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(Einspieldatum: 25.04.2003)

Justitia auf dem Lande - Bad Liebenwerda und sein Amtsgericht

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Bad Liebenwerda liegt eben nicht "irgendwo in Brandenburg", wie viele Hauptstädter gerne behaupten, sondern in der Nähe von Finsterwalde im Landkreis Elbe-Elster. Es hat 12000 Einwohner und einen liebenswerten, Milchtüten ähnlichen Turm aus dem 12. Jahrhundert.
Außerdem besitzt es seit drei Jahren ein neues Amtsgericht und die Fachwelt ist sich einig: Die Architektur dieses Gerichts ist die Fortführung der Moderne, städtebaulich ein absolutes Juwel, architektonisch brillant. Jedes Jahr am "Tag der Architektur" wandert das interessierte Publikum in Heerscharen durch die Räume und ist erstaunt über das schöne Haus und seinen Vielfältigkeit.
Tatsächlich wirkt der städtebauliche Grundgedanke des Neubaus wie eine gedankliche Oase in Brandenburgs Architektur-Landschaft: Die Geschichte freizulegen war das Ziel, nicht sie zu verbergen.
Dazu hat das Architekturduo Chestnutt_Niess aus Berlin die drei Nutzungen, bestehend aus Grundbuchamt, Zivilgericht und Strafgericht, auseinander gezogen und in die verschiedene Häuser verteilt.

Das Grundbuchamt befindet sich in dem ehemaligen Gefängnis von Bad Liebenwerda, ohne Verbindung zum angrenzenden Gerichtsgebäude. Der damals leer stehende Altbau wurde somit vor dem Abriss bewahrt und gleichzeitig durch Entkernung und Umgestaltung wieder nutzbar gemacht. Ein vorgelagerter neuer Lesebereich setzt sich durch Form und Material von der alten Backsteinfassade ab.
Das Strafgericht fand seine neue Heimstatt im alten Schloss, dessen denkmalgeschütztes Äußeres vollständig erhalten wurde.
Nur für das Zivilgericht ist ein Neubau entstanden. Schloss und Neubau sind miteinander auf zwei Ebenen verbunden. Die städtebauliche Form und Lage des Zivilgerichtes bezieht sich auf jene Burganlage, die vor fast 800 Jahren der Ursprung des heutigen Bad Liebenwerda war.
Alt steht neben Neu und bereichert sich gegenseitig ohne einander zu schaden oder in Konkurrenz zu treten. Könnte eine Betrachtung an dieser Stelle enden, wäre wirklich Großes gebaut worden.
Leider arbeiten dort in den Häusern auch Menschen, daran scheint niemand gedacht zu haben. Bis zu 36° Celsius könne sie an manchen Sommertagen im Büro schon messen, berichtet eine Mitarbeiterin des Gerichts. Ein unerträgliches Arbeitsklima herrscht dann in allen Räumen unter dem Dach des Neubaus. Auf eine Klimaanlage wurde aus Kostengründen verzichtet.
Außerdem hat sich noch keine Firma bereit erklärt, das begrünte neue Dach zu warten. Macht nichts, es ist sowieso noch nicht dicht.
Aber vielleicht werden von außen bald die Fenster geputzt, nach drei Jahren zum ersten Mal. Bisher war das, aufgrund ihrer Lage über dem Mühlengraben und hinter den Holzlamellen, technisch einfach noch nicht möglich.



Dafür haben alle Nutzer einen einzigartigen Pausenraum im Obergeschoss des Schlosses. Wunderbar indirekt beleuchtet und mit einem nachempfundenen Tonnengewölbe versehen. Jedoch bei 35 Minuten Mittagspause lohnt der lange Weg nicht, und so kocht jeder seinen Tee am Arbeitsplatz und die große schöne Teeküche bleibt ungenutzt.
Natürlich mag kaum ein Besucher den Sichtbeton, viele vermeiden deshalb den Blick zur Decke oder schimpfen gleich über das ganze Haus. Aber Architektur muss nicht jedermanns Liebling sein, neue Ideen sind es nie.
Nutzbar, funktional und bautechnisch einwandfrei sollte ein viel gelobtes Beispiel der neueren Architektur jedoch sein. Wenigstens ein bisschen.

Stella Hoepner-Fillies

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