(Einspieldatum: 13.02.2003)

Kometen der Nacht. New York Nightlife in the 80's

bilder

Lust auf eine Zeitreise in die 80er? Dann ist die Ausstellung zum Nightclubbing in New York genau das Richtige: Hier Andy Warhol mit Jean Michel Basquiat, ach ja Grace Jones, Keith Haring, da sogar Rainer Fetting, ein erstaunlich jung aussehender David Bowie und Blixa Bargeld mit der charakteristischen Strubbelfrisur ... Der deutsche Fotograf Wolfgang Wesener (kurz wowe) hat sie alle, alle zwischen 1984 und 1988 porträtiert. Häufig in einem der trendy Clubs, wie das Palladium oder das Area, manchmal, so scheint´s, auch bei einer Ausstellungseröffnung oder einem Theaterbesuch.

Damit zeigt die großzügig ausgestattete Galerie c/o nach Peggy Sirota und André Rival einen weiteren Fotografen, der sein Honorar durch das Ablichten von Prominenten verdient(e). Und sicherlich wird auch diese Ausstellung wieder ein Publikumsrenner werden.
Doch so richtig will sich das Gefühl von Glanz und Glamour nicht einstellen: Liegt es am Format (30 x 40 cm), liegt es an der Wahl des Schwarzweißfilmes, liegt es daran, dass die Zeiten einfach unwiderbringlich vorbei sind? Ein Hauch von Nostalgie schleicht sich beim Betrachten ein.
Die Aufnahmen selbst sind eher klassisch (alle mit einer alten Leica fotografiert): Halbporträts; die Porträtierten schauen häufig direkt in die Kamera; sie sind allein, selten zu zweit oder zu dritt in einem öffentlichen Raum, der zumindest für Nicht-New Yorker kaum näher zu bestimmen ist. Das es sich dabei alles um Zugehörige einer bestimmten Szene, um Avantgarde, um Exklusivität handelt, erschließt sich für den Betrachter eher durch das Wissen um den Namen des Dargestellten und durch den Ort des