(Einspieldatum: 05.03.2010)

Berlin Transfer - Junge Kunst der Berlinischen Galerie und der GASAG


Seit heute (5.3.10) ist in der Berlinischen Galerie die Ausstellung "Berlin Transfer" zu sehen, in der eigene Sammlungsstücke mit Werken der Sammlung "Kunst-im-Bau" der GASAG in einen Dialog gesetzt werden. Anlässlich des Auszugs aus dem Shell-Haus hat das Unternehmen seine seit 2002 in Zusammenarbeit mit der Kunstfabrik am Flutgraben e.V. entstandene Sammlung als Dauerleihgabe dem Landesmuseum übergeben. In der Berlinischen Galerie müssen sich jetzt die ursprünglich bauwerks- und unternehmensbezogenen Arbeiten in einem musealen Kontext neu beweisen. Dem Betrachter stellen sich dabei verschiedene Fragen: was will Kunst, die von einem großen Unternehmen eigens für Firmensitz und Mitarbeiter in Auftrag gegeben wird? Geht es darum zu unterhalten, das Betriebsklima aufzulockern oder eintönige Firmenkorridore zu dekorieren? Oder können die Arbeiten vielmehr aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst und in einen musealen Kunstdiskurs eingefügt werden? Welchen ästhetischen und funktionalen Ansprüchen müssen sie angesichts des sehr spezifischen Entstehungszusammenhanges dabei genügen? Zur Beantwortung dieser Frage galt es für die Kuratoren aus 80 Werken von über 50 Künstlern eine Auswahl zu treffen, die sinnvoll komponiert und zudem durch eigene Sammlungsstücke ergänzt werden konnte. Gefunden wurde eine inhaltliche, formale oder gattungsspezifische Gliederung in fünf Bereiche mit thematischen Oberbegriffen.

Der Eingangsbereich, "Maß und Zahl", zeigt Arbeiten in denen der menschliche Körper untersucht, vermessen und verglichen wird. In Florian Merkels "Maßgabe" (2004), die für die GASAG entstanden ist, scheint eine stilisierte Mitarbeiterin mit den Händen die Unternehmens"maßgabe" mit ihrem eigenen Körper nachzustellen. Während Merkel mit Worten spielt, dokumentiert Daniel Buchheits selbst programmierte Zählmaschine ("Zähler" (2000)) die Bewegungen der Museumsbesucher. Was in der Buchhaltungsabteilung der GASAG ursprünglich humorvoll das Bild des Erbsenzählers aufgriff, bekommt am Eingang des Museums eine neue inhaltliche Konnotierung.

Der zweite Raum ist den kritischen Nachkommen des abstrakten Expressionismus gewidmet. Hier springt Gregor Hildebrandts "Großer Kassettensetzkasten" (2009) ins Auge, der in einer vermeintlich spontanen Geste, die an Franz Kline denken lässt, ein überdimensionales kalligraphisches Zeichen im Setzkastenprinzip minutiös zusammengesetzt hat. Sein Malgrund sind die Booklets unzähliger Musikkassettenhüllen, die gemeinsam den so spontan anmutenden Farbschwung ergeben. Armin Bremickers gestische Schlinge aus der Kunst-im-Bau Sammlung ("Gas" (2005)) bildet hier eine treffende Gegenüberstellung.

Auch in den beiden der Fotografie, sowie neo-konstruktivistischen Ansätzen gewidmeten Ausstellungsräumen gelingt die Einbindung der Sammlungsneulinge gut. Arbeiten wie die von Ute Lindner ("Exposures"), Esther Neumann ("Seestück Waldstück") und Beate Gütschow ("S#14") konfrontieren den Betrachter mit subtil computermanipulierten, fiktiven Fotografie-Welten. Sarah Schönfelds Detailfotografien der Shell-Haus-Architektur ("genius loci_landscapes") ergänzen wiederum Ronald de Bloemes konstruktivistische Verarbeitungen von Alltagselementen, die er in eine abstrakte Bildsprache überführt.

In der großen Treppenhalle sind unter den Oberbegriffen Spiel und Zeichen Arbeiten gruppiert, die vielleicht am stärksten auf den ursprünglichen Kontext Bezug nehmen. Sie lassen aufgrund ihrer Größe oder Anordnung an die Ursprungsarchitektur denken, befassen sich mit Marken, Logos, unternehmerischem Handeln, menschlichen Arbeitsbedingungen und Firmenkorridoren, oder sie beziehen die Mitarbeiter sogar in den künstlerischen Arbeitsprozess mit ein. Das ist teils spielerisch, geistreich und nett anzuschauen, geht aber gelegentlich auch auf Kosten der künstlerischen Qualität.

Berlin Transfer ist ein assoziatives Mosaik des zeitgenössischen Berliner Kunstschaffens mit seiner großen Vielfalt an jungen Künstlern. Nicht zuletzt dem klaren kuratorischen Ordnungsprinzip und den umsichtigen thematischen Einfügungen in die eigene Sammlung ist es dabei zu verdanken, dass einige der Werke die Bewährungsprobe im Museum mühelos bestehen. Auch wenn die GASAG-Mitarbeiter "ihre" Werke in Zukunft vermissen werden: sie sind in der Berlinischen Galerie ganz gut aufgehoben.

Beteiligte Künstler:
Fritz Balthaus, Max Baumann, Almuth Baumfalk*, Stefan Beck, Matthias Beckmann, Kristleifur Björnsson, Blank & Jeron*, Armin Bremicker*, Daniel Buchheit*, Ronald de Bloeme, Caroline Dlugos, Carsten Eggers, Thomas Eller*, Jörg Finus / Torsten Hennig, Alex Flemming, Bernhard Garbert, Pierre Granoux, Beate Gütschow, Falk Haberkorn, Anton Henning*, Gregor Hildebrandt*, Sybille Hotz, Patrick Huber, Steve Johnson, Veronika Kellndorfer, Volkhard Kempter, Bernd Koberling*, Clemens Krauss*, Raimund Kummer, Albrecht Kunkel, Axel Lieber, Ute Lindner, Marcellvs L., Katharina Meldner, Florian Merkel, Gerold Miller, Wessel Muller, Esther Neumann, Miguel Rothschild, Adrian Rovatkay, Kai Schiemenz, Iris Schomaker, Sarah Schönfeld, Henrik Schrat, Markus Strieder, Caro Suerkemper, Lars Teichmann*, Beate Terfloth, Tim Trantenroth, Birgit Maria Wolf, Maik Wolf, Filip Zorzor*
(*)

Abbildungen:
- Ronald de Bloeme, Big Sandwich, 2007
Berlinische Galerie
© Ronald de Bloeme
- Florian Merkel, Maßgabe, 2004
„Kunst im Bau"-Sammlung der GASAG
© Florian Merkel
© Foto: Roman März

Ausstellungsdauer: 5.3. bis 11.4.10

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin

Öffnungszeiten: täglich (außer Dienstag) 10 - 18 Uhr

berlinischegalerie.de

Anna Heckmann

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Berlin Transfer - Junge Kunst der Berlinischen Galerie und der GASAG
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