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(Einspieldatum: 10.11.2003)

Wettbewerbe im Netz

Angelika Fittkau ist mit ihrer Firma competitionline GmbH angetreten, um für große Ziele zu kämpfen: Sie möchte mithilfe ihrer Internetplattform Wettbewerbe wieder attraktiver gestalten. Einfacher in der Durchführung und mit wesentlich geringerem Verwaltungsaufwand für die Auslober, darüber hinaus benutzerfreundlich und kostenlos für alle potentiellen Teilnehmer.
Nach langer Forschungszeit wurde die Plattform im März dieses Jahres frei geschaltet. Warum sie dem aktuellen Wettbewerbsverfahren den Kampf angesagt hat, erklärt Frau Fittkau in einem Interview mit art-in-berlin.de.

Stella Hoepner-Fillies: Die Wettbewerbe gehen in allen Bereichen zurück. Es wird immer weniger ausgeschrieben. Wieso positionieren Sie sich gerade in einer so schwierigen Phase am Markt?
Angelika Fittkau: Ich habe ein Konzept entwickelt, mit dem man Wettbewerbe über das Internet steuern und die Kommunikation in diesen Verfahren teilweise automatisieren kann. Dadurch wird letztendlich die Effizienz eines Wettbewerbes enorm gesteigert.
Warum entscheiden sich die Auslober nicht mehr für offene Wettbewerbe? Der Verfahrensaufwand ist zu hoch, auch aufgrund der schlechten Auftragslage der Architekturbüros. Immer mehr Büros nehmen an immer weniger Wettbewerben teil. Deswegen wird der organisatorische Aufwand dieser Verfahren immer größer.
Genau dort setzen wir jetzt ein: wie kann man den Verfahrensaufwand, den Organisationsaufwand eines Wettbewerbs reduzieren? Ich bin mit der These angetreten, dass man Wettbewerbsverfahren wieder attraktiver gestalten kann, wenn man sie vereinfacht.

Attraktivität für alle Kreativen

Stella Hoepner-Fillies: Können Sie einen kurzen Überblick aller Angebote und Leistungen ihrer Internetplattform competitionline geben?
Angelika Fittkau: Wir haben im Grunde zwei Zielgruppen: Zum einen die Architekten, Planer und Künstler, die an Wettbewerben teilnehmen. Die zweite Gruppe beinhaltet alle Wettbewerbsveranstalter.
Die Teilnehmer können bei uns das benötigte Planmaterial herunterladen, sich an Foren beteiligen oder zum Beispiel Rückfragen zur Aufgabe stellen.
Das ist kostenlos, unsere Plattform funktioniert ein bisschen wie die Ebay-Versteigerungsplattform, nur die Auslober, bezahlen für Dienstleistungen.
Stella Hoepner-Fillies: Es sei denn Künstler, Architekten und alle anderen Planer wollen sich selbst oder ihre Arbeit präsentieren.
Angelika Fittkau: Ja, wir fahren das umgekehrte Prinzip der Fachzeitschriften. Bei uns wird für die Veröffentlichung bezahlt aber nicht für das Abonnement der Zeitung. So können wir natürlich nur die Inhalte veröffentlichen, die in irgendeiner Form bezahlt werden. Deshalb bieten wir für einen geringen Betrag sowohl den Auslobern als auch den Teilnehmern an, ihre Inhalte zu veröffentlichen.

Ausloben und sparen

Stella Hoepner-Fillies: Welche konkreten Vorteile gibt es für Auslober Ihre Plattform zu benutzen und nicht den Wettbewerb traditionell durchzuführen?
Angelika Fittkau: Bei der Automatisierung der gesamten Kommunikation eines solchen Verfahrens hat der Auslober tatsächlich einen sehr viel geringeren Organisationsaufwand. Er kann dadurch effektiv Kosten einsparen.
Öffentliche Auftraggeber müssen einen Wettbewerb durchführen, wenn eine gewisse Honorarschwelle überschritten wird. Wir bieten ein Tool an, mit dem die Auslober selbst arbeiten können. Mit dieser Standartsoftware steuern und managen sie ihre Wettbewerbe, erarbeiten aber nach wie vor ihre Inhalte selbst.
Letztendlich benutzt der Auslober aber unsere Software um mit den Teilnehmern in Kontakt zu kommen. Über die Plattform werden dann Informationen ausgetauscht, die während des Verfahrens anonym bleiben müssen. Die Auslober dürfen nicht wissen, wer hinter den Entwürfen steckt, deswegen können sie mit unserer Software den Teilnehmern Informationen zukommen lassen, ohne sie anschreiben zu müssen.

