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realarchitektur für Berlin

Einspieldatum: 10.02.2004

In letzter Zeit berichten die Medien immer öfter von innovativen Architekturbüros. Berlin gilt dabei als eine Hochburg für gute Ideen, die unter Geldnot und Auftragsmangel entstehen. Gute Ideen jedoch müssen erst entwickelt werden. Wie viel Zeit und Geld das kostet, bleibt häufig unbeachtet.
Das junge Berliner Architekturbüro „realarchitektur“ hat in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Urbanistik (ifau) einige dieser guten Ideen erarbeitet. Ihr Projekt "Schneller Wohnen" befasst sich mit den architektonischen Antworten auf die radikalen Veränderungen heutiger Wohnbedürfnisse.
Schneller Wohnen bedeutet eine temporäre Nutzung innerstädtischer Brachflächen. Es geht dabei nicht um eine kulturelle öffentliche Nutzung à la Palast der Republik, sondern um eine rein private Wohnnutzung für 5-10 Jahre. Momentan ungenutzter Boden an zentralen Stellen der Stadt würde übergangsweise wiederbelebt.


Tatsächlich vereinigt dieses einfache - und baurechtlich etwas unrealistisch klingende - Konzept mehrere positive Aspekte:
Städtebauliche Vorteile liegen unter anderem in der Verdichtung der Zentren mit rückläufiger Abwanderung ins Umland. Zwei relevante Auswirkungen insbesondere im Zusammenhang mit den schrumpfenden Städten der neuen Bundesländer und den sich daraus ergebenden immensen Problemen.
Wirtschaftliche Interessen sind besonders für die Grundstücksbesitzer relevant. Sie könnten ihre unbenutzte Parzelle verpachten, ohne langfristige Pläne aufzugeben. Durch die zeitliche Begrenzung der Nutzung und die erhaltene Pacht wäre sogar eine Teilfinanzierung der späteren Eigentümervorstellungen denkbar. (Inwieweit das Mietrecht oder bauplanungsrechtliche Bedenken an dieser Stelle den Prozess beeinträchtigen würden, bliebe abzuwarten.) Langfristig ergäbe sich durch qualitativ hochwertige Wohnungen und ihre Nutzer eine Aufwertung des gesamten Wohnumfeldes, mithin eine positive wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Stadtteils.
Architektonische Antworten auf geänderte gesellschaftliche Bedürfnisse aber sind das eigentliche Anliegen von realarchitektur und ifau. Es gibt heute eine wachsende Zahl von Menschen, die nicht der Kategorie "Vater, Mutter, 2 Kinder im Speckgürtel" angehören wollen. Städtisches Wohnen ändert sich permanent.
Zeitlich gesehen sind es keine 50-100 Jahre mehr, über die perspektivische Lebensentscheidungen getroffen werden. 5-10 Jahre werden in dieser wirtschaftlich unsicheren Gegenwart als gerade noch überschaubar empfunden. Alternative Wohnformen von Wohngemeinschaften über das "drei Generationen Wohnen" bis zu Alleinerziehenden ergeben einen wachsenden Markt für kluge neue Grundrisse.
Ein breites Angebot basierend auf architektonischen Konzepten ist überfällig. realarchitektur ist kein Architekturbüro mit unrealistischen Ideen und zu viel freier Zeit.

Andrew Strickland, Petra Petersson und Jens Casper verdienen sich ihr Geld mit Bauen. Der Bunker an der Reinhardtstraße wird von ihnen umgebaut und aufgestockt. Sie realisieren Ausbauten, Umbauten und Neubauten von Berlin bis Malmö. Die drei Architekten verfolgen neben den alltäglichen Aufgaben aber auch inhaltliche Ziele. Sie erarbeiten theoretische Grundlagen ihres architektonischen Handelns, wenn andere Feierabend machen.
Gute Ideen müssen immer erst entwickelt werden, diese müsste nur noch gebaut werden.

realarchitektur.de

Lesen Sie in wenigen Tagen an dieser Stelle unser Interview mit den Architekten
Stella Hoepner-Fillies


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realarchitektur für Berlin - Das Interview

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