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B3 Biennale

(Einspieldatum: 15.05.2012)

Berlin.Status (1)

bilder

Wiebke Elzel und Jana Müller fotografieren präzise Inszenierungen von Landschaften und Räumen, mal dramatisch, mal heroisch, aber immer messerscharf und menschenleer; Jessica Buhlmann malt dichte Flächen- und Architekturprospekte aus rhythmischen und improvisierten Farblagen; der Chinese Lu Feng formt realistische Epoxidharz-Menschen in absurden Situationen – da sitzen sechs junge Frauen an der Sushitheke und durchlaufen alle erdenklichen Emotionsstufen; Angelika Arendt schafft filigrane und detailreiche amorphe Gestalten, die sich wuchernd auf dem Papier oder im Raum entwickeln; die Kanadierin Emmy Skensved arbeitet fast dekonstruktivistisch in Schwarz und Weiß, mit Einrahmendem und Gerahmten, allgemein mit und an Gegensatzpaaren.

Was haben die aufgezählten Künstler gemeinsam? Sie sind alle unter 40, haben ihren festen Wohn- und Arbeitssitz in Berlin, beschäftigen sich mit der Form im weitesten Sinn und wurden in der jüngsten Ausstellung des Künstlerhaus Bethanien „Berlin.Status(1)“ versammelt. Die Kuratoren Christoph Tannert und Sven Drühl haben unter demselben Titel einen Katalog herausgegeben. Ausstellung und Publikation waren als parallele und sich ergänzende Elemente gedacht. Gut, denn die Ausstellung ließ sich eigenständig nicht erschließen. Ein fehlendes Vermittlungsprogramm, keine Wandtexte und eine ohne nachvollziehbaren Sinn organisierte Hängung provozierten Unverständnis. Wie die beiden Kuratoren darauf kamen, selbst nach dem unglücklichen Ausgang der als Leistungsschau gepriesenen „based in Berlin“ im vergangen Jahr noch einmal den Mythos Berlin zu thematisieren, drängt sich als Frage auf.

Sie leiten in Berlin.Status(1) mit einer Bestand- oder Momentaufnahme der Berliner Kunstszene ein. In ihrem Essay „Schluss mit Status Quo“ formulieren sie die These, heute lebe die junge Kunst in Berlin “ganz wesentlich von ihren internationalen Einflüssen, aus multiperspektivischen Orientierungen, global determinierten Produktionssträngen, stilistischen Paralleluniversen.” Berlin sei eine Kunstmetropole ohne Konsens. Auch das hat nicht zuletzt „based in Berlin“ bewiesen. Es gibt ihn nicht, den einen Berliner Stil, ästhetisch arbeiten die Künstler hier individuell und unabhängig.

Auf rund 200 Seiten stellen Christoph Tannert und Sven Drühl ihre 53 Künstler, unter den weniger bekannten auch Berliner Schwergewichte – u.a. Ralf Ziervogel oder Michael Sailstorfer – mit knappen Eckdaten vor und zeigen in schönem Layout Beispielwerke. Wenn man akzeptiert, dass es sich um eine höchst subjektive Auswahl ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit handelt, verzeiht man fast die banale These und die überdurchschnittlich und unnötig komplexe und blumige Sprache. Es gibt wunderbar eigensinnige, kuriose, ästhetische und verstörende Arbeiten zu entdecken. Die Kunst ist in erster Linie Kunst als Form und Sinnlichkeit. Ein Gegenstatement zur aktuellen Berlin Biennale? Allein aus diesem Grund lohnt der Blick ins Buch.

Mit Werken von:
Gabriel Acevedo Velarde, Silva Agostini, Angelika Arendt, Dafni Barbageorgopoulou, Madeleine Boschan, Jessica Buhlmann, Hannah Dougherty, Zhivago Duncan, Wiebke Elzel / Jana Müller, Hadassah Emmerich, Lu Feng, Shannon Finley, Wolfgang Flad, Torben Giehler, Andrew Gilbert, Ane Graff, Stella Hamberg, Secundino Hernández, Gregor Hildebrandt, Nico Huch, Klaus Jörres, Sven Johne, Jan Koch, Astrid Köppe, Alicja Kwade, Alon Levin, Eoin Llewellyn, Alexej Meschtschanow, Daniel Mohr, Jan Muche,Regine Müller-Waldeck, Xuan Huy Nguyen, Catalina Pabón, Katinka Pilscheur, Bernd Ribbeck, Tanja Rochelmeyer, Egill Saebjörnsson, Michael Sailstorfer, Adam Saks, Ariel Schlesinger, Judith Schwinn, Martin Skauen, Emmy Skensved, Kei Takemura, Alex Tennigkeit, Philip Topolovac, Luca Trevisani, Nasan Tur, Elmar Vestner, Ulrich Vogl, Jorinde Voigt, Ralf Ziervogel

Berlin.Status (1)
Hrsg. von Sven Drühl und Christoph Tannert
Deutsch/Englisch
Auflage: 800
ISBN: 978-3-86206-167-9
Preis: 34,90 €
verlag-kettler.de/

Vivi Kallinikou

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Berlin.Status (1)
Buchbesprechung: Die Kuratoren Christoph Tannert und Sven Drühl haben unter dem Titel "Berlin.Status" einen Ausstellungskatalog herausgegeben.

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