lebens“.

Zur Ausstellung erscheint das Buch
FRAGMENT oder die Gegenwart des Zweifels
Mit Texten von Katrin Arrieta, Peter Kruska und Christiane Stahl
Kehrer Verlag, 86 Seiten, 23 x 33,5 cm, 35,- €.
kehrerverlag.com

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Stadtgalerie Kiel, dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus und dem Leonhardi-Museum, Dresden:

Joachim Richau – WERK WANDEL
Stadtgalerie Kiel 10.06. bis 03.09.2017
Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst Cottbus 03.12.2017 bis 28.01.2018
Leonhardi-Museum Dresden, Frühjahr/Sommer 2018
joachim-richau.de

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 | Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de




vom 23.6.2017 | 19 Uhr bis 10.09.2017

Titel: FOTO-AUGE FRITZ BLOCK Neue Fotografie – Moderne Farbdias


Künstler: Fritz Block
Werkabbildung
Fritz Block
Pont Transbordeur (Schwebebrücke),
Marseille, 1931
Pont Transbordeur (Transporter
Bridge), Marseille, 1931
Silbergelatine, 23,4 x 17,5 cm
© Fritz Block Estate Archive,
Stockholm/Hamburg


24. Juni bis 10. September 2017
Eröffnung: Freitag, 23. Juni 2017, 19 Uhr
Eröffnungsrede: Dr. Roland Jaeger, Kurator der Ausstellung


Der deutsch-jüdische Fotograf Fritz Block (1889–1955) war ein äußerst vielseitiger Exponent der Fotomoderne. Sein Werk reicht von der Neuen Fotografie der späten 1920er Jahre in Deutschland über die Reisefotografie der 1930er Jahre bis zur Farbfotografie der 1940er Jahre in den USA. Aufgrund seines Exils für lange Zeit in Vergessenheit geraten, erfährt dieser Fotograf nun eine Wiederentdeckung. Denn erstmals kann mit dieser Ausstellung aus dem Nachlassarchiv eine repräsentative Retrospektive seines Schaffens gezeigt werden. Sie umfasst 130 Schwarz-Weiss-Abzüge (vintage prints) und 20 Farbvergrößerungen nach originalen Farbdias sowie zahlreiche Druckbelege aus der fotoillustrierten Presse. Für diese ungewöhnliche Materialfülle wurde eine kompakte, filmstreifenartige Präsentationsform gewählt, die zugleich der Anordnung von Fotografien in Printmedien und Ausstellungen zur Zeit der Weimarer Republik nahe kommt.

Die Biografie des Fotografen ist ebenfalls facettenreich: Zunächst trat Block als engagierter Architekt des Neuen Bauens hervor. In Hamburg betrieb er ab 1921 mit einem Partner das Architektenbüro Dr. Block & Hochfeld. Die Dokumentation der Bauausführung eigener Gebäude führte ihn 1929 zur Fotografie. Mit der Kleinbildkamera ›Leica‹ richtete Block sein Foto-Auge im Sinne der Neuen Sachlichkeit auf technische Konstruktionen im Hamburger Hafen. Zugleich besaß er ein Gespür für die ausdrucksstarke Wiedergabe von Menschen, vom Werftarbeiter bis zum Zirkusclown. Naturkundliches Interesse bewies er mit seinen Fotos von Tieren, Studien von Pflanzen sowie Objekt- und Röntgenaufnahmen von Muscheln und Schnecken. Außerdem experimentierte Block mit Ausdrucksformen des Neuen Sehens und arrangierte seine Aufnahmen zu Fotoreportagen.

Werkabbildung
Fritz Block
Blick vom Kaufhaus Galeries Lafayette
auf den Boulevard Haussmann, Paris,
1930
View from Galeries Lafayette
Department Store onto Boulevard
Haussmann, Paris, 1930
Silbergelatine, 23,4 x 16,6 cm
© Fritz Block Estate Archive,
Stockholm/Hamburg


Seine Spezialität aber war die gleichfalls zeittypische Städte- und Reisefotografie. In Berlin betrachtete Block den Funkturm aus ungewöhnlichen Perspektiven. In Paris faszinierte ihn die Konstruktion des Eiffelturms ebenso wie das Leben in den Boulevard- Cafés oder auf dem Großmarkt Les Halles. In Marseille nutzte er den Pont Transbordeur für einen ›Blick von oben‹ und an der Côte d´Azur hielt er das ungezwungene Strandvergnügen fest. Eine Rundreise durch die USA im Herbst 1931 fiel besonders ertragreich aus. In New York fotografierte Block die Skyline von Manhattan, Hochhäuser wie das gerade fertiggestellte Empire State Building, die Brooklyn Bridge und die neue George Washington Bridge, den Broadway bei Nacht, aber auch Menschen der verschiedenen Ethnien und die Schausteller von Coney Island. In Detroit entstand eine eindrucksvolle Serie von Aufnahmen der Ford-Fabrik, ihrer Schornsteine, Fließbandarbeit und Produkte.

Obwohl kein Berufsfotograf, wertete Block seine Fotos auch zur Veröffentlichung in der illustrierten Presse aus. In der Wochenbeilage der Tageszeitung Hamburger Anzeiger ist er Anfang der 1930er Jahre mehrfach mit Titelfotos und Fotoreportagen vertreten. Aufnahmen von ihm finden sich auch in Die Form, dem Organ des Deutschen Werkbundes, oder in fotografischen Jahrbüchern. Außerdem beteiligte sich Block 1930 an der Internationalen Ausstellung Das Lichtbild in München und 1932 an der Internationalen Foto- Ausstellung in Hamburg.

Allerdings war seiner fotografischen Karriere in Deutschland nur ein kleines Zeitfenster beschieden. Denn als Jude konnte Block seine Fotos hier ab 1933 nicht mehr publizieren (und auch als Architekt nicht mehr selbständig arbeiten). Er entschied daher, fortan nur noch auf seinen Auslandsreisen zu fotografieren: 1933 unternahm Block einen Zeppelin-Flug nach Brasilien, 1935 schuf er eine Bilderserie vom Petticoat Lane Market in London und 1938 diente ihm eine Kreuzfahrt um die Welt bereits zur Sondierung von möglichen Exilorten.
Ende 1938 emigrierte Fritz Block in die USA, wo er in Los Angeles die Fotografie zu seinem Hauptberuf machte und sich der Kodachrome-Farbfotografie zuwandte. In den 1940er Jahren produzierte und vertrieb er (in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art in New York) neuartige Farbdia-Serien mit eigenen Aufnahmen von Bauten und Interieurs der Architekturmoderne in Kalifornien sowie von Formgestaltungen in Kunst, Technik und Natur für einen zeitgemäßen Kunstunterricht in den Vereinigten Staaten – eine singuläre, bisher übersehene Einzelleistung im Bereich der Exilfotografie. Mit ihrer Block-Ausstellung macht die Alfred Ehrhardt Stiftung das Foto-Auge eines außergewöhnlichen Fotografen wieder sichtbar.

