(Einspieldatum: 24.09.2002)

Kapelle der Versöhnung - Architekturportrait

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Es gibt Orte in Berlin, an denen sich niemand der jüngeren Geschichte entziehen kann, einer davon ist sicherlich die Bernauer Straße.

Die Mauer verlief entlang dieser Straße im Wedding, hier wurden die Menschen fotografiert, wie sie im August 1961 aus den Fenstern sprangen und unter ihrem Asphalt wurden die meisten Fluchttunnel gegraben. An ihr stand eine gotische Kirche ohne Gemeinde inmitten des Grenzgebietes, als ungewolltes Denkmal bis weit in die 80er Jahre.

Heute verbinden sich an dieser geschichtsträchtigen Stelle die Gedenkstätte Berliner Mauer, das Berliner-Mauer-Dokumentationszentrum und ein Kapellenneubau der Architekten Rudolf Reitermann und Peter Sassanroth.

Die Kapelle der Versöhnung kann als eines der schönsten Beispiele moderner sakraler Architektur von heute bezeichnet werden.


Sie ist an der selben Stelle erbaut, wie die frühere Backsteinarchitektur, das heißt im ehemaligen Mauerstreifen und deren alte Größe lässt sich auch jetzt noch anhand unterschiedlicher Bodenbeläge erahnen.



Eine 60 Zentimeter dicke Lehmwand schwingt sich um den eigentlichen Kern der Kapelle und schafft durch ihre Materialität ein angenehmes Raumklima und die angemessene Stille. Um diese Wand herum entwickelt sich unsymmetrisch ein offener Raum, der nur durch Holzlammellen vom ehemaligen Mauerstreifen getrennt ist. So entsteht nicht nur ein kommunikativer Bereich für unterschiedliche Gemeindeaktivitäten, sondern auch der optimale Witterungsschutz für den verwendeten Lehm. Erst bei genauer Betrachtung können die akzentuierenden Ausbuchtungen der beiden Ovale aus Lehm und Holz in Übereinstimmung mit der historischen Überlagerung von Alt- und Neubau gebracht werden. Die gesprengte Kirche lag dem Stadtgrundriss entsprechend gen Nord-Westen. Die neue Kapelle jedoch sollte, dem Willen der Gemeinde nach, die traditionelle Ostung des Kirchenraumes aufgreifen. Ablesbar ist nun tatsächlich beides. Das alte gerettete Altarbild in der historischen Flucht befindet sich neben dem neuen Altar gen Osten.

Es ist also nicht nur der größte Lehmbau in Deutschland seit hundert Jahren, der die Attraktivität des Ortes erhöht, diese Kirche lebt mit ihrer eigenen Geschichte. Sie verbindet alle Teile der zerrissenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in architektonischer Überlagerung und Einfachheit. Wenig überraschend erscheint es deshalb, dass jeden Donnerstag in ihr eine Andacht von einem klerikalen Taxifahrer und einem professionellen Saxophonspieler abgehalten wird. Vielleicht können Kirchen so ihre lang verlorene Attraktivität wieder erhöhen. Die Öffnung des kirchlichen Lebens in Verbindung mit neuer unkonventioneller Architektur ist ein vielversprechender Ansatz für die arm gewordenen religiösen Institutionen Deutschlands. Für den Fall, dass sie ein paar Minuten erübrigen können, schauen sie dort vorbei. Ein Moment des Verweilens kann auch für Atheisten von enormer Schönheit sein. Evangelische Versöhnungsgemeinde Kapelle der Versöhnung Bernauer Straße 4 / 10115 Berlin www.kapelle-versoehnung.de tägl. Morgengebet: Mo. 7.00/Di. 7.30/Mi 7.00/Sa. 7.00 Uhr jeden Donnerstag 12.00 Uhr Mittagsandacht jeden Freitag 18.00 Uhr Abendandacht mit Coventrygebet

Stella Hoepner-Fillies

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