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B3 Biennale

(Einspieldatum: 11.07.2003)

Einfamilienhaus von Bruno Taut

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1926 baut der Architekt Bruno Taut für sich selbst und seine Familie ein kleines Haus in Dahlewitz südlich von Berlin.
Später hat er sich fast dafür entschuldigt, ein einfaches Einfamilienhaus geplant zu haben. Im Grunde bevorzugte er eher Siedlungen ab 1000 Wohneinheiten. Nur dort konnte seiner Meinung nach ein "Sozialismus im unpolitischen, überpolitischen Sinne, fern von jeder Herrschaftsform als die einfache schlichte Beziehung der Menschen untereinander" gesucht und in Architektur umgesetzt werden. So jedenfalls beschrieb es Taut selbst 1919 in dem trostlosen Jahr nach dem 1. Weltkrieg.
Nicht nur die Hufeisensiedlung in Berlin stammt von ihm, sondern unter anderem auch die Gartenstadt Falkenberg in Berlin-Grünau. Nach einem kurzen Auftritt als Stadtbaurat in Magdeburg von 1921 bis 1923 arbeitete er als der verantwortliche Architekt der Berliner Gemeinnützigen Heimstätten Spar- und Bau-Aktiengesellschaft und wurde bis 1933 der bedeutendsten Siedlungsbauer Berlins. Danach vertrieb ihn der Nationalsozialismus über die Sowjetunion und Japan bis in die Türkei, wo er 1939 starb.
1963 kaufte die heutige Besitzerin das ganz besondere Haus vom Sohn des Architekten und eigentlich bekam sie es nur, weil ein anderer "in so etwas nicht wohnen" wollte. Der Handwerker lehnte damals ab, ihr gefiel es.
Später wurde rekonstruiert und vieles in den alten Zustand gebracht, der Denkmalschutz lief offene Türen ein. Nur bei der Gartengestaltung blieb die ehemalige Dozentin und Pianistin stur: die Kohlköpfe wollte sie nicht, und wenn doch, dann bestimmt nicht an der von Taut im Plan festgelegten Stelle. Welcher Gartenfreund könnte ihr das verübeln?
Von außen gibt sich das Haus noch relativ schlicht: die gewölbte Straßenfront ist zwar in tiefem Schwarz gestrichen aber das Weiß zum Garten hin erscheint unauffällig und fast ein bisschen bieder.
Anders sieht es allerdings im Inneren aus. Da gesellt sich strahlendes Blau zu Eidottergelb oder auch schon mal ein kräftiges Lila zu Knallrot. Das ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, das ist umwerfend.

Am Anfang seines Leben noch von den Impressionisten beeinflusst, wechselte Taut später zu expressionistischen Formen und Gedankenwelten, die auch in seinem eigenen Haus in Dahlewitz noch ein wenig zu erkennen sind. Die spitze Ecke zum Garten zum Beispiel, oder ein fünfeckiges Wohnzimmer. Ganz besonders aber haben die reinen starken Farben Einzug in seine Architektur gefunden, mit ihrer Hilfe gestaltete er die Welt ein Stückchen bunter.
Sie habe sich die erste Zeit nach der Rekonstruktion nicht so wohl gefühlt inmitten dieser Farbenpracht, aber nun gefalle es ihr umso mehr. Weniger gefällt der Dame des Hauses dagegen die Nässe, die sich aus dem Erdboden nach oben arbeitet. Alle zwei Jahre müsse man die Farben erneuern, sonst blättere es schon. Das ist natürlich nicht zu bezahlen, und so sind die feuchten Verfärbungen an den Wänden bereits bis zu einem Meter nach oben gekrochen. Zu dem Lilarot gesellt sich nun ein Wölkchenrosa in Fußbodennähe.
Im schönen Dahlewitz steht ein besonderes Stück Architekturgeschichte, trotz schlecht ausgereifter Bauphysik, klemmender Balkontüren und seltsam anmutenden Fenstern.
Schön zu wissen, das es jemanden gibt, der sich drum kümmert.

Stella Hoepner-Fillies

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