(Einspieldatum: 08.06.2010)

Studio Berlin – Eine Studie des Institut für Strategieentwicklung

Dass Berlin „arm aber sexy“ ist, wird schon seit einiger Zeit regelmäßig proklamiert. Gerade in der zeitgenössischen Kunstszene scheint sich dieses Diktum zu bewahrheiten: Auf der einen Seite vermitteln Ateliers in leerstehenden Häusern oder Off-Räume in Hinterhöfen subversiven Charme, andererseits haben sich international agierende Galerien und renommierte Künstler etabliert.
Berlin ist billig und Berlin ist aufregend.

Die Geschichte dieses „Wunders von Berlin“ scheint schnell erzählt: Günstige Mieten, kombiniert mit einer bewegten Stadtgeschichte und lebendigen Kulturszene bereiten einen fruchtbaren Boden für Kunstschaffende aus aller Welt. Erfolgreiche Galeristen und Sammler folgen nach und verleihen der Stadt zusätzlichen Glanz und Glamour. Heute gehört Berlin nach New York zum wichtigsten Standort für Gegenwartskunst weltweit.

Mag dieses Image auch geläufig sein und einen Großteil der Attraktivität der Kunstmetropole ausmachen, bleibt trotzdem immer noch vieles nebulös: Wie lassen sich bspw. diese Entwicklungen aus unternehmerischer Sicht beschreiben? Welche Faktoren sind für den Standort wirklich entscheidend? Und welche Handlungskonsequenzen lassen sich für die Politik daraus ziehen?

Die gerade erschienene Studie "Studio Berlin" versucht, Antworten auf diese Fragen zu liefern – und dem nebulösen Hype um die Kunstmetropole präzise Zahlen entgegenzusetzen.

Hergen Wöbken - Gründer und Geschäftsführer des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) – und Michaela Englert haben ein Jahr lang Daten gesammelt und mit gut 80 Akteuren der Berliner Kunstszene gesprochen.
Den Schlüssel zur Szene bilden die in Berlin lebenden Künstler, deren Zahl in den unterschiedlichen Erfassungsorganen weit auseinander geht. Die Studie zeigt, dass nur die wenigsten der Künstler, in jedem Fall unter 1000, von ihrer Kunst wirklich leben können. Davon sind wiederum rund 25 Prozent internationale Künstler, die sich nur temporär in Berlin aufhalten.
Mit über 400 professionellen Galerien gehört Berlin mit London und Paris zu Europas Spitze. Die Hälfte der Galerien ist dabei in den letzten fünf Jahren gegründet worden. Passend zum Motto „arm aber sexy“ erzielt über die Hälfte aller Galerien einen Umsatz unter 50.000 €. Eine Spitzengruppe von nur 20 Galerien (5 Prozent aller Berliner Galerien) ist hingegen für den Großteil aller Umsätze verantwortlich. Sieht man sich die Verkäufe der Galerien an, bildet die Malerei mit über 60 Prozent nach wie vor das umsatzstärkste Medium.

Bei der Frage nach den Standortfaktoren liegen allgemeine Aspekte vorn: eine lebendige Kunstszene, kunstinteressiertes Publikum und das Image von Berlin als Kunststandort. Staatliche Förderung ist lediglich für ein Drittel der unternehmerisch agierenden Galeristen ein Ziel. Viele Galeristen vermissen eher Respekt und Wertschätzung ihrer Arbeit von Seiten der Politik.
In Hinblick auf die Ausgaben der Kulturpolitik zeigt sich zudem, dass die staatlichen Arbeitsstipendien, die zur Förderung Bildender Künstler vergeben werden, den Bedarf bei weitem nicht decken können. Hier wird deutlich, dass die Gegenwartskunst – trotz ihres Hypes - in ihrer wichtigen Rolle als kulturelles Kapital vom Berliner Senat immer noch zu wenig unterstützt wird.

Neben den Bedingungen für Galerien und Ausstellungshäuser, untersucht die Studie darüber hinaus die Bedeutung der Bildungsstätten in Berlin, sowie die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen. Die Vernetzung zwischen den einzelnen Institutionen wird dabei insgesamt als unterentwickelt beschrieben.

Die Studie geht jedoch über die rein seismografische Aufzeichnung der kulturellen Landschaft hinaus. Sie will Teil des Diskurses sein und dazu beitragen, die Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten der Gegenwartskunst zu diskutieren. Es wird betont, dass zeitgenössische Kunst nur indirekt als Wirtschaftsfaktor zu betrachten ist. Vielmehr stehen die positiven Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und das Image der Stadt im Vordergrund. Wichtigstes Anliegen der Studie ist es daher, die Gegenwartskunst als kulturelles Kapital der Stadt zu stärken. Damit sind zugleich verschiedene Handlungsempfehlungen für die Politik verbunden: So schlägt das IFSE bspw. einen Berliner Entwicklungsplan zur Gegenwartskunst vor, der auf eine Sicht von zehn Jahren Ziele entwickelt und umsetzt. Die Akteure sollen dafür ihre Vorhaben selbst formulieren und festlegen, nach denen sie dann auch gemessen werden.

Die gesamte Studie ist online veröffentlicht unter: ifse.de

Institut für Strategieentwicklung (IFSE)
Dunckerstraße 27
10439 Berlin

Verena Straub

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Titel zum Thema Studio Berlin:

Studio Berlin – Eine Studie des Institut für Strategieentwicklung
(IFSE) in Zusammenarbeit mit dem Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.)
Dass Berlin „arm aber sexy“ ist, wird schon seit einiger Zeit regelmäßig proklamiert. Gerade in der zeitgenössischen Kunstszene scheint sich dieses Diktum zu bewahrheiten:

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