Zur Ausstellung erscheint eine 20-seitige Broschüre mit Text in Deutsch und Englisch (Schutzgebühr € 3).

Begleitende Veranstaltungen:
Sonntag, 25. Juni 2017, 14 Uhr: Kuratorenführung
Sonntag, 20. August 2017, 14 Uhr: Kuratorenführung
Der Eintritt ist frei. Wir bitten jeweils um Voranmeldung per e-Mail.

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 |

Öffnungszeiten:
Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de




vom 21.4.2017 | 19-21 Uhr bis 18.06.2017

Titel: Planetary Echoes


Künstler: Michael Najjar
Werkabbildung
Michael Najjar, europa, 2015, hybrid photography, archival pigment print, diasec, custom-made aluminum frame, © Michael Najjar, Courtesy the artist

22. April bis 18. Juni 2017
Eröffnung: Freitag, 21. April 2017, 19–21 Uhr
Begrüßung: Dr. Christiane Stahl, Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung


Die Alfred Ehrhardt Stiftung freut sich, die Einzelausstellung „Planetary Echoes“ des international bekannten, in Berlin lebenden Künstlers Michael Najjar zeigen zu können. Najjar zählt zu jener Avantgarde von Künstlern, die die technologischen Entwicklungen, die das frühe 21. Jahrhundert so einschneidend verändern, mit einem differenzierten und kritischen Blick betrachten. Seine Foto- und Videoarbeiten schöpfen aus seinem interdisziplinären Kunstverständnis: Er verbindet Wissenschaft, Kunst und Technologie zu Utopien zukünftiger Gesellschaftsstrukturen, wie sie von den hochmodernen Technologien hervorgebracht werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Planetary Echoes“ steht die Vorstellung einer zukünftigen Besiedlung des Weltraums durch den Menschen. Michael Najjars fotografische und filmische Kompositionen verweisen auf formale sowie thematische Ähnlichkeiten zwischen unserem eigenen Heimatplaneten und anderen Monden und Planeten innerhalb des Sonnensystems. Seine großformatigen Fotografien zeigen natürliche extraterrestrische Lebenswelten, die erhaben und zugleich seltsam vertraut anmuten, bei denen es sich in Wirklichkeit jedoch um synthetische Konstruktionen einer nicht allzu fernen zukünftigen Realität handelt. Die ergreifende Schönheit seiner interplanetaren Landschaften ergibt sich aus der Hyperrealität eines imaginären Naturraums, der jenseits des (bislang) Erreichbaren lokalisiert ist.

Najjars formaler Vergleich der terrestrischen Natur mit extraterrestrischen Umgebungen steht im Einklang mit dem Ausstellungsprogramm der Alfred Ehrhardt Stiftung: Die von Ehrhardt und seinen Zeitgenossen postulierten kosmischen Gesetzmäßigkeiten, die mit lebensphilosophischem Impetus begründete Kongruenz zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, finden in Najjars Kompositionen ihren visionären Widerhall. In seiner Aufnahme „interplanetary landscape“ vermischt sich die aus großer Höhe betrachtete Oberflächenstruktur der Erde mit der des Planeten Mars. Bei den „waves of mars“ könnte es sich ebenso gut um die Sanddünen der Kurischen Nehrung handeln, wie Ehrhardt sie fotografiert hatte. In der Arbeit „europa“ verschmelzen schließlich Gletscher der Erde mit Gletscherregionen des Jupitermondes Europa zu einer formalen Einheit.

„Wir müssen unseren existenziellen Bezugsrahmen, der bisher nur unseren Heimatplaneten einschließt, in Zukunft erweitern. Auch die Erdumlaufbahnen, Monde, andere Planeten und der Weltraum im Allgemeinen müssen mit einbezogen werden“, argumentiert der Künstler. Die Menschheit sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die den Lebensraum auf der Erde bedrohen. Diese reichen von Überbevölkerung, Klimawandel und sich verringernden Ressourcen bis hin zu Verknappungen bei der Versorgung mit Energie, Nahrungsmitteln und Wasser. Najjar verfolgt in seiner Arbeit die Idee, dass die Kolonisierung unseres Sonnensystems möglicherweise die einzige Chance bietet, das Überleben unserer Spezies zu gewährleisten.

Bevor die Menschheit in der Lage sein wird, das Leben von der Erde ins All zu verpflanzen und dort aufrechtzuerhalten, ist eine Reihe technischer Innovationen erforderlich. Um den Blauen Planeten verlassen zu können, muss eine Unzahl von entscheidenden Herausforderungen bewältigt werden wie Versorgungs-kettenmanagement, Logistik, Kommunikation und Nachhaltigkeit, um nur einige zu nennen. Künftige Astronauten werden auf entfernten Planeten und Monden nicht nur ihre eigene Nahrung anbauen und ihr Wasser filtern, sondern auch Energie erzeugen und Infrastrukturen aufbauen müssen, wobei ihnen lediglich die jeweiligen lokalen Materialien zur Verfügung stehen. Innovationen im Bereich der Raumfahrt könnten – als eine Art Nebenprodukt – nachhaltige Technologien entwickeln, die dazu beitragen, die Zukunft unserer Erde zu sichern.

„Je weiter wir uns in den Weltraum hinauswagen werden“, so der Künstler, „umso mehr wird unser intellektuelles und wissenschaftliches Wissen um unseren Platz im Universum ergänzt werden durch die direkte Erfahrung, die unsere Identität und unser Verständnis dessen, wer wir sind und wo wir herkommen, verändern wird. Durch die Expansion der Präsenz des Menschen im Sonnensystem werden wir die nächste Stufe der Evolution erreichen: den ‚Homo spaciens‘: Eine neue Art des Menschen, die sich in hohem Maße an das Leben im All anpassen kann und besser dafür geeignet ist, diesen Raum zu erkunden und zu besiedeln, und der es möglich ist, von der Erde entfernt zu leben. Wir müssen zu der Einsicht gelangen, dass zwischen Erde und Weltraum kein Gegensatz besteht, da die Erde ja bereits Teil des Weltraums ist.“

Neben Arbeiten, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind, wird Michael Najjar auch ganz neue Werke zeigen, darunter einen Film über das Konzept des „Terraforming“, der Anfang 2017 auf Island entsteht. Damit schlägt er zugleich eine Brücke zwischen seiner eigenen Arbeit und der von Ehrhardt, der 1938 eine zweimonatige Foto- und Filmexpedition auf Island unternommen hatte. Seine abenteuerliche Reise führte Ehrhardt zu unberührten, von Gletschern und Vulkanen geformten „Urlandschaften“, wo er „Einblicke in den Ursprung der Erde“ zu gewinnen hoffte. Er näherte sich der Landschaft in seiner Arbeit mit einer typologischen Herangehensweise und mit einem avantgardistischen, abstrakten Bildvokabular. Michael Najjar filmte an vielen der Orte, die Ehrhardt vor fast einem Jahrhundert aufgesucht hatte. Ehrhardts Suche nach dem Ursprung der Erde führt Najjar um einen Schritt weiter zur wichtigsten Herausforderung des 21. Jahrhunderts überhaupt: die Zukunft der Erde zu sichern.

