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B3 Biennale

(Einspieldatum: 28.01.2012)

Die VIP Art Fair: Mit dem Schlafanzug zur Kunstmesse

Courtesy of VIP Art Fair, New York

Die Kunstwelt ist müde. Messe-müde. Um neue Objekte der Begierde zu entdecken, müssen Sammler meist stundenlange Flugzeiten und Jetlags in Kauf nehmen, in überfüllten Messehallen durch Besuchermengen navigieren und auf lästigen Empfangspartys die alles entscheidenden „Connections“ knüpfen. Auch von Seiten der Galerien ist eine Messe mit enormem zeitlichen Aufwand verbunden.
Dabei kann alles so einfach sein: Am 3. Februar geht die VIP Art Fair in die zweite Runde – die erste Messe die ausschließlich im Internet stattfindet. Sechs Tage lang kann man rund um die Uhr durch die virtuellen Messestände wandeln, im Live-Chat mit den Galeristen sprechen, an exklusiven „Private Viewings“ teilnehmen – und das alles ganz bequem vom eigenen Wohnzimmer aus. Dabei steht das fantasielose Wortspiel im Namen nicht etwa für „Very Important Person“, sondern für „View In Private“. Die schillernden globalen Jetsetter verwandeln sich in Stubenhocker, aus der VIP-Eintrittskarte wird ein Log-in Account und aus „Öl auf Leinwand“ wird „Jpeg“.

Die New Yorker Mitbegründerin Jane Cohan spricht jedoch nicht nur vom Kunstkauf im Pyjama, sondern auch von dem Ziel, eine neue, jüngere Käuferschaft aus allen Teilen der Welt anzuziehen. Laut eigener Statistik verzeichnete die Messe im letzten Jahr rund 40.000 Besucher aus 169 Ländern, was als Erfolg für die geografische Diversität der Interessenten gewertet wird. Dennoch startete die Premiere 2011 mit einem blamablen Desaster. Bereits nach 48 Stunden war der Server überlastet, was die Chatfunktion schließlich vollständig lahm legte und die Kontakte zwischen Galerien und Käufern behinderte. Mit einem ausgewechselten Team und komplett überholter Technik soll nun ein Neustart versucht werden. Zumindest scheint das Interesse der Aussteller auch dieses Jahr ungebrochen und über 100 Topgalerien aus aller Welt haben einen virtuellen Stand gebucht. Darunter Namen wie Leo Koenig oder Gagosian aus New York, die Leipziger/Berliner Galerie EIGEN + ART, White Cube aus London oder die Berliner Galerie Max Hetzler.

Courtesy of VIP Art Fair, New York

In der Presse ist von einer „revolutionären Idee“ die Rede, von einer Wende des Kunsthandels. Doch betreten wir hier tatsächlich eine neue Ära des Kunstmarktes? Dass Sammler Kunst übers Internet kaufen ohne das entsprechende Werk überhaupt im Original gesehen zu haben, ist keineswegs neu. So nutzt die Gagosian Gallery das Internet schon seit längerem für Online-Käufe und Saatchi Online bietet beim Internet-Kauf eines Werks sogar eine 7 Tage Geld-zurück-Garantie an, sollte das Kunstwerk, nachdem es an den eigenen vier Wänden hängt, doch nicht gefallen. Auch virtuelle „Auktionshäuser“ wie Artnet sind im Vormarsch, deren Onlineauktionen rund um die Uhr im Ebay-Stil florieren. Und immerhin 28 Prozent der internationalen Klienten bei Christie´s bieten heute von Zuhause, per Mausklick vor dem Bildschirm. Die Welt des Kunstkaufs scheint sich immer mehr in digitale Welten zu verlagern, wobei die Sichtung des realen Kunstwerks kaum mehr ausschlaggebend für die Kaufentscheidung scheint.

Geht jedoch der Eventcharakter und der aufregende Reiz der exklusiven Kunstgemeinde bei Auktionen oder Messen verloren, unterscheidet sich ein Kunstkauf kaum mehr von einer Bestellung bei Amazon. Der Erwerb eines Gemäldes per Mausklick wird zum nüchternen Geschäft – wie eine Transaktion per Online-Banking. Obwohl die Organisatoren der VIP Art Fair bemüht sind, dieser Entfremdung und Entkörperlichung des Kunsterlebnisses entgegenzuwirken, indem Live Chats, termingebundene Previews oder Stände entworfen werden, die die Realitäten der Messe imitieren, wird dem virtuellen Besucher schnell deutlich, dass selbst ein tausendfacher Zoom in die Mikrostruktur des digitalen Gemäldes die Faszination realer Materialität niemals ersetzen kann. Doch vielen Sammlern geht es heute weniger um das persönlich-ästhetische Kunsterlebnis als um Namen, Provenienz und Wertprognosen. Spätestens durch die Virtualisierung des Kunstmarktes wird offensichtlich, dass beim Kunst-Geschäft der Kunst-Genuss zur entbehrlichen Luxusbeschäftigung wird. In diesem Sinne ist VIP Art Fair lediglich ein weiteres Symptom der Kommerzialisierung des Kunstsektors, der sich wie jeder Marktbereich nun dem allgegenwärtigen E-Commerce öffnet.


Courtesy of VIP Art Fair, New York


Und dennoch: birgt diese Öffnung zum Internet nicht gerade auch Potenziale für eine Demokratisierung des Kunstmarktes? Mag dies im Hinblick auf die Besucher und Käufer durchaus der Fall sein (die nun von allen Teilen der Welt ganz einfach Zugang zu bedeutenden Kunstwerken bekommen), bilden die ausstellenden Galerien weiterhin dasselbe etablierte VIP-Grüppchen. Ein virtueller Messestand kostet je nach Platzierung und Größe bis zu 20 000 Dollar. Ein Preis, den sich kleinere, unbekannte Galerien kaum leisten können und daher weiterhin vom globalen Kunstmarkt ausgeschlossen bleiben. Um eine “Revolution” des Kunstmarktes handelt es sich hier also kaum. Stattdessen bleibt die VIP Art Fair trotz des neuen Mediums erstaunlich konservativ. Und dabei gibt es noch nicht einmal Sekt bei der Eröffnungsfeier.

VIP Art Fair: 3. - 8. Februar 2012
vipartfair.com

Außerdem sind weitere Messen geplant:
VIP Paper: 20. - 22. April 2012
VIP Photo: 13. - 15. Juli 2012
VIP Vernissage: 7. - 9. September 2012

Verena Straub

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