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B3 Biennale

(Einspieldatum: 24.09.2003)

art+com - Jüdisches Museum Berlin - eine interaktive Installationen

bilder

In der aktuellen Sonderausstellung des Jüdischen Museums geht es um Architektur. 16 Projekte aus dem Büro von Daniel Libeskind werden anhand von Bildern, Plänen, Modellen und Filmen präsentiert. Zwei Installationen sind jedoch nicht von Libeskind, sondern stammen aus dem Büro der Firma art+com, die sich zu den "führenden deutschen Unternehmen im Bereich der Neuen Medien" zählt.
Als Daniel Libeskind das Jüdische Museum entwarf, sprach er von einem Entwurf "Between the Lines". Diese Formulierung griff art+com auf und entwickelte eine Installation "Behind the Lines", mit deren Hilfe sie Einblicke in den Entwurfsprozess ermöglicht.
Ein Modell des Museums dreht und wendet sich als Tischprojektion vor dem Betrachter. Es bietet in erster Linie eine gute Übersicht. Die Struktur des eher verworren wirkenden Volumens wird auf sehr anschauliche Art und Weise erfahrbar gemacht.
Darüber hinaus ermöglicht die individuelle Steuerung durch den Betrachter einen Blick auf Querverweise: Ein Zitat beeinflusst den Entwurf, ein Text ermöglicht Vertiefung, Bilder veranschaulichen ungeahnte Zusammenhänge. Diese Installation ist die gelungene Sichtbarmachung der Vielschichtigkeit der Libeskindschen Architektur.
Ob die Inszenierung tatsächlich die Wahrnehmung der Architektur "verstärken kann" (Presseerklärung art+com) ist fraglich. Sicher jedoch ist die Sensibilisierung eines Jeden für andere Aspekte der Architektur; für Zusammenhänge, die sich nicht von allein erschließen und dennoch wichtig für das Verstehen sind.

©art+com

Die zweite Installation ist ungleich artifizieller. "Composing the Lines" nimmt direkten Bezug auf die 12-Ton Oper "Moses und Aron" von Arnold Schoenberg.
Mit Hilfe eines "touchscreens", einem Notenblatt nicht unähnlich, können 12 Töne "komponiert" werden. Die Anzahl liegt fest, nur die Lage der Töne zueinander ist frei wählbar. Jeder Ton ist einer bestimmten Form zugeordnet.
Einmal zu Ende komponiert, werden alle Formen aneinandergereiht visualisiert. Dem Komponisten erschließt sich die Architektur hinter den Tönen als Abfolge einer Wand mit Libeskind nachempfundenen spitzen Winkeln. Ganz Schoenberg folgend, mal als "Umkehrung" und mal als "Krebs" angeordnet.
Hinter dem Notenblatt schweben die Töne und Formen gen Himmel bis zu ihrem endgültigen Verschwinden. Dann kann ein neuer Komponist sein Glück versuchen und tatsächlich sind die Räume des Museums häufig von Musik erfüllt.
"Composing the Lines" kann in nur einem kurzen Moment den intuitiven Charakter der Entstehung von Architektur verdeutlichen. Und sie kann auch die intellektuelle Überfrachtung des Themas Architektur und Musik auf das angemessene Maß reduzieren.
Viele Komponisten sind sichtlich mit Spaß und Interesse bei der Sache. Ein Umstand, der nicht oft auf Architekturausstellungen zu beobachten ist.
In ihren Räumen am Wittenbergplatz mit phantastischem Blick über die ehemalige City-West sitzt die Firma art+com fest im Sattel der Spitzenreiter der Neuen Medien.
Preisverleihungen und Großaufträge reihen sich aneinander. Die Firma gehört zu den solidesten Unternehmen der aktuellen Medienberater- und Entwicklerszene. Einer der Hauptgründe ihres Erfolges liegt sicherlich in der Dreigleisigkeit der Konzeption.
Industrie und Kultur als potentielle Auftraggeber werden von den neuesten Erkenntnissen im Bereich der Forschung zusammengehalten. Nur der unerbittliche Anspruch immer das Neueste vom Neuen anbieten zu können, lässt alle anderen Anbieter blass erscheinen.
Und das eigentlich Erstaunliche blieb bisher noch unerwähnt: Selbst in Berlin ist mit Kultur immer noch Geld zu verdienen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in unserem Interview mit einem der vier Geschäftsführer von art+com, Sebastian Peichl.

Stella Hoepner-Fillies

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