Eine begleitende Publikation, die sich ausführlicher mit der Idee der Erkundung und Besiedlung des Weltraums befasst, wird bei Spector Books erscheinen.

Begleitende Veranstaltungen:

5. Mai 2017: Planetary Echoes. Exploring the Implications of Human Settlement in Space, Panel discussion mit Nelly Ben Hayoun (Experience Designer), Xavier De Kestelier (Hassell Studio), Sir Tim Smit (Mitbegründer des Eden Project), Michael Najjar, Moderation: Lukas Feireiss
Weitere Veranstaltungen sind in Planung: Artist Talk | Atelierbesuch und Künstlerführung | Literaturhaus der Fotografie

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 | Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de




vom 13.1.2017 | 19 Uhr bis 09.04.2017

Titel: Ocean Cantos (Film Installation)


Künstler: Andrej Zdravičs
Werkabbildung
Andrej Zdravič, Ocean Cantos, Still from film, 2016, © Andrej Zdravič

14. Januar bis 9. April 2017

Eröffnung: Freitag, 13. Januar 2017 um 19.00 Uhr
Der Künstler ist anwesend und führt in die Ausstellung ein (in englischer Sprache).


Der Filmemacher und Soundkünstler Andrej Zdravičs wird im Gespräch mit Dr. Christiane Stahl durch seine Film-Installation Ocean Cantos in der Alfred Ehrhardt Stiftung führen. Zdravič teilt mit dem Fotografen Alfred Ehrhardt – ebenso Filmemacher und Musiker – seine Leidenschaft für Musik und Natur, insbesondere für die Beobachtung der Gesetzmäßigkeiten sowie der chaotischen Kräfte des Meeres. Die spezifische Anziehungskraft des Meeres beschreibt Zdravič folgendermaßen: „Ich war schon immer fasziniert von der heilenden Kraft von Naturbewegungen, ihren elementaren Prinzipien und ihrem großen narrativen Potential, das ich versuche in meinen Filmen festzuhalten. Wasser hat seit jeher eine ganz besondere Bedeutung für mich und ich habe mich im Laufe der Jahre immer wieder damit auseinandergesetzt […]. Der Ozean, mit seinem Rhythmus und seinen wechselhaften Stimmungen, fasziniert mich besonders, da er die Weiten unserer Innenwelten widerzuspiegeln scheint.“

Ocean Cantos ist eine Fortsetzung von Zdravičs Erkundung des Ozeans, konzipiert „als eine sich ständig weiterentwickelnde Reihe von Kurzfilmen“ aus allen Teilen der Welt. Die Ausstellung zeigt die Premiere des ersten Teils von Ocean Cantos, der an der Pazifikküste Kaliforniens (2013) und an den Küsten der Kantabrischen See in Nordspanien (2014-15) gedreht wurde. Die auf drei Projektionsflächen gleichzeitig gezeigte Film- und Soundinstallation konzentriert sich auf die immensen Kräfte von Meereswellen und ruft jene physischen Empfindungen hervor, die wir aus der näheren Betrachtung des realen Meeres kennen: die Erfahrung pulsierender Energie, die Polarität zwischen friedlicher Stille und drohender Gefahr, die vom Meer ausgeht.

Werkabbildung
Zdravič, Ocean Cantos, Still from film, 2016, © Andrej Zdravič

Andrej Zdravič (*1952) ist ein slowenischer Experimentalfilmer und Soundkünstler, der an der Universität von Ljubljana und der State University of New York/Buffalo studierte. Er unterrichtete als Dozent an verschiedenen Universitäten. Sein filmisches Werk wurde in diversen Einzelpräsentationen in den USA und in Europa gezeigt. Zu seinen wichtigsten Dauerinstallationen zählen die 7-Kanal-Videoinstallation Water Waves – Time Horizon im San Francisco Exploratorium, Museum of Science, Art and Human Perception (1993/2013) sowie die 8-Kanal-Videoinstallation Ocean Lava, mit der er 1999 sein Land auf der Biennale in Venedig vertrat. Zuletzt entstand die aufwändig produzierte 3-Kanal HD Filminstallation The Forest – Time Triptych, die seit 2011 im Triglav National Park Centre in Trenta installiert ist. Zdravič lebt und arbeitet in Ljubljana und anderen Ländern Europas.

Künstlerführung und Künstlergespräch
mit Dr. Christiane Stahl und Andrej Zdravič
(in englischer Sprache)
Sonntag, 15. Januar 2017, 14.00 Uhr | Eintritt frei | Wir bitten um Voranmeldung per e-mail.


ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 | Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de | alfred-ehrhardt-stiftung.de

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Andrej Zdravič shares with photographer Alfred Ehrhardt – also a filmmaker and musician – a passion for music and nature, in particular for the observation of the patterns and the chaotic powers of the sea. With his perception of sound and visual rhythm, Zdravič developed a distinct cinema language that engenders, in his words, an intimate experience of the energies and spiritual aspects of natural phenomena: "I have always been fascinated by, and challenged to project in my films the therapeutic energy of movement in nature that contains fundamental principles and a great narrative potential. Water has always held a special place in my heart, and I have kept returning to it [...]. The ocean in particular fascinates me, its rhythms and ever-changing moods seem to reflect the breath of inner space."

Ocean Cantos is a continuation of Zdravič´s explorations of the ocean, "conceived as an evolving series of short films" from diverse locations in the world. The exhibition presents the premiere screening of the first volume of Ocean Cantos, which was filmed on the Pacific coast of California (2013) and on the Cantabrian Sea shores of Northern Spain (2014–15). Consisting of three simultaneous sound/film projections, the installation focuses on the immense power of ocean waves and arouses the physical sensations that one feels when closely observing the sea in real life—the experience of pulsating energy, the contrast between the peaceful calm and the implicit danger emanating from the sea.

