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Berlin Daily

(Einspieldatum: 10.08.2011)

Fritz Balthaus im Projektraum des Deutschen Künstlerbundes, Berlin

„Hatte da mal wieder jemand sein Fahrrad nicht richtig angeschlossen.“ - könnte ein flüchtiger Gedanke eines vorbeieilenden Passanten sein, der ein einsames, am Bodengitter angeschlossenes Laufrad in Abwesenheit des entsprechenden Fahrrads am Fenster lehnen sieht. Doch weit gefehlt. Es ist Bestandteil der aktuellen Ausstellung „Strom und Glas“ von Fritz Balthaus, welche sich nicht nur auf die Räumlichkeiten des Projektraums des Deutschen Künstlerbundes beschränkt, sondern auch dessen unmittelbaren Außenbereich nutzt. Unter dem gemeinsamen Thema „Strom und Glas“ zeigte im ersten Teil der Ausstellung vom 01.07 bis 28.07.11 die Künstlerin Heike Pallanca (*1952) ihre Arbeiten. Eine Glasauge-ähnliche Lampe war durch das Fehlen von Kabel, Leuchtmittel und Fassung ihrer Funktion beraubt. Nun ist für drei Wochen eine Installation von Fritz Balthaus zu sehen. Basierend auf dem Schaufenster als Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung, sieht das Konzept vor, dass der Projektraum während der Ausstellungsdauer geschlossen bleibt und die Ausstellungssituation lediglich von außen durch die Fensterscheibe erfahrbar ist.

Scheinbar unauffällige Gegenstände zieren die Außenwand des Projektraumes mit großen Fensterscheiben: So reihen sich u.a. die herumliegende Radkappe eines Wagens, ein Aufsteller mit dem aktuellen Ausstellungshinweis, ein Baustellenschild, zerknülltes Plastikband, ein Plakat, ein Papierkorb sowie ein angeschlossenes Fahrrad mit Karamell-farbenen Lederdetails, entlang der Schaufenster auf. Das Ausstellungsschild fällt als Fremdkörper noch am ehesten auf. Auf den ersten Blick ist außer einem leeren, hellen Raum nichts erkennbar. Sichtbar sind nur die Reflektionen der Umgebung in der Scheibe, die je nach Lichteinfall unterschiedlich stark zu Tage treten. Doch etwas irritiert – und schon beginnt die Fehlersuche: Was ist real? Was ist ein Spiegelbild? Was ist innen? - und was außen? Tatsächlich sind auf gleicher Höhe die besagten Gegenstände im Raum angebracht. Der obere Teil des Laufrades, ein, wie aus dem Boden herausragendes, doch in Wirklichkeit abgesägtes Baustellenschild, das Plakat, das Fahrrad und sogar der Papierkorb sind deckungsgleich mit ihren Spiegelbildern auf der Fensteroberfläche. Nur durch winzige Details und akribische Vergleichsarbeit lassen sich der innere und äußere Bereich differenzieren. Winzige Abweichungen und Teile der Innenausstattung sind verräterisch. Das Schaufenster ist eine Symmetrieachse, sowohl zwischen innen und außen, als auch zwischen dem Realen und der Spiegelung.

Bewusst handelt es sich bei den Objekten nicht um identifizierbare Kunstwerke, sondern um Alltagsobjekte. Durch das Betrachten im Schaufenster eines Kunstraumes ergibt sich für diese Gegenstände dabei ein gänzlich anderer Kontext. Als Barriere unterbricht die Glasscheibe jedoch zugleich die Interaktion zwischen Kunst und Betrachter. Zusätzlich bewirkt das Glas je nach Beleuchtung ein sich permanent veränderndes Wahrnehmen nicht nur der Gegenstände, sondern auch des Kunstraumes. Hier steht die Ausstellungssituation im Vordergrund. Der White Cube wird als Objekt selbst in den Fokus gerückt. Ausgehend von der Wirkungsweise des Schaufensters scheinen nicht die Objekte, sondern die damit erzeugte Situation, fern vom herkömmlichen Ausstellungskontext, entscheidend.
Wichtig ist der Moment der Irritation, das Subtile – bewusst wird ein Übersehen in Kauf genommen und doch bleibt kein Detail dem Zufall überlassen, zu erkennen im angeklebten Kaugummi an der Fensterscheibe, einer, wie in Eile abgelegten Zigarettenschachtel oder der leeren Schnapsflasche. Zusätzlich entsteht eine Handlungsebene bzw. ein Dialog mit den Passanten, indem die als „Beute“ mitgenommenen Gegenstände wie eine Zigarettenschachtel und ein voller Flachmann täglich aufs Neue ersetzt werden, um das Schönheitsprinzip der Symmetrie wieder herzustellen.

Fritz Balthaus, 1952 in Oberhausen geboren, studierte nach einer abgeschlossenen Buchdruckerlehre an der Hochschule der Künste Berlin. Die Arbeiten des zur Zeit in Berlin lebenden und arbeitenden Künstlers umfassen vorwiegend Objekte und Installationen. Ähnlich einem Experiment oder einer Versuchsanordnung entfalten sich die Arbeiten als Spiegelbilder ihres Entstehungsprozesses, so wie ihrer Umgebung. Einen Kernpunkt bildet darüber hinaus die Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsbetrieb. Entscheidend ist die Präsentation. Im Zuge dessen bedient er sich jeder zur Verfügung stehenden Räumlichkeit, geht über institutionelle Grenzen hinaus, indem er eben diese Markierungen mit seiner künstlerischen Arbeit untersucht. Hierbei wird der Ort der Präsentation selbst zum Thema und bündelt im ausgestellten Objekt die Gesamtheit aller Bedingungen als sichtbar gemachten Prozess dessen Existenz.
Nicht ohne eine gewisse Ironie vermittelt Balthaus in der Ausstellung „Strom und Glas“ einmal mehr mit seiner Installation etwas Essentielles, nämlich dass es in der zeitgenössischen Kunst in erster Linie nicht um materielle Werte, Gegenständliches und Greifbares geht, sondern um geistige Anregung, Momente der Überraschung, neue Erfahrungswerte mit dem Alltäglichen. Deutlich wird, dass der Status einer künstlerischen Arbeit im sozialen und institutionellen Kontext liegt.

Abbildungen:
Strom und Glas
Fritz Balthaus
© Fritz Balthaus, VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Ausstellungsdauer: 05.08.2011 - 26.08.2011

Deutscher Künstlerbund Projektraum
Rosenthaler Straße 11
10119 Berlin
kuenstlerbund.de
Fritz Balthaus

Julia Schmidt

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Daten zu Fritz Balthaus:


- nbk Berlin 2017
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD
- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein


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Titel zum Thema Fritz Balthaus:

Fritz Balthaus im Projektraum des Deutschen Künstlerbundes, Berlin
„Hatte da mal wieder jemand sein Fahrrad nicht richtig angeschlossen.“ - könnte ein flüchtiger Gedanke eines vorbeieilenden Passanten sein, der ein einsames, am Bodengitter angeschlossenes Laufrad in Abwesenheit des entsprechenden Fahrrads am Fenster lehnen sieht. Doch weit gefehlt.

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