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B3 Biennale

(Einspieldatum: 09.09.2011)

Ausstellung zum Preis der Nationalgalerie für junge Kunst

Klara Lidén

Nach Malerei sucht man im Gegensatz zur abc art berlin contemporary in der Ausstellung der Nominierten für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst vergebens. Klara Lidén, Cyprien Gaillard, Andro Wekua und Kitty Kraus zeigen im Hamburger Bahnhof Skulptur, Film und Installation. Das verbindende Element der vier Künstler ist jedoch nicht das Medium oder die Auseinandersetzung damit, sondern eine kritische Distanz zum Dargestellten und der mehr oder weniger subtile Bezug auf politische und gesellschaftliche Zustände.

Klara Lidén

Die schwedische Künstlerin Klara Lidén (*1979) präsentiert im Hof des Hamburger Bahnhofs einen "Natur"-Container, dessen Außenhaut aus Eibenbüschen auf Baucontainerform zurechtgeschnitten ist und in dessen Inneren Unkrautpflanzen aus dem städtischen Umfeld wachsen und gedeihen. Gegensätzliches von Urbanität über unkontrollierte Natur, von Neubeginn und Zerstörung, von Reglementierung und Chaos flackert auf und verflüchtigt sich wieder. Irritierender und existentieller geht es in der zweiten Arbeit der Künstlerin zu: ein kurzes, etwa 3minütiges, Video im ersten Ausstellungsraum, das durch seine Präsentationsform - kleiner Monitor auf einem weißen Sockel - im heutigen Ausstellungsbetrieb fast anachronistisch anmutet. Zu sehen ist Klara Lidén, die mit dem Rücken zum Betrachter an einem Schreibtisch in einem sonst leeren weißen Raum sitzt. Plötzlich steht sie auf, tritt in den neben dem Schreibtisch stehenden Papierkorb und verschwindet darin vor den Augen des Betrachters. Die Kunst als Erfahrung des Verschwindens und der Vergänglichkeit: magisch, humorvoll und hintergründig zugleich.

Auch bei Cyprien Gaillard (*1980) spielt das Verschwinden - in diesem Fall bezogen auf die Materialität seiner Arbeit - eine Rolle: Seine raumgreifende Videoinstallation, ursprünglich mit dem I-Phone gedreht und dann in 35mm umkopiert, verschleißt sich im Laufe der Zeit und wird schließlich verfallen. Die Idee der Bewahrung der Kunstwerke scheint obsolet, stattdessen rückt der Moment des Erlebens und die bleibende Erinnerung ins Zentrum.
Wie Klara Lidén und Kitty Kraus war Cyprien Gaillard erst kürzlich in der Ausstellung based in berlin mit seinem Neon Indian zu sehen und mit seiner Einzelausstellung "The Recovery of Discovery" in den KW Berlin. Thematisch widmet sich der französische Künstler auch in seinem im Hamburger Bahnhof gezeigten Film dem Verweis auf kulturelle Identitäten, deren Umbrüche, dem Verfall, der Zerstörung, dem Bewahren und der Rekonstruktion von Kultur. In schnellen Schnitten und Rhythmen folgen u.a. Aufnahmen des Ischtar-Tors aus dem Pergamon Museum Bildern von archäologischen Funden im Irak oder Kultstätten in der Wüste und Neubauschluchten. Dazu ertönt fortlaufend ein kurzer Ausschnitt des Babylon-Songs von David Grey, der das Bildgeschehen eindringlich unterstreicht. Die durch die technische Handhabung vom I-Phone zum 35mm Filmformat hervorgerufenen "Fehler" wie Farbstiche, Rasterungen oder Bildrauschen verstärken die Flüchtigkeit der Bilder und führen zurück auf Kultur als sich ständig verändernder Prozess.

