(Einspieldatum: 20.02.2004)

Architektur-Quartett

Am 19.02.04 fand im Kornprinzenpalais das sechste Architektur-Quartett statt. Eingeladen von der Bundesarchitektenkammer diskutierten drei Architekturkritiker und ein „interessierter Laie„ drei Beispiele Berliner Architektur.
Auf dem Podium saßen Bischof Dr. Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und die drei Kritiker Dr. Karin Leydecker (freie Architekturkritikerin), Dr. Dankwart Guratzsch (Die Welt) und Dr. Hanno Rauterberg, (Die Zeit).
Der freie Journalist Christian Welzbacher stellte die drei herausragenden Architektur-Beispiele überzeugend vor.

Die kritisierten Bauten spiegelten eine ganze Bandbreite der heute möglichen Bauaufgaben wider: Den Auftakt bildete die neue und der „new economy“ verschriebene SAP Geschäftsstelle Berlin an der Rosenthaler Straße von Mark Braun Architekten.
Dann folgte zum ersten Mal in der Geschichte des Architektur-Quartetts die Besprechung eines Umbaus: das Atelierhaus Zeppelin von Petra und Paul Kahlfeld in der Brüsseler Straße. Das Architektenduo entkernte, sanierte und ergänzte das 1928 von Hans Heinrich Müller erbaute Versorgungsgebäude des Virchow Krankenhauses. Für einen furiosen Schluss sorgte, der widersprüchlichen Architektur folgend, die neue Niederländische Botschaft von Rem Koolhaas/OMA an der Klosterstraße.

Diese im Rahmen der „Initiative Architektur und Baukultur“ stattfindende Veranstaltung ist sinnvoll, informativ und ungeheuer aufschlussreich. Alle Gebäude sind gut gewählt vorgestellt und von den Kritikern vor Ort begutachtet worden.
Somit kann man den Veranstaltern nur gratulieren und ihren Anteil an der so dringend benötigten öffentlichen Meinungsbildung würdigen.

SHF

Eine persönliche Schlussbemerkung sei der Autorin dennoch gestattet: Warum es in der heutigen Architekturkritik (und auf dem Podium saßen sehr renommierte, ernstzunehmende Kritiker) immer noch um persönliche Vorlieben oder Animositäten gehen muss, ist mir ein Rätsel. Weshalb jeder zweite Satz eines vom Berufsbild zur Sachkompetenz verpflichteten Menschen mit „Ich finde“ anfangen kann, bleibt mir im Kern verschlossen. Wenn die Maßstäbe der Kritik auf der Publikumswirksamkeit von „sinnlicher“ Atmosphäre und Benutzerfreundlichkeit der Gebäude entwickelt werden, dann trägt die Initiative Architektur und Baukultur den Mangel derselben in sich.

Stella Hoepner-Fillies

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