Für jede Phase etwas: drei Module

Stella Hoepner-Fillies: Diese Anonymität wird nicht über Ihr Büro, sondern nur durch Ihre Software hergestellt?
Angelika Fittkau: Das Programm heißt: competitionline - Plattform für Wettbewerbe. Wir haben verschiedene Komponenten in dieser Software entwickelt, die in den einzelnen Verfahrensphasen benutzbar sind, einzeln oder auch alle zusammen. Es gibt im Grunde drei Phasen: die Vorbereitung, die Ausschreibung und die Präsentation. Die erste Phase ist die Vorbereitung des Wettbewerbs: Innerhalb der Verwaltung werden dann –wenn wir uns auf öffentliche Auftraggeber beschränken- die Aufgabe definiert und die Planunterlagen erstellt. In dieser Phase erarbeitet die zuständige Abteilung alle Anforderungen an das zu erstellende Gebäude. Unser Programm in dem Bereich heißt „virtueller Projektraum“ und stellt ein virtuelles Büro dar.
Stella Hoepner-Fillies: Müssen alle Fachberater Ihre Software haben, um an dem Projekt teilnehmen zu können?
Angelika Fittkau: Unser Programm ist keine lokale Software, sondern eine Internet Applikation, die unabhängig vom Arbeitsplatz läuft. Das heißt, alle Softwaremodule unserer Plattform sind von überall über das Internet erreichbar. Notwendig ist nur ein Internetbrowser und natürlich der Zugangscode.
Stella Hoepner-Fillies: Was kostet das?
Angelika Fittkau: Das ist ein Pauschalpreis für den Zeitraum von einem Jahr, Wettbewerbe brauchen in der Vorbereitungszeit normalerweise nicht mehr als ein Jahr, und kostet um 2000 €. Mit diesem Baustein kann man auch die Broschüren herstellen, ohne ein Layout-Programm zu besitzen.
Stella Hoepner-Fillies: Für den virtuellen Projektraum als ersten Baustein?
Angelika Fittkau: Ja. Unser nächster Baustein umfasst die gesamte Ausschreibung: Da sind die Unterlagen fertig gestellt und im Projektraum abgestimmt worden. Jetzt können die ersten Informationen herausgegeben werden
Stella Hoepner-Fillies: Was macht Ihr Ausschreibungs-Modul für Auslober interessant?
Angelika Fittkau: Die Ausschreibung ist ein Block, in dem sie wieder extrem viel Verfahrensaufwand einsparen können. Bisher waren vor allem das Versenden, das Vervielfältigen der Unterlagen und die gesamte Kommunikation sehr kostenintensiv. Mit uns kann der Auslober relativ einfach diesen ganzen Ausschreibungsprozess durchführen.