Andro Wekua

Der georgische Künstler Andro Wekua (*1977) bespielt den dritten Ausstellungsraum und zeigt eine - ebenfalls raumgreifende - Videoinstallation unter dem Titel "Never Sleep With A Strawberry In Your Mouth" sowie eine theatralisch beleuchtete Skulptur, die eine auf einem Tisch liegende, lebensgroße menschliche Figur mit einem Modellhaus über dem Kopf darstellt .
Die Handlung des Films folgt einem jungen Menschen mit Maske, der sich angstvoll und verloren durch ein labyrinthartig angelegtes Geisterhaus aus engen Räumen und schmalen Gängen bewegt. Dann spielt er Piano und weckt dadurch weitere geisterhafte Gestalten auf, die ihn zu bedrohen scheinen. Das Pianos steht symbolisch für das Entertainment der High Society in Wekuas Heimatland zu Zeiten der Sowjetunion.
Alles in dem Film ist überzeichnet und künstlich - die Farben genauso wie die Geräusche oder die Filmarchitektur. In surrealen, beklemmenden Bildern werden hier Kindheitserinnerungen des Künstlers mit Filmzitaten verbunden. Persönliches und Politisches sind eng miteinander verknüpft.

Kitty Kraus

Im letzten Ausstellungsraum sind zwei kinetische Skulpturen und zwei Objekte der deutschen Künstlerin Kitty Kraus (*1976) zu sehen. Bei den kinetischen Skulpturen handelt es sich um maschinenbetriebene Apparate, die jeweils Griffstangen von Einkaufswagen aus Supermärkten bewegen. Die zum Teil wuchtigen Bewegungen - unkalkulierbar, in nicht vorhersehbaren Rhythmen - halten den Betrachter auf Abstand. An einer Wand angelehnt befindet sich einer weitere Stange und auf dem Boden liegt eine 6m lange, gebogene Glasplatte, die aufgrund ihrer Biegung unter starkem Druck steht und eine gewisse Gefahr ausstrahlt. Fläche und Raum werden in ein neues Spannungsfeld gesetzt und Grenzen unseres begrifflichen, theoretischen und normativen Apparats neu befragt.
Die politische Dimension offenbart sich hingegen versteckter, so sagt die Künstlerin über die kinetischen Objekte, die durch ihre Markenzuordnung wie bspw. "Plus" auf die Konsumgesellschaft verweisen: "Kapital ist im Umlauf, es zirkuliert. Durch die Umwandlung in einen elektrischen Code wird es unsichtbar."

Alle vier Künstler leben in Berlin. Sie wurden von einer ersten Jury (Mechthild Holter (Gründerin der Agentur „players“) , Gregor Jansen (Kunsthalle Düsseldorf), Burghart Klaußner (Deutsche Filmakademie), Chus Martínez (MACBA, Barcelona) , Christiane Meyer-Stoll (Kunstmuseum Liechtenstein), Matthias Mühling (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München), Rein Wolfs (Kunsthalle Fridericianum, Kassel) für die Shortlist nominiert und zeigen vom 9.9.-29.9. ihre Arbeiten in der gemeinsamen Ausstellung. Eine zweite Jury (Bice Curiger (Kunsthaus Zürich), Ann Goldstein (Stedelijk Museum, Amsterdam), Udo Kittelmann (Nationalgalerie, Berlin), Bartomeu Mari i Ribas (MACBA, Barcelona), Britta Schmitz (Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Berlin)) entscheidet am 28.9.11, wer den mit 50.000 EUR dotierten Preis erhält. Wir sind gespannt.

Öffnungszeiten : Mo geschlossen, Di / Mi / Do / Fr 10:00 Uhr - 18:00 Uhr, Sa 11:00 Uhr - 20:00 Uhr, So 11:00 Uhr - 18:00 Uhr

HAMBURGER BAHNHOF - MUSEUM FÜR GEGENWART - BERLIN
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
Information Hamburger Bahnhof: 030 - 266 42 42 42
hamburgerbahnhof.de/

chk

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