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Berlin Daily 21.05.2019
Kuratorischer Rundgang + Gespräch

18 Uhr: mit Solvej Ovesen und »22« Autorin Lauren van Vuuren und um 19 Uhr Gespräch zwischen Sissel Tolaas und Solvej Ovesen. Im Rahmen der Ausst. Sissel Tolaas
22.
Galerie Wedding | Müllerstraße 146 – 147 | 13353 Berlin

(Einspieldatum: 03.11.2009)

NOMAD. Rainbowcoloured Tears of a Clown - Circleculture Gallery

Im selbstironischen Clownsgewand führt NOMAD durch die neu eröffnete Ausstellung. Eigentlich seien all seine Werke ganz "banal", sagt er, und der künstliche Rotzfaden, der aus der roten Nase hängt, wippt dabei im Takt seiner Erzählungen.

NOMAD - ein ehemaliger Street Art Künstler - ist derzeit mit einigen Gemälden und Konzeptarbeiten in der Circleculture Gallery vertreten. Die Galerie stellt seit 2001 vorwiegend Künstler aus, die einem nicht-akademischen Kontext entstammen. Die meisten der Autodidakten haben ihr Handwerk auf der Straße gelernt, als Graffiti- oder Street Art Künstler. Natürlich profitiert dabei auch die Circleculture Gallery vom allgemeinen Boom der Urban Art, der sich im Trend vieler Sammler abzeichnet, sich rebellischen „Straßenchic“ ins Wohnzimmer zu holen.
Ähnlich zeigt sich das auch bei NOMAD, dessen Werke mittlerweile international bekannt sind. Zu seinen Sammlern gehören u. a. Demi Moore, Ashton Kutcher, Shepard Fairy oder Salma Hayek. Was ist das Besondere an seiner Kunst? Oder, anders gefragt: Wie viel „Street“ ist in dieser „Art“?

Seine Gemälde machen deutlich, dass NOMAD sich von der Banksy-imitierenden Masse der Schablonenmaler und Street „Artists“ absetzt. In seinen Arbeiten zeigt sich eine originelle, spannungsgeladene Mischung von eher traditioneller Malweise mit Techniken des Graffiti: Grafische Elemente wie Markerstriche, einzelne Tags oder gesprühte Clownsnasen erzeugen Brüche und konterkarieren die realistisch gemalten Figuren. Die dreidimensionale Illusion wird durch zweidimensionale Schriftelemente aufgebrochen und entlarvt. Eigentlich düstere Sujets werden dabei ins ironische Clownskostüm gesteckt.

Lebendig, explosiv und spontan - mag man diese Attribute durchaus in NOMADs Malereien entdecken, so verleiten die Konzeptarbeiten eher dazu, seine selbstironische Einschätzung des „Banalen“ wörtlich zu nehmen. Die Klobrille, in deren Mitte ein Spiegel hängt, wirft unser Bild zurück mit dem eingravierten Text: „I love you, but you´re full of shit“. Ähnlich abgegriffen wirkt ein auf Seide gedruckter Kassenzettel eines Londoner Bankers, der eben mal Tausende von Pfund für Champagner ausgegeben hat. Manchmal sind die Botschaften zu eindeutig, zu abgedroschen als dass sie mehr als Gähnen auslösen. Wird schnöde System- und Kapitalismuskritik hier nicht vielmehr zur Etikette, um ein wenig subversiven Straßenschmutz in den cleanen Raum der Galerie zu holen?

Zugleich wirkt die Präsentation im Galerieraum überraschend konservativ. Draußen ist NOMAD ein Raumexperte - seine Arbeiten sind explizit auf die Umgebung bezogen und arbeiten mit ihr. Die Wand, die Straße sowie Charakteristika des Ortes werden nicht nur zum Medium, sondern zum entscheidenden Bestandteil seiner Kunst. Warum muss das aufhören, sobald seine Arbeiten die Schwelle der Galerie überschreiten? Erstaunlich einfallslos sind hier die sauber gerahmten Bilder nebeneinander gehängt. Als thematisches Scharnier - so legt der Titel nahe - soll das Motiv des Harlekins als Symbol für die „Ambiguität des menschlichen Daseins“ (Pressetext) dienen. Aber was macht Madonna inmitten der Clownsnasen? Und wie lassen sich die abgemalten Plattencover (die für NOMAD von persönlicher Bedeutung sein mögen) in diesen Kontext einbinden? Zuweilen wirken die Arbeiten wahllos zusammengewürfelt und bezuglos im Raum aufgereiht. Gerade am Schnittpunkt zwischen Straße und Galerie hätte man mehr Innovation, mehr Explosion erwartet. Aber die einzige Explosion ist das wild auf dem Boden verstreute Konfetti – wie ein verzweifelter Versuch, Unordnung und Anarchie in den white cube zu bringen.

Abbildung: "Madonna Ciccone With Black Baby Jesus", 200x100cm, Mixed Media on Canva

Ausstellungsdauer: noch bis zum 9. Januar 2010

Öffnungszeiten:
Di-Sa 14-18 Uhr

Circleculture Gallery
Gipsstraße 11
10119 Berlin

circleculture-gallery.com

Verena Straub

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Titel zum Thema NOMAD:

NOMAD. Rainbowcoloured Tears of a Clown - Circleculture Gallery
Ausstellungsbesprechung: Im selbstironischen Clownsgewand führt NOMAD durch die neu eröffnete Ausstellung. Eigentlich seien all seine Werke ganz "banal", sagt er, und der künstliche Rotzfaden, der aus der roten Nase hängt, wippt dabei im Takt seiner Erzählungen.

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