Andrej Zdravič (*1952, Slovenia) is an experimental filmmaker and sound composer who studied at the University of Ljubljana and the State University of New York/Buffalo. From 1975 to 1997, Zdravič lived and worked in New York City and in San Francisco. He has taught at the University of Wisconsin/ Milwaukee and the San Francisco State University, and has lectured at some 30 other universities. His films have been featured in over 150 solo presentations in the US and Europe, including retrospectives at Deutsches Filmmuseum Frankfurt, Anthology Film Archives New York City, Centre Georges Pompidou Paris, and Kinoteka Ljubljana. Among his most important permanent installations are the 7-channel video installation Water Waves–Time Horizon at the San Francisco Exploratorium, The Museum of Science, Art and Human Perception (1993/2013) and the 8-channel video installation Ocean Lava, with which he represented his country at the Venice Biennale in 1999. One of his most recent long-term exhibits is the 3-channel HD film installation The Forest–Time Triptych, on view at the Triglav National Park Centre in Trenta, since 2011. Zdravič lives and works in Ljubljana and elsewhere in Europe. andrejzdravic.com

Guided tour and Artist talk with Andrej Zdravič
and Dr. Christiane Stahl (the talk will be in english)
Sunday, january 15, 2017, 2 pm | admission free | please register per e-mail.


ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 | Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de




vom 9. 9. 2016 | 19.00 Uhr bis 23.12.2016

Titel: Das erstaunte Schweigen. Landschaften von Andréas Lang


Künstler: Andréas Lang

Andréas Lang Jungle USA 2007/2011 Archival pigment print, 110 x 138 cm © Andréas Lang, VG Bild Kunst

Mit 25 Werken aus den Jahren 2000 bis 2013 widmet sich die Alfred Ehrhardt Stiftung einem Künstler, der in seiner zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Landschaften und Natur Einflüsse der Romantik und des Surrealismus verarbeitet.

Nach einem langjährigen Aufenthalt in Paris kehrt Andréas Lang 2001 nach Deutschland zurück, begibt sich auf die Suche nach seinen geistigen Wurzeln und beginnt sich mit der geschichtlichen wie mythologischen Prägung von Landschaften in Europa auseinanderzusetzen. Er folgt den Spuren der deutschen Frühromantik, entdeckt seine Heimatregion nahe der Grenze zu Frankreich, eine Gegend von wechselhafter Geschichte. Es folgen weitere Arbeiten zu Europa und eine Artist Residency in Polen. Er bereist den Nahen Osten und die Landschaften des Christentums und der Kreuzzüge mit ihrer Ambivalenz Heiliges Land – Heiliger Krieg. Seit 2010 widmet er sich einem Langzeitprojekt, das ihn auf den Spuren seines Urgroßvaters und der deutschen Kolonialgeschichte nach Kamerun und ins Kongogebiet führt. Langs häufig in dunklen Schwarz-Weiß-Nuancen gehaltenen Bilder deuten die Abgründe europäischer Geschichte an, seine zurückhaltende Bildsprache bewegt sich hingegen auf einer zeitlosen Ebene. Seine auratischen Landschaften berühren die Projektionsebenen der inneren Bilder unserer kollektiven Erinnerung.

In meiner Arbeit betrachte ich die verschiedenen Ebenen von Geschichte, Mythologie und Gegenwart, um ein narratives Bild entstehen zu lassen. Eine Art visuelle Archäologie, die sich überlagert oder auch kollidiert mit unmittelbaren sozialen, politischen und ökologischen Realitäten. So wird das Bild auch zum Projektionsraum und erscheint oft wie ein Filmset, im Schwebezustand zwischen Imagination und Realität, Vergangenheit und Gegenwart. Ich arbeite meist analog und auf klassischem Filmmaterial. (Andréas Lang)


Andréas Lang, Drachenfels, Deutschland 2002, © Andréas Lang, VG Bild-Kunst

Andréas Lang versucht den „genius loci“ – den „Geist der Orte“ zu ergründen, manchmal sichtbar, manchmal unsichtbar. Dabei ist Europa besonders von historischen oder auch religiös-kulturellen Aspekten geprägt, es sind keine unschuldigen Landschaften. Aber Langs „Seelenlandschaften Europas“ sind nicht immer Topografien mit Vergangenheit wie Verdun oder Polen, wo die traumatisierenden Ereignisse des 1. und 2. Weltkriegs, wenn nicht immer sichtbar, so doch stets spürbar sind. Oder wie die Landschaften zwischen Israel und Sinai, wo die Kreuzfahrer im Namen Gottes einen Heiligen Krieg führten. Oder wie in Syrien und der Türkei, wo die Vertreibung der frühen Christen deutliche Spuren hinterließen. Andréas Langs geistige Bilder können auf Legenden, Mythen, Träumen oder verschütteten Kindheitserinnerungen beruhen, die für ihn nicht immer rational zu erfassen sind. Aber sie existieren als Empfindung und als Erlebnis. Daher sind seine Bilder so aufgebaut, dass sie unsere Imagination beflügeln. Seine düsteren, sparsam mit Licht operierenden, bühnenhaften Schwarz-Weiß-Szenerien haben oft etwas Beunruhigendes, Unheimliches, Rätselhaftes, Geheimnisvolles, doch mitunter auch etwas seltsam Vertrautes. Wir schweben zwischen Traum und Realität, jenseits von Zeit und Raum, in einem metaphysischen Bereich, in dem der Schein trügt und der Blick hinter die Oberfläche wandert. In seinen Bildern wird Licht durch das Dunkel erfahrbar.


Andréas Lang Das Schloss Polen 2005, The Castle Poland 2005 Silbergelatineabzug, 30 x 40 cm © Andréas Lang, VG Bild Kunst

Auf Reisen nach Indien beschäftigte Lang sich mit fernöstlicher Philosophie, in Frankreich mit dem Surrealismus und zurück in Deutschland mit der Romantik. Als er in Paris sein fotografisches Bildvokabular festigte, faszinierten ihn besonders Jean Cocteaus märchenhafte, surreale Filmwelten. So verweist die leuchtende Wasseroberfläche in Orphée auf den Spiegel, den Orpheus durchschreitet, um in das Reich der Toten zu gelangen, um von dort Eurydice ins Reich der Lebenden zurückzuholen. Das „eigentliche Bild entsteht dabei hinter dem Bilde, durch den Blick des Künstlers, sowie auch des Betrachters, als mentaler Raum“ (Jeannette Zwingenberger). Wie Orphée durchschreiten wir Andréas Langs Bilder vom diesseitig Sichtbaren ins jenseitig Unsichtbare. Auch wird Anfang der Nuller-Jahre, als er nach Deutschland zurückkehrt, die Begegnung mit Caspar David Friedrich zum Schlüsselerlebnis. Bis dahin hatte er vor allem den ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkommenden spätromantischen Nationalismus als Ursache für die Katastrophe der beiden Weltkriege gesehen, deren Nachwehen wir bis heute in der Zerrissenheit Europas verspüren. Um die Jahrtausendwende hingegen begann man, den Begriff „Heimat“ zunehmend losgelöst von seiner NS-Vorbelastung neu zu hinterfragen. Langs Auseinandersetzung mit Novalis‘ und Caspar David Friedrichs Weltverständnis eröffnete seinem Blick auf die Geschichte Europas Dimensionen des Transzendentalen, die versöhnlichere Töne mitbringen als die Ideen von Geographie und Nationenbildung. Auf seinen an der Malerei geschulten, bühnenartig aufgebauten Kompositionen ist der Mensch anwesend durch seine Abwesenheit, oder er projiziert sich als Betrachter in das Bild, wie in Friedrichs Gemälden, dessen Erlebnis vor der Natur und der Historie des Ortes sämtliche Dimensionen umfasst: gegenwärtige wie vergangene, diesseitige wie jenseitige, reale wie mystische, irdische wie geträumte Welten sind Eins.

Parallel zeigt das Deutsche Historische Museum die Ausstellung: Kamerun und Kongo. Eine Spurensuche und Phantom Geographie. Andréas Lang

Zur Ausstellung ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm geplant.

10. September bis 23. Dezember 2016

Eröffnung: Freitag, 9. September 2016, 19.00 Uhr

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG
Auguststr. 75
10117 Berlin
Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr






vom 1.7.2016 | 19 Uhr bis 04.09.2016

Titel: NatureCultures


Künstler: Brandon Ballengée, Katya Gardea Brownes, Pinar Yoldas
Kuratiert von Regine Rapp & Christian de Lutz
2. Juli bis 4. September 2016
Eröffnung: Freitag, 1. Juli 2016 um 19.00 Uhr


Die Ausstellung NatureCultures untersucht die verflochtene Struktur menschlicher und nichtmenschlicher Akteure im 21. Jahrhundert. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf den gleichnamigen Begriff der amerikanischen Wissenschaftlerin Donna Haraway, die für eine Überwindung der unproduktiven Dichotomie von Kultur und Natur appelliert. Die Auswirkungen menschlicher Technologie dringen in alle Bereiche der Umwelt ein und verändern das Gleichgewicht und damit auch den Aufbau dessen, was wir einmal „Natur“ nannten. Angesichts der großen ökologischen Katastrophen überrascht wiederum die Widerstandsfähigkeit unzähliger Lebensformen auf unserem Planeten. Das Ausstellungsprojekt stellt drei Künstler vor, die den Bereich zwischen Naturwissenschaft und künstlerischer Forschung sowie die Schnittstellen von Kultur und Natur erkunden.


Brandon Ballengée
Ghosts of the Gulf: RIP African Pompano, 2014
Giclée-Druck auf handgeschöpftem japanischen Reispapier / Giclée-print on hand-made Japanese rice paper, 45,7 x 61 cm
© Brandon Ballengée / Courtesy Ronald Feldman Fine Arts, New York, NY


Als Künstler und Biologe beschäftigt sich Brandon Ballengée gleichermaßen mit den Bereichen Natur, Naturwissenschaft und Ökologie. Seine professionelle Auseinandersetzung mit dem Niedergang und gradueller Auslöschung vieler Amphibien verbindet Feldforschung, Bürgerwissen und die Fähigkeit, wissenschaftliche Methoden mit ästhetischer Produktion zu verbinden. Für die Untersuchung von Fröschen, Salamandern und seit kurzem auch großen Wassertieren verwendet er den historischen chemischen Prozess ‚Säubern & Färben‛, bei dem Knochen und Knorpel in leuchtenden Farben und Muskeln transparent erscheinen. Dies nutzt er auf künstlerischer Ebene, um großformatige Portraits deformierter Tiere zu schaffen und in wissenschaftlicher Hinsicht, um die Ursachen der Deformationen zu verstehen. Seine jüngste Forschung über die weiteren Auswirkungen der Ölpest von 2010 auf die Biodiversität des Golfs von Mexiko hat ebenfalls zu einer Reihe neuer künstlerischer Arbeiten geführt – so zum Beispiel die Serie Ghosts of the Gulf – was eine bemerkenswerte Verbindung von naturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis darstellt.


Katya Gardea Browne
Xochimilco, Diptychon | diptych, 2014 120 x 160 cm
© Katya Gardea Browne


Lokale, ortsspezifische Themen aus Zentralamerika, insbesondere Mexiko, stellen die Grundlage für Katya Gardea Brownes hochästhetische Arbeiten in Fotografie und Video dar. Um die bekannte Dichotomie Natur und Kultur zu überwinden, konzentriert sie sich auf präkoloniale (agri)kulturelle Praktiken, welche Haraways Begriff „Naturecultures“ in weite Vergangenheit rücken lässt. Angesichts der gegenwärtigen ökologischen Krise wiederum empfiehlt Gardea Brownes Arbeit, aktuelle Probleme durch die Wertschätzung und Wiederbelebung alter mesoamerikanischer agrikultureller Technologien zu lösen. Ihre Werkserie Xochimilco in Fotografien und Videoarbeiten zeigt nicht nur eine interessante Form künstlerischer Forschung über jene Wasserstraßen der mexikanischen Hauptstadt auf. Die gleichnamigen Arbeiten vermitteln auch jenen unverkennbaren kinematografischen Blick der Künstlerin.


Pinar Yoldas
Regnum alba, 2014
Druck auf Hadernpapier / print on rag paper, 85 x 115 cm
© Pinar Yoldas


In ihrer künstlerischen Praxis erkundet Pinar Yoldas die Verbindung zwischen Technologie und Natur. Die interdisziplinär arbeitende Künstlerin und Wissenschaftlerin ist spezialisiert in Kunst, Architektur, Interface-Design, Informatik und Neurowissenschaften. Ihre künstlerischen Arbeiten übersetzen Yoldas’ Forschungsprozess über biologische Systeme und ökologische Katastrophen. Sie begreift unsere Gegenwart als ein posthumanes Ökosystem und entwickelt dafür in ihrer künstlerischen Praxis spekulative Organismen. Ihrer aktuellen Arbeit Regnum Alba liegt ein interessantes Thema zugrunde: die Vorliebe vieler Laborforscher für künstlich gezüchtete Albino-Organismen. Diese Form „kultivierter“ Organismen – zugunsten einer symbolischen Form der Reinheit – deckt eine pervers anmutende ideologische Seite der naturwissenschaftlichen Forschung auf. Bei ihren Recherchen zur technologisierten Natur bewegt sie sich nicht selten im Bereich des spekulativen Designs, so zum Beispiel bei ihrer Serie der Designer Babies, diese beschreibt die Künstlerin als einen „schnellen Blick in die Zukunft des Transhumanismus“. (Regine Rapp & Christian de Lutz)

Begleitende Veranstaltungen:
Sonntag, 3. Juli 2016, 14.00 Uhr: Künstlergespräch
Sonntag, 24. Juli, 14.00 Uhr: Kuratorenführung
Sonntag, 4. September, 14.00 Uhr: Finissage und Kuratorenführung
Der Eintritt ist frei. Wir bitten jeweils um Voranmeldung per e-Mail.

Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG
Auguststr. 75, 10117 Berlin
Tel (+49) 030 / 200953 - 33
Fax (+49) 030 / 200953 - 34
info@alfred-ehrhardt-stiftung.de




vom 29.4.2016 | 19 Uhr bis 26.06.2016

Titel: Bewegungen an der Peripherie


Künstler: Silke Grossmann

Silke Grossmann,
Süllbergsterrasse, 1997
Pigmentdruck, 55,5 x 37 cm
© Silke Grossmann


Ort: Alfred Ehrhardt Stiftung (Anschrift s.u.)
Zeitraum: 30. April bis 26. Juni 2016
Eröffnung: Freitag, 29. April 2016, 19.00 Uhr

Eröffnungsrede: Dr. Christiane Stahl, Leiterin Alfred Ehrhardt Stiftung
In Anwesenheit der Künstlerin

Im Zentrum der künstlerischen Arbeit von Silke Grossmann steht die Erforschung der Wirkungsweisen von Sprache und Materialität der Fotografie und deren Bezug zur menschlichen Wahrnehmung. Dabei untersucht sie stets die Verbindung des Menschen mit seiner unmittelbaren Umgebung, sei es in einer Landschaft – wie in der eigens für die Alfred Ehrhardt Stiftung konzipierten Ausstellung Bewegungen an der Peripherie – oder im urbanen Raum wie in früheren Arbeiten.

Ihre „Portrait-Teilansichten“ sind eingebettet in eine Natur, die sie sich ertastet, erfühlt, der sie sich annähert, mit der sie das Zwiegespräch sucht und zu der sie Vertrautheit aufbaut. Dabei ist ihre physische Präsenz immer im Bild inbegriffen, denn es geht ihr darum, eine Landschaft durch alle körperlichen Sinne in einem sich ständig wandelnden Prozess zu erfahren: „Landschaft oder vielmehr abgelegene Naturstücke in meinen Fotografien sind als ein mich umgebender, nicht gerichteter Raum aufgefasst, der den Blick bewegt, in dem ich verweile, den ich langsam im Gehen erlebe. Position und Bewegung des betrachtenden Subjekts sind Teil des Bildgeschehens – der Bildrand ist als durchlässige Membran gedacht. Denn Wahrnehmung geht ja nicht nur von den Augen, sondern vom ganzen Körper aus und schließt auch den Raum hinter unserem Rücken mit ein.“ In der Konsequenz entstehen tänzerisch bewegte, filmisch gedachte Schwarz-Weiß-Sequenzen, in denen sie den Überblick über die Landschaft und den Horizont verliert. Sie bevorzugt amorphe Landschaften wie die norddeutschen Wiesen- und Dünenlandschaften, die sich stets bewegen, nicht fassen lassen und nur wenige geographische Anhaltspunkte liefern. Die berühmte Filmessayistin Frieda Grafe bezeichnete Silke Grossmanns bewusst gesuchte Schwere- und Orientierungslosigkeit als „Verkreiselung des Vierecks“.

Für diese Ausstellung nutzt die Künstlerin die Möglichkeiten digitaler Bildproduktion, um eine sich über die gesamte Länge der Stiftungsräume erstreckende Wandabwicklung als „Montagewand“ zu entwickeln. Die andere Hälfte der Ausstellungsfläche wird mit Barytabzügen bespielt. In dieser Weise nutzt sie die Wechselbeziehung von Bild und weißem Zwischenraum sowie von Bildanordnung und Bildträger. Als Professorin für Künstlerische Fotografie an der HFBK Hamburg im Studienschwerpunkt Grafik/ Fotografie/ Typografie untersucht sie Fotografie im Kontext anderer Künste sowie mediale Korrespondenzen etwa zum experimentellen Film oder zum Buch als eigenständigem künstlerischem Objekt. Sie hat nicht nur eigene Künstlerbücher und experimentelle Fotofilme veröffentlicht, sondern ist auch an der redaktionellen Arbeit des Materialverlags der Hochschule beteiligt, hat zahlreiche Publikationen betreut und die edition fotografie mitbegründet, die sie herausgibt.


Silke Grossmann
Susch, 2004
Silbergelatineprint, Negativfotografie
© Silke Grossmann


So nimmt nicht wunder, wenn sie die Gestaltungsweisen von Fotobüchern aufgreift. In ihren Bildgruppen gehören die Weißräume kompositionell zum Bild, die das daraus entstehende Gesamtbild in einem austarierten „Bewegungs-Feld“ zusammenhalten. Die Anordnung innerhalb des Gefüges wird in eine einheitliche Fläche gebracht, die eine andere Wandabwicklung erlaubt als der Umgang mit dem klassischen Barytabzug, der geläufig vom Passepartout eingekleidet ist, von der Wand durch den Rahmen abgegrenzt und durch eine Glasscheibe geschützt ist. Damit greift sie ein weiteres Phänomen unserer Wahrnehmung auf: „Man hat ein Gesichtsfeld, das weitergeht, in dem die periphere Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielt. Das was im Zentrum ist, ist sozusagen das Sichere, und das, was halb unbewusst an der Peripherie geschieht, ist das Spannende, das Ungewisse. Bewegungen, werden an den Blickrändern am empfindlichsten registriert, in dieser archaischen Weise wie bei Tieren, die von der Peripherie herkommende Gefahren sofort erkennen müssen.“ Bewegungen an der Peripherie lädt ein, den Blick auf die eigene Existenz im Naturraum zu schärfen.

Begleitende Veranstaltungen:

11. Mai 2016, 19.00 Uhr: In der Reihe „Literaturhaus der Fotografie“: Weiß auf Schwarz – Landschaft in Stéphane Mallarmés Würfelwurf und in Silke Grossmanns Fotografien. Vortrag von Stefan Ripplinger. Moderation: Thomas Böhm (radioeins: Die Literaturagenten)

12. Juni 2016, 14.00 Uhr: „Die Bewegungsbilder von Silke Grossmann“. Vortrag, Filmvorführung und Künstlergespräch mit Prof. Dr. Michaela Ott, Professorin für Ästhetische Theorien an der HFBK Hamburg und Silke Grossmann
Der Eintritt ist frei. Wir bitten jeweils um Voranmeldung per e-Mail.

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 | Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de





vom 26.2.2016 | 19 Uhr bis 24.04.2016

Titel: Empreintes / Tierspuren


Künstler: Normand Rajotte / Alfred Ehrhardt
Eröffnung: Freitag, 26. Februar 2016, 19.00 Uhr

Eröffnungsrede: Dr. Christiane Stahl, Leiterin Alfred Ehrhardt Stiftung


Zeitraum: 27. Februar bis 24. April 2016


Der kanadische Fotograf Normand Rajotte hat über viele Jahre hinweg das bewaldete Gebiet um den Mont Mégantic bei Québec mit der Kamera erkundet. Sein Hauptaugenmerk galt dabei nicht dem Wald als einer Landschaft, sondern vielmehr dem Boden und den dort zu entdeckenden Spuren, welche die Tiere des Waldes hinterließen. Die Serie Comme un murmure (Wie ein Flüstern) bezeugt die sich mit der Zeit entwickelnde Vertrautheit zwischen Fotograf und Natur, in die er sich während seiner Streifzüge regelrecht hinein versenkt. Insbesondere jene Aufnahmen von Tierspuren im feuchten Untergrund erinnern an die bisher nur wenig bekannten und nun erstmals gezeigten Fotografien von Spuren verschiedener Meeresbewohner, die Alfred Ehrhardt zwischen 1933 und 1936 in der Wattregion festhielt. Die Ausstellung Normand Rajotte: Empreintes / Alfred Ehrhardt: Tierspuren zeigt eine Gegenüberstellung der Arbeiten von Alfred Ehrhardt und Normand Rajotte, die sich beide den Oberflächenstrukturen des Grundes und den dort eingeschriebenen Zeichen tierischen Lebens widmen.


Normand Rajotte Ohne Titel, aus der Serie „Comme un murmure/Like a Whisper“, 2004, Inkjet print, 94 x 94 cm © Normand Rajotte

Sowohl Normand Rajotte als auch Alfred Ehrhardt sind Wanderer in der Natur – ob in der Dichte des Waldes oder der Weite des Wattenmeeres. Fährtensuchern und Spurenlesern gleich durchstreifen sie das immer gleiche Gebiet, stoßen auf Tierspuren und verfolgen sie mit ihrer Kamera, die auf den Boden gerichtet festhält, was sich ihnen dort in Nahsicht zeigt. Im Bild gewinnen die Spuren, die sie einfangen, eine graphische Qualität. Wie gezeichnet wirken etwa das Geläuf eines Vogels oder die Bahnen eines Kojoten in Rajottes Schneebildern. Doch nicht immer sind es die physischen Abdrücke der Waldbewohner, die er aufspürt, auch von Bibern abgenagte Äste, in schlammigem Wasser schwimmende Kaulquappen oder eine spiralförmig ins Erdreich gegrabene Röhre werden in seinen Bildern zu Spuren, die das Leben auf und unter dem Waldgrund präsent werden lassen. Seine genaue Kenntnis des Gebiets erzeugt dabei eine Nähe, die sich in seinen Bildern ausdrückt und uns einen intimen Einblick in die Natur gewähren lässt. In Ehrhardts Aufnahmen treten neben die rhythmische Formung des Wattbodens, entstanden im Rhythmus der Gezeiten, Spuren von Möwen, Seehunden und Wattwürmern, deren Strukturen teils rätselhaft abstrakte Züge annehmen. In ihnen verbindet er die Strukturexperimente des Neuen Sehens mit seinem am Bauhaus geschulten Gespür für Komposition, Materialbeschaffenheit und Abstraktion.


Alfred Ehrhardt Spur eines Seehundes 1930er/40er Jahre, Silbergelatineabzug, 17,8 x 20,1 cm, © Alfred Ehrhardt Stiftung

Von Beginn an wurde die Fotografie selbst als Index oder Spur der Wirklichkeit verstanden, als „Emanation des vergangenen Wirklichen“ (Roland Barthes). So lässt sie Abwesendes anwesend erscheinen, wie auch die Spur eine vergangene Gegenwart präsent werden lässt. Sie verweist auf etwas Fernliegendes, das in ihr aufscheint und nah wirkt. Darin ist ihr auch etwas Rätselhaftes, gar Unheimliches eigen sowie eine Melancholie, die jedes Erinnerungsbild begleitet. In ihren Fotografien erschließen Normand Rajotte und Alfred Ehrhardt eine Bildwelt, die sonst im Verborgenen liegt, sich uns nun aber öffnet und sichtbar wird.

NORMAN RAJOTTE begann als Autodidakt seine fotografische Arbeit Mitte der 1970er Jahre. In Quebec entstand in dieser Zeit eine fotografische Richtung, die sich die ästhetische Erneuerung der dokumentarischen Straßenfotografie zum Ziel setzte. Seit Anfang der 80er Jahre widmet er sich gezielt der Landschafts- und Naturfotografie, mit der er in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten war. Er lebt in Montreal und Estrie.

ALFRED EHRHARDT (1901-1984) war Organist, Chorleiter, Komponist, Maler und Kunstpädagoge, bevor er Fotograf wurde. Nach einem Aufenthalt am Dessauer Bauhaus 1928/29, wo er bei Josef Albers studierte und bei Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer hospitierte, leitete er an der Landeskunstschule Hamburg den ersten Vorkurs für Materialkunde außerhalb des Bauhauses. Erst nach der Entlassung aus dem Hochschuldienst durch die Nationalsozialisten 1933 wandte er sich der Fotografie und dem Film zu. Im vorgelagerten Watt zwischen den Inseln Scharhörn und Neuwerk entdeckte er die Besonderheiten dieser wechselvollen Meereslandschaft.

Das Buch Comme un murmure / Like a Whisper erscheint im Kehrer Verlag, mit einem Text von Alexis Desgagnés, Festeinband, 20 x 24 cm, 68 Seiten, 46 Farbabb., Englisch/Französisch, 2016.

ALFRED EHRHARDT STIFTUNG | Auguststr. 75 | 10117 Berlin | +49 (0)30 200953-33, Fax -34 | Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de




vom 27.11. | 19 Uhr bis 21.02.2016

Titel: Malerei, Zeichnung, Grafik Teil I


Künstler: Alfred Ehrhardt

Alfred Ehrhardt,
Ohne Titel (Vogelpaar), 1931
Tempera auf Holz (Masonit)
60,0 x 69,7 cm
© Alfred Ehrhardt Stiftung
[MAL-0007]


Eröffnung: Freitag, 27. November 2015, 19.00 Uhr
Eröffnungsrede: Dr. Christiane Stahl, Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung


Ausstellungsdauer: 28. November 2015 bis 21. Februar 2016
Geschlossen vom 24. Dezember 2015 bis 4. Januar 2016

Alfred Ehrhardt war ein universal talentierter Künstler. Er war Orgelspieler, Chorleiter, Komponist, Maler und Kunstpädagoge, bevor er, bedingt durch die Entlassung durch die Nationalsozialisten 1933 aus der Hamburger Landeskunstschule, Fotograf, Dokumentarfilmer und Filmproduzent wurde. Nach dem Krieg wurde er vor allem durch seine vielprämierten Kultur- und Dokumentarfilme bekannt. Seine Gemälde und Zeichnungen hingegen, die er 1931 in einer umfassenden Einzelausstellung im Hamburger Kunstverein ausstellen konnte, sind erst seit wenigen Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Umso erfreulicher ist es, dass nun in Berlin erstmals eine Auswahl des malerischen, zeichnerischen und grafischen Werks von Alfred Ehrhardt zu sehen sein wird. Der erste Teil der Ausstellung widmet sich schwerpunktmäßig der jüngeren Schaffensphase, während sich im Bauhaus-Jahr 2019 der zweite Teil auf den Einfluss durch das Dessauer Bauhaus konzentrieren wird.

Ursprünglich war Alfred Ehrhardt Lehrer für Musik, Rhythmische Gymnastik und Kunst an einem reformpädagogischen Landschulheim, das mit seinem innovativen, an der Avantgarde der Weimarer Republik orientierten Programm zu einem der kühnsten und wegweisenden Schulversuche der 1920er-Jahre wurde.


Alfred Ehrhardt,
Ohne Titel, um 1927
Pastell auf Japanpapier
65,2 x 49,6 cm
© Alfred Ehrhardt Stiftung
[MAL-0026]


1926 wurde der 25 Jahre junge Ehrhardt mit der Ausmalung der Krypta der Klosterkirche zu Lamspringe betraut, der größten Barockkirche Norddeutschlands, wo er ein unglaublich aufwändiges Programm entwickelte. Seine Deckenmalereien wurden 1938 von den Nationalsozialisten weitgehend zerstört und übermalt, denen der neusachliche Stil zu modern war, aber mittlerweile sind sie wieder freigelegt. Ehrhardts Pastelle aus dieser Zeit verraten expressionistische sowie neusachliche Einflüsse. Einige seiner Farbholzdrucke mit Bergmotiven tragen mit ihren auf wenige Linien und Flächen reduzierten Stilisierungen Reminiszenzen des Kubismus, erinnern aber auch an Wenzel Habliks „Kristallbauten“ aus der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende. Habliks Formensprache und die seines Kollegen Bruno Taut von der Künstlervereinigung „Gläserne Kette“ klingen bei den Radierungen noch deutlicher an. Ebenso schlägt in einigen grafischen Arbeiten das Stilvokabular von Franz Marc durch, der Ehrhardt während seiner noch tastenden malerischen Entwicklung ein wichtiges Vorbild war.

1928 kam eine radikale Wendung, nachdem Ehrhardt von seiner Schulleitung für ein Semester ans Bauhaus Dessau zur Fortbildung geschickt worden war. Er war nicht nur in Josef Albers´ obligatorischem Vorkurs und lernte bei Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger, sondern er war ebenso als Hospitant und Hilfslehrer tätig. Zurück im Landschulheim, übertrug er Albers´ Materialkundeunterricht auf die Arbeit mit seinen Schülern – ein heute unvorstellbares Experiment, das damals glückte. Diese Erfahrung brachte ihm 1930 die Anstellung als Dozent für Materialstudien an der Landeskunstschule Hamburg ein, die er bis zu seiner Entlassung 1933 inne hatte. Danach sollte Ehrhardt nie wieder zu Pinsel oder Zeichenstift greifen.


Alfred Ehrhardt,
Tiefe II, 1929
Aquarell (Spritztechnik), Tusche und Bleistift auf
Büttenpapier
37,0 x 26,8 cm
© Alfred Ehrhardt Stiftung
[MAL-0034]


Die Werke seiner Bauhaus-Meister hinterließen in Ehrhardts Werk deutliche Spuren. Aber trotz der engen Anlehnung an deren Stilvokabular fand er mit seiner subtilen, filigranen Maltechnik zu einer eigenen, auf wenige Linien und Bildelemente reduzierten Bildsprache: „Eigenart und Eigenkraft der motorischen Linie gibt die Art der Gestaltung. Dieser Weg stellt das Stilisieren als geistiges Prinzip dar“ (Alfred Ehrhardt). Seine materialhafte Oberflächenbehandlung verweist auf seine Vorkursübungen, wie bei der Verwendung von pastoser Farbe, die er durch mechanische Eingriffe – mit dem Spachtel oder Pinselstil – plastisch strukturiert. Dabei ist Abstraktion für ihn nur Mittel zur Befreiung des Naturvorbilds von allem Unwesentlichen. Der Großteil seiner Malerei verbleibt gegenständlich, der Umriss von Menschen, Tieren oder Landschaften ist sinnbildhaft angelegt. Das verbindende Grundsymbol seiner Bilder ist das Element Wasser. Unentwegt tauchen in seinen Bildern Fische, Netze, Segelboote oder Wellenbewegungen auf. Aber auch die Lebewesen der Erde und der Luft bilden motivische Vorbilder. „Vom Vorbildlichen zum Urbildlichen“ – diese Formel Paul Klees findet sich in Alfred Ehrhardts Bildfindungen zur Perfektion gereift.

Zeitgleich zur Ausstellung erscheint der Katalog Alfred Ehrhardt, Malerei, Zeichnung, Grafik 1927 - 1933, hrsg. von Sabine Schemmrich für das Museum Schloß Burgk, mit Texten von Sabine Schemmrich und Christiane Stahl, 25,0 x 20,5 cm; 64 Seiten, 48 Abbildungen, broschiert mit Umschlag, 20,00 EUR.

Begleitende Veranstaltungen:

9. Dezember 2015, 19.00 Uhr:
„Alfred Ehrhardts Blick auf die documenta II“. Vorführung der Alfred Ehrhardt Filme Kunst unserer Zeit I und II mit anschließendem Vortrag von Dr. Gerd Mörsch, Leiter documenta Archiv Kassel

17. Januar 2016, 14.00 Uhr:
In der Reihe „Literaturhaus der Fotografie“: Alban Nikolai Herbst zu den Bildern von Alfred Ehrhardt, Moderation: Thomas Böhm (radioeins)

17. Februar 2016, 19.00 Uhr:
Lichtbildervortrag von Dr. Christine Hopfengart „Zwiesprache mit der Natur. Paul Klee und Alfred Ehrhardt“

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Wir bitten um Voranmeldung per E-Mail.

Alfred Ehrhardt Stiftung
Auguststr. 75 | 10117 Berlin | 030-200953-33 | Fax -34 | info@alfred-ehrhardt-stiftung.de | Öffnungszeiten: Di-So 11-18 h | Do 11-21 h




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18.30 Uhr: mit Michael Sailstorfer. IGA-Kunst im ZKR #3:
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