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Berlin Daily 21.05.2019
Kuratorischer Rundgang + Gespräch

18 Uhr: mit Solvej Ovesen und »22« Autorin Lauren van Vuuren und um 19 Uhr Gespräch zwischen Sissel Tolaas und Solvej Ovesen. Im Rahmen der Ausst. Sissel Tolaas
22.
Galerie Wedding | Müllerstraße 146 – 147 | 13353 Berlin

(Einspieldatum: 08.01.2007)

Bilder aus dem wirklichen Leben ??? Anna und Bernhard Blume: de- konstruktiv

bilder

Was ist das eigentlich, das "wirkliche Leben"? Auch wenn uns vieles auf den inszenierten Photographien von Anna und Bernhard Blume vertraut vorkommt, zeigen die Aufnahmen alles andere als das, was wir als das "wirkliche Leben" bezeichnen würden. Da sausen weiße Vasen im rustikal eingerichteten Zimmer umher, Spießbürger im grob gemusterten Kostümchen schweben durch das Wohnzimmer oder fallen von Bäumen, die Oma springt wild auf dem Sofa herum und ein Mann speit die von der treu sorgenden Ehefrau mit Liebe zubereitete Mahlzeit in einem druckvollen Schwall in Richtung des Betrachters. Was auf den ersten Blick durch Witz oder Überraschung fesselt und einem ein breites Grinsen auf die Lippen zaubert, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als sehr pointiertes, kunsthistorische Fragestellungen aufwerfendes und gleichzeitig mitten in die Befindlichkeit des kleinbürgerlichen Milieus abzielendes photographisches Werk.

Als mit neuen Arbeiten gespickte Retrospektiven haben Anna und Bernhard Blume je eine Schau für das Dortmunder Museum am Ostwall (Ausstellung vom 19.11.2006 - 11.02.2007) und das Haus Konstruktiv in Zürich (Ausstellung vom 22.03. - 06.05.2007) konzipiert. Der Katalog zur Ausstellung ist im Kerber Verlag erschienen und für 36 EUR "zu haben". Schlicht gestaltet und zweisprachig (Deutsch/ Englisch) kommt das 135 Seiten umfassende Buch im roten Hardcover daher. Sieben Aufsätze zählt es, zwei davon haben die Herausgeber und Direktoren der beiden Museen, Dorothea Strauss und Kurt Wettengl beigesteuert. Zusätzlich ist ein Interview Kurt Wettengls mit Bernhard Blume abgedruckt, das vorrangig Blumes Photosequenz >Trautes Heim< thematisiert.

Der Ausstellungs- und Katalogtitel >de – konstruktiv< soll das künstlerische Movens der Blumes in nur einem Wort skizzieren. Im Vorwort und im Aufsatz >de- konstruktiv< wird der Begriff von den beiden Ausstellungsausrichtern Strauss und Wettengel allerdings nur andeutungsweise spezifiziert. Dabei beziehen sie sich einerseits auf die den blume´schen Photoserien zugrundeliegende "kritisch - humorvolle Dekonstruktion bürgerlicher oder künstlerischer Ideale" und verweisen andererseits auf Anna und Bernhard Blumes mehrfache Bezugnahme auf den konstruktivistischen Formenkanon. Auf eben jenen kommt auch Britta Schröder in ihrem Text >Die Attacke der konstruktivistischen Form< zu sprechen.

Die fünf übrigen Aufsätze im Katalog beleuchten meist einzelne Werkgruppen oder konzentrieren sich auf bestimmte Aspekte im Œuvre der Blumes. Mit seinem Aufsatz >Küchenkoller und andere Wahnzimmer< über die Aktionen von Anna und Bernhard Blume liefert ein Namensvetter der beiden, nämlich Eugen Blume, den Auftakt des Kataloges. Über das stets in den blume´schen Großphotographien vorhandene aktionistische Moment stellt Eugen Blume zunächst den Bezug zur Performance-Bewegung der 1960er her. Die darauf folgende Verknüpfung mit dem Schaffen von Joseph Beuys ist allerdings nicht immer einleuchtend. Schlußendlich deutet Blume die Aktionen der Blumes als sich jenseits von heroischen Gesellschaftsbildern vollziehende "Basisarbeit am deutschen Wesen". Leider ist der Aufsatz nur durch ein einziges Photo illustriert.
Beschreibend und interpretierend ist der Text von Regina Selter, die sich in ihrem Aufsatz Anna und Bernhard Blumes Photoserie >Vasenekstase< gewidmet hat. Im Aufstand der abgelichteten Dinge sieht Selter den Aufstand der Seele und setzt das Werk der Blumes somit in einen psychoanalytischen Bezugsrahmen. Ebenso versucht sie das Oeuvre der beiden in einen phänomenologischen Kontext zu stellen, indem sie auf dem Werk innewohnenden thematischen Komplex Körperwahrnehmung im Kontakt von Leib und Ding zu sprechen kommt.

Genau wie Selter konzentriert sich Dorothea Strauss in ihrem Aufsatz >Mimesis, Anarchie und Beobachtung< auf ein Werk der Blumes: Die Photosequenz >Abstrakte Kunst<. Ebenso verfährt Rosemarie E. Pahlke, die Blumes >Prinzip Grausamkeit< einmal näher "unter die Lupe" nimmt. Sehr kurz und knapp, auf nur einer Seite (!) beschreibt André Buchmann die Zeichnungen der Blumes. Gerade weil die Zeichnungen bis dato kaum Beachtung erfahren haben, wäre ein etwas ausführlicher Text hier wünschenswert gewesen.

Dennoch: Der Katalog bietet einen soliden Überblick über das Schaffen und die Intentionen Anna und Bernhard Blumes. Einziges Manko sind die nicht immer ausreichenden und ausschließlich schwarz-weißen Abbildungen, was im Falle der jüngst entstanden, eigentlich in rot gehaltenen Photoserie >Prinzip Grausamkeit< zu Irritationen führen könnte.

Anna und Bernhard Blume: de - konstruktiv. Bilder aus dem wirklichen Leben.
Hrsg. Dorothea Strauss und Kurt Wettengl
Kerber Verlag Bielefeld / Leipzig
ISBN: 3-86678-029-X
Preis 36 EUR

Stefanie Ippendorf

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Daten zu Anna und Bernhard Blume:


- Sammlung MMK, Frankfurt
- ZKM Sammlung, Karlsruhe


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Titel zum Thema Anna und Bernhard Blume:

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Buchbesprechung: Was ist das eigentlich, das "wirkliche Leben"? Auch wenn uns vieles auf den inszenierten Photographien von Anna und Bernhard Blume vertraut vorkommt, zeigen die Aufnahmen alles andere als das, was wir als das "wirkliche Leben" bezeichnen würden.

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