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New German Painting - Deutschlands Exportschlager

Einspieldatum: 28.09.2006

Buchbesprechung: "Leipzig School" und "Dresden Pop" feiern internationale Triumphe. Die Preise scheinen aus dem Ruder zu laufen, viele sprechen von einer "Blase", die bald platzen wird, andere meinen, in dieser Entwicklung eine innere Logik zu erkennen. Was aber versteckt sich genau hinter dieser "Neuen Deutschen Malerei"? Dies zu ergründen, versucht Christoph Tannert in dem gerade neu erschienen Buch "New German Painting".
Wer also einerseits eine Nachschlagewerk zu den Künstlern sucht, die aktuell von der internationalen Kunstszene als "Deutschlands Exportschlager" bezeichnet werden und andererseits anhand mehr oder weniger provokanter Thesen die unterschiedlichen Positionen überprüfen will, der liegt mit dieser reich bebilderten Publikation genau richtig.

In seinem Einleitungstext sieht Christoph Tannert die Ursache der Rückbesinnung auf die "gute alte" Tradition der Malerei in dem medialen Bilderfluss begründet, der in seiner Dynamik zu einer Blockierung die Seherfahrung führt. Die Malerei als Medium hingegen unterbricht nach seinem Verständnis das Bilderverschwinden und verlangsamt das Bildersehen. Inhaltlich spiegelt sich die Wiederkehr der neuen, alten Seherfahrung in einer Akzentuierung des Politischen wider. Die Werke thematisieren Geschichtsbilder und scheuen nicht vor nationalen Gesten zurück. Dabei bleibt die Malerei mit einer Leichtigkeit behaftet, die in der Vorgängergeneration undenkbar war. In der Langsamkeit und dem sich Widersetzen der Aufgeregtheit sieht Tannert dementsprechend die Qualität.
Neben dem Einführungstext nähert sich Graham Bader in einem weiteren, sehr informativen Text dem Thema zunächst aus historischer Sicht und beschreibt, welche Wirkungen die deutsche Kunst in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Amerika hervorrief. Anschließend beleuchtet er den aktuellen Stand der Dinge in Amerika und hinterfragt kritisch die amerikanische Faszination von der Idee der "deutschen Malerei" als solche. Gleichzeitig entsteht ein differenziertes Bild der verschiedenen künstlerischen Ansätze.
Diese werden im Anschluss an die beiden Texte durch eine Auswahl von 32 Künstler/innen gezeigt, die wie Tannert schreibt, durchaus subjektiv ist und Mut zur Lücke zeigt, aber natürlich die wichtigsten, momentan auf dem internationalen Kunstmarkt hoch im Kurs stehenden Vertreter des "New German Paintig" versammelt.
Zu jedem Künstler, zu jeder Künstlerin gibt es eine Kurzbiografie mit Ausstellungsverzeichnis und einen theoretischen Kurztext verschiedener Autoren (Jens Asthoff, Peter Herbstreuth, Gerrit Vermeiren). Besonders gelungen ist die Wiedergabe der Bilder in großzügigen Abbildungen, die zum Teil die Einzelbilder zeigen, fast immer aber auch die Arbeiten in unterschiedlichen räumlichen Kontexten.
Dennoch scheint es, als wäre das Buch unter ziemlichen Zeitdruck entstanden. Es lässt sich weder ein Namensregister finden noch eine vernünftige Inhaltsangabe, die Aufschluss über die im Buch vorzufindenden Künstler oder Texte gibt. Entsprechend Tannerts These zur Langsamkeit nichts für Schnellsucher. Lediglich die Rückseite des Einbandes verrät, welcher Künstler im Buch besprochen wird. Auch das Layout zeigt einige, leseunfreundliche Schwächen: seltsam verspielte Überschriften oder eine merkwürdig anmutende farbliche Gestaltung der Texte. Dennoch wird das Buch berechtigterweise seine Leser finden und auf der Welle des "New German Painting" mitschwimmen.

New German Painting
Hrsg. Christoph Tannert
Prestel München 200
Sprache: dt./englisch
256 Seiten, Pappe, 210 farbige Abbildungen, 30 schwarz-weiße Abbildungen
Preis: EUR 49.95

ISBN: 3-7913-3666-5


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