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Spannung in der About Change Collection - Chapter five: Thriller

Einspieldatum: 24.02.2010

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Die About Change Collection von Christiane zu Salm hat das fünfte Kapitel ihrer Ausstellungsreihe aufgeschlagen. Die Kollektion hat sich die fruchtbare Begegnung verschiedener künstlerischer Positionen zum Ziel gemacht, deshalb soll es auch diesmal um den Dialog zwischen aufstrebenden und bereits etablierten Künstlern, zwischen Medien, Gattungen und Ideen gehen. In einem abwechslungsreichen Spaziergang durch die Gegenwartskunst sind die Werke von insgesamt neun hochkarätigen Künstlern versammelt. Die Ausstellung steht diesmal unter dem Motto "Thriller" und gibt dem Besucher Michael Jacksons Songtext mit auf den Rundgang.

Nach dem Auftakt durch Alicja Kwades bearbeitete Zeitungsausschnitte und eine blaue Stuhl-Kreatur (Pallas Citroen, Blue Legs 2006), steigt vor der gut ins gruselige Konzept passenden Serie PPT #2 bis 13 (2009) von Thomas Zipp die Spannung. Die schwarz-weiß Fotografien pausbäckiger Puppenköpfe starren den Betrachter aus leeren, wie besessen funkelnden Pupillen an, aus ihrem Mund quellen geschwärzte Sprechblasen. In einem Akt aggressiver Zerstörungslust hat der Künstler die Puppenaugen durch silbrig schimmernde Metallknöpfe ersetzt und die gelöschten Filzstift-Blasen hinzugefügt, in denen die Sprache erstickt und jede Hoffnung auf Sinn und Verständigung negiert wird.

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Ähnlich unheimlich: Ricarda Roggans düstere Foto-Serie Attika (2005). Sie zeigt in Großaufnahme die dunklen Ecken eines verwinkelten Dachstuhles, zu denen nie ein Lichtstrahl vorzudringen scheint. Es sind die Nischen eines unüberschaubaren, isolierten Ortes der beklemmende Vorahnungen entstehen lässt. Nach den dramaturgischen Regeln der "suspens" arbeitet Roggans mit dem Mittel der Vorenthaltung: sie zeigt nur jenes klaffende schwarze Loch, das die Tür zum schaurigen Nebenraum ist und lässt einen Dachbalken in perfekter Inszenierung gerade das Zentrum der Schwärze verdecken.

Auch bei Markus Schinwalds untitled (sacks) 2009 bleibt es aufregend. Er hängt mehrlagige weiße Stoffsäcke an die Wand, aus denen die braunen Holzbeine alter Stühle in unterschiedlichen Positionen herausragen. Sie erinnern an Knochen oder Gliedmaßen und lösen den vergeblichen Wunsch aus, die wahre Natur der unförmigen Säcke mit der eigentümlich morbiden physiognomischen Präsenz zu ergründen.

Diego Perrones raumgreifende Skulptur Mamuttones (2009) ist eine Röhre aus grobem Maschendraht auf Metallstelzen mit einem dreifachen, flügelähnlichen Propeller an seiner Spitze. Sie nimmt Bezug auf die Heimat des Künstlers und soll in italienischer Tradition das Gefühl von Geschwindigkeit vermitteln und ein Symbol sein für die Furcht vor dem Archaischen und Animalischen im Menschen. Leider bleibt die Skulptur dennoch ebenso statisch wie kraft- und konzeptlos und setzt den verkündeten Anspruch nicht um, ein „Zwischenwesen“ zwischen Mensch, Tier und Maschine zu sein.

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Im kleineren Ausstellungsraum wechselt der anfängliche Thriller dann vollends das Genre. Dort versammeln sich drei Grandes Dames, die so gar nicht ins kuratorische Konzept passen wollen.
Zu sehen ist der Zyklus Bringing the War Home: House Beautiful (2004) von Martha Rosler, eine Weiterentwicklung der gleichnamigen Serie aus den späten 60er Jahren. Während es in den damaligen collagierten Arbeiten um eine Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg ging, thematisiert die Künstlerin in den neuen Fotomontagen den Golfkrieg, seinen gesellschaftlichen Kontext und seine tragischen Folgen in punktgenauen, treffsicheren Kontrastierungen. Pressebilder, Modefotografie und Werbung verbinden sich zu erschütternden Erzählungen einer verkehrten Welt, zwischen individuellen Kriegsschicksalen, Medienrummel und Konsumdenken.

Ähnlich kulturpessimistisch gibt sich auch Isa Genzken in den Arbeiten Ägypten und Griechenland (2009), zwei farbenprächtigen und umso brutaleren Materialcollagen auf hohen Sockeln. In Ägypten komponiert die Künstlerin billige Souvenir-Figuren von Isis und Osiris mit einer zerfledderten archäologischen Schrift über die antike Kultur zu einem bunten Bild kultureller Verwüstung.

Mit nahezu 102 Jahren ist Carol Rama die älteste der versammelten Künstler. About Change stellt Werke aus verschiedenen Schaffensphasen der Künstlerin vor, von der Arbeit Dorina (1940) bis zum Werk von 2003 Idilli/Idylls. Sie zeigen die Grundkonstanten ihres Oeuvres auf: in einer transparenten Bildsprache entwickelt sie surreale, traumatische Narrationen über den Eros und Elemente der Weiblichkeit.

Am Ende der Vorstellung drängt sich dem Zuschauer die verwirrende Frage auf, welche Art von Film er jetzt gesehen hat. Ob das gewählte Motto die sehr verschiedenen Ideen besonders glücklich zusammenfasst sei aber dahingestellt. Ein Besuch lohnt sich trotzdem, denn spannend ist der Thriller allemal: aufgrund seiner abwechslungsreichen Besetzung mit interessanten Künstlerindividuen und überwiegend hochklassigen Arbeiten.

Weitere Informationen zu der Sammlung von Christiane zu Salm in unseren Video-Interview aus dem Jahre 2007

Abbildung: - Kwade, Citroen
Installationsansicht: Chapter Five: Thriller; About Change, Collection Berlin
- Alicja Kwade: Collagen aus der Serie "Daily Planet", 2006, Courtesy Galerie Johann König, Berlin Pallas Citroen: Blue Legs, 2006; About Change, Collection

- Zipp,Perrone, Roggan
Installationsansicht: Chapter Five: Thriller; About Change, Collection Berlin
- Thomas Zipp: Africa Weird, 2004; PPT 9-13, 2, 2009; courtesy Galerie Guido W. Baudach, Berlin
- Diego Perrone: Mamuttones, 2009; courtesy Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin
- Ricarda Roggan: Attika 3,2,4, 2005, About Change, Collection

- Rosler, Genzken
Installationsansicht: Chapter Five: Thriller, About Change, Collection Berlin
- Marta Rosler: Bringing War Home: House Beautiful, new series, 2004; About Change, Collection
- Isa Genzken: Agypten, 2009, Griechenland, 2009, Courtesy neugerriemschneider, Berlin

Fotos: Uwe Walter, Berlin

Öffnungszeiten:
samstags 11 - 16 Uhr, nur nach Voranmeldung

About Change, Collection
Am Kupfergraben 10
10117 Berlin

aboutchangecollection.com


Anna Heckmann


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