Jurys prüfen weiter

Stella Hoepner-Fillies: Nehmen Sie auch eine Vorprüfung vor?
Angelika Fittkau: Nein. Wir stellen nur bestimmte Daten zur Verfügung, die die Teilnehmer während der Ausschreibungsphase über unsere Software eingegeben haben. Es ist keine inhaltliche Arbeit, die wir da leisten.
Stella Hoepner-Fillies: Überprüfen Sie die Einhaltung der Vorgaben?
Angelika Fittkau: Nein, wir überprüfen auch keine Formalitäten. Wir entscheiden überhaupt nicht darüber, ob ein Teilnehmer disqualifiziert wird. Das entscheidet allein das Preisgericht. Auch in dieser Phase sind wir neutral und nehmen keinerlei Bewertungen vor. Wir stellen die Informationen, die über die Internetplattform zusammengetragen wurden in anderen Formaten zur Verfügung. Damit die Projektsteuerer mit diesen Daten einfacher arbeiten können. Sich z.B. den Vorprüfbericht einfacher erstellen können.
Stella Hoepner-Fillies: Würde sich durch die Verwendung von competitionline die Arbeit der Jury verändern?
Angelika Fittkau: Die Jury bekommt nach wie vor die Papierarbeiten der Architekten zu sehen. Für sie verändert sich nichts. Mit Ausnahme von Bewerbungsverfahren: hier läuft alles digital ab. Das Auswahlgremium bekommt per Beamer die Bewerbungen aus dem Computer an die Wand projiziert.
Bisher war es so, dass die Gewinner von der Projektleitung angerufen wurden. Bei einem offenen Wettbewerb, an dem mehrere 100 Büros beteiligt waren, werden natürlich nur eine Hand voll Leute angerufen. Alle anderen erfahren erst mal ganz lange nichts, bzw. rufen alle beim Projektsteuerer an. Da können wir auf jeden Fall eingreifen und allen Beteiligten ganz schnell die Informationen zur Verfügung stellen. Wir veröffentlichen die Kurzinformation direkt nach dem Preisgericht im Internet und verschicken sofort einen Newsletter, sodass die Teilnehmer in kürzester Zeit alle Bescheid wissen.
Stella Hoepner-Fillies: Gesetzt den Fall ein Teilnehmer ist in der ersten Runde rausgeflogen, findet aber seine Arbeit wesentlich besser als die Prämierten, könnte dieses Büro seinen Entwurf parallel zu den Siegerentwürfen auf Ihrer Plattform präsentieren?
Angelika Fittkau: Das ist ein Teil unseres Konzepts. Wir sehen auch, dass unheimlich viel Arbeit geleistet wird, gerade von den Teilnehmern in so einem Wettbewerb. Man geht –in einem normalen Verfahren- von ungefähr 15.000 € aus, die jedes teilnehmende Büro investiert. Wenn man sich vorstellt, dass ungefähr 200 Büros jeweils diese Summe investieren. Was da an Energie am Ende eines Verfahrens einfach verpufft. Es ist auch in der Regel so, dass ganz viele hochwertige Arbeiten abgegeben werden, die einfach nie in der Öffentlichkeit zu sehen sind. Genau dafür bieten wir die Dienstleistung an.
Stella Hoepner-Fillies: Sie bieten aber auch die Ausstellung und Nachbereitung eines Wettbewerbes insgesamt an?
Angelika Fittkau: Bei der Ausstellung ist es natürlich genauso wie mit den anderen Modulen: Wenn der Auslober z.B. 200 Arbeiten präsentieren möchte, kann er entweder eine ganze Turnhalle anmieten oder unser Programm in Anspruch nehmen.
Stella Hoepner-Fillies: Was kostet competitionline inklusive aller Module?
Angelika Fittkau: Es gibt natürlich Einzelpreise für jedes Modul. Wenn der Auslober alle Module in Anspruch nehmen will, gibt es Sonderkonditionen. Das Kombipaket-Business kostet ungefähr 5.000 €.

Arbeitskreis jetzt online

Stella Hoepner-Fillies: Sie haben einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, der sich mit den Problemen der Wettbewerbsverfahren im Internet beschäftigt?
Angelika Fittkau: Ich habe einen Arbeitskreis initiiert, der sich schon dreimal in Berlin getroffen hat. Es geht um Internet-gestützte Wettbewerbskoordination. Dieser Arbeitskreis soll zum Erfahrungsaustausch unter Wettbewerbskoordinatoren und Auslobern dienen. Im Prinzip sollen Probleme zusammentragen und Problemlösungen zu ganz bestimmten Detailfragen gefunden werden, die sich ergeben, wenn man im Netz Wettbewerbe organisiert. Stella Hoepner-Fillies: Wer waren die Beteiligten?
Angelika Fittkau: Die Architektenkammern, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Auslober, eine Bauberaterin, ein Journalist und Architekturbüros als Wettbewerbsbetreuer. Uns wurden Räume zur Verfügung gestellt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dann kam leider der Vorwurf der verdeckten Akquisition auf. Ich bin aber nur an einer inhaltlichen Auseinandersetzung interessiert.
Einige Leute sind leider noch nicht bereit im Netzwerk zu arbeiten.
Stella Hoepner-Fillies: Gibt es diesen Arbeitskreis noch?
Angelika Fittkau: Ich halte es mit dem Zitat, das vor einigen Tagen im Tagesspiegel stand: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Der Kreis wurde um 40 Personen erweitert und wird erst mal verstärkt im Internet arbeiten, in den virtuellen Projekträumen. Jeder kann sich dort eintragen und wird mit Informationen versorgt. Natürlich wird dort auch mein Fachgutachten zur Verfügung stehen.

E-Government

Stella Hoepner-Fillies: Sehen Sie sich mit Ihrer Plattform im weiten Bereich des E-Government?
Angelika Fittkau: Wir machen im Prinzip E-Government. Nur, dass dieses Angebot nicht von Seiten der Behörden entsteht, sondern als Dienstleistung für die Behörde von privater Seite angeboten wird. E-Government hat ja das Ziel den Kontakt zum Bürger zu vereinfachen und zu intensivieren. Das schaffen wir einerseits, indem wir Wettbewerbe transparenter machen und die Ergebnisse besser präsentieren und andererseits, indem wir die internen Abläufe in der Verwaltung per Internetsoftware vereinfachen.

Neutralität und Übersicht

Stella Hoepner-Fillies: Sind Sie der einzige Netz-Anbieter, bei dem die Auslober bezahlen und nicht die Teilnehmer?
Angelika Fittkau: Es gibt Architekturbüros, die Wettbewerbe organisieren, die werden ebenfalls von den Auslobern bezahlt. Was es –unserer Meinung nach- nicht gibt, ist eine neutrale Plattform, auf der verschiedene Auslober ihre Wettbewerbe gleichberechtigt präsentieren können. Diese Planungsbüros, von denen ich eben gesprochen habe, veröffentlichen natürlich Wettbewerbsergebnisse von anderen Auftraggebern nicht.
Stella Hoepner-Fillies: Sind Sie als diese neue neutrale Plattform angetreten?
Angelika Fittkau: Genau das ist unser Konzept: Wir möchten eine neutrale umfangreiche Plattform sein, auf der gleichberechtigt alle Auslober und Architekturbüros, die solche Wettbewerbe organisieren, ihre Projekte präsentieren können.
Stella Hoepner-Fillies: Wird auf Dauer das Angebot für die Teilnehmer kostenlos bleiben?
Angelika Fittkau: Ja, das ist die Grundstruktur, sonst könnten wir auch eine Fachzeitschrift herausgeben. Ich halte es für ganz schwierig im Internet Inhalte zu verkaufen, weil nach wie vor alle der Meinung sind, dass das Internet kostenlos zu sein hat. Unabhängig davon: Es funktioniert kein größeres Projekt mit bezahlten Inhalten. Da schreibt keiner schwarze Zahlen. Bei Erfolgsfirmen, wie ebay oder amazon sind alle Inhalte kostenlos. Es werden dort nur die veröffentlichten Angebote bezahlt.
Stella Hoepner-Fillies: Vielen Dank für das Interview.

competitionline.de


Stella Hoepner-Fillies

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Kataloge/Medien zum Thema: competitionline

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Titel zum Thema competitionline:

Die Architektur-Plattform competitionline
Bereits 2003 saßen wir das erste Mal mit Angelika Fittkau, der Gründerin von competitionline.de zusammen und sprachen mit ihr über ihr neues Onlineportal, das mehr Transparenz und Übersichtlichkeit in architekturbezogene Wettbewerbe bringen wollte.

Wettbewerbe im Netz

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