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B3 Biennale

(Einspieldatum: 18.08.2010)

ANGST. MACHT. RAUM. - die Zweite

ANGST. MACHT. RAUM. heißt es im Senatsreservespeicher in der Cuvrystraße in Berlin Kreuzberg zum zweiten Mal in diesen Tagen.
Angst macht der neue Ausstellungsraum des Kunstvereins Artitude e.V. keine, stattdessen beeindruckt seine imposante Größe und Architektur.
Schon beim Betreten will der Besucher die Mauer mit seinen Blicken durchbrechen, um das inne Liegende zu entdecken: Die Videoarbeiten von William E. Jonson, Zhenchen Liu und Clemens von Wedemeyer.

Der Film von William E. Jones Tearoom (1962/2007) basiert auf einem gefundenen Band von Polizeiüberwachungsaufnahmen einer Herrentoilette in Mansfield, Ohio aus dem Jahr 1962. Man sieht Männer verschiedensten Alters, Klassen und Hautfarben, die onanieren oder anderen sexuellen Aktivitäten nachgehen. Das durch einen Spiegel aufgenommene Filmmaterial diente vor Gericht als Beweismittel, die Männer wegen Sodomie zu Gefängnisstrafen und psychiatrischer Behandlung zu verurteilen. Die sexuell expliziten Bilder mit der ihr eigenen Ästhetik einer 16mm-Aufnahme und deren kurzen, teils performativ scheinenden Takes entbehren jedoch jeglicher Erotik und Obszönität. Die Körpersprache und die Mimik der Männer spricht für sich und zeugt von einer Furcht, die das Verlangen zu überschatten und deren Schicksal zu prophezeien scheint. Der in Los Angeles arbeitende Künstler William E. Jones bewahrte mit nur minimaler Bearbeitung die Dimension des ursprünglichen Materials. Die Re-Autorisierung des Dokuments erzählt von einer unterdrückten Geschichtsschreibung der Männer, deren Individualität von einer sie auf ihre Sexualität reduzierenden Gewalt geleugnet worden ist.

Die Arbeit von dem 1974 in Göttingen geborenen Clemens von Wedemeyers Otjesd (Weggang/Leaving) (2005) erzählt von einer Gruppe von Menschen, die versuchen, in das deutsche Konsulat in Moskau zu gelangen, um ein Visum für ihre Ausreise zu erhalten. Als Plansequenz gedreht und als Loop konzipiert, folgt Otjesd einer jungen Frau, die sich in diesem Raum ihren Weg zwischen Gruppendynamiken, bürokratischen Machtverhätnissen und Grenzziehungen zu bahnen sucht. Parallel wird auf Wunsch des Künstlers The Making of Otjesd (2005) präsentiert, welches die Entstehung der Arbeit verdeutlicht.

In der äußersten Ecke des Ausstellungsraumes kann eine 3D-Kamerafahrt durch die abgerissenen Häuser eines ehemaligen Altstadtviertels in Shanghai gesehen werden. Die formal erscheinende Leinwand fesselt mit ihrer Größe und Effektivität. Die hyperreale Animation der Ruinenlandschaft wird durch im Dokumentarstil gehaltene Begegnungen mit zwei Bewohnern des Viertels gebrochen und in eine brutale Realität überführt: physisch und psychisch misshandelt, zum Wegziehen gezwungen oder in die Obdachlosigkeit gedrängt. Zhenchen Liu wurde selbst 1976 in Shanghai geboren und thematisiert mit Under Construction (2007) den explosionsartigen städtebaulichen Wandel Shanghais und bewegt mit überwältigenden Bildern.

Bilder, wie sie in aktuellen Debatten als Raumbilder und - konzepte existieren und die Frage nach dem Raum in den Vordergrund rücken. Die einst deutlich definierten Grenzen von innen und außen, eigen und fremd, privat und öffentlich werden weitläufiger. Und die Frage nach ANGST. MACHT. RAUM. fühlbarer.

Abbildung: William E. Jones; tearoom (1962/2007), Videostill

Ausstellungsdauer: 14.08.-22.08.2010

Öffnungszeiten:
Mittwoch – Sonntag 14:00-22:00

ANGST. MACHT. RAUM
Senatsreservespeicher
Cuvrystraße 3
Berlin-Kreuzberg

senatsreservenspeicher.de/
williamejones.com/
zhenchen.free.fr/

Nicole Kwiatkowski

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Daten zu William E. Jones:


- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- Biennale Venedig 2009 Pav
- David Kordansky Gallery
- Istanbul Biennale 2011
- The Modern Institute - Gallery
- Whitney Biennale 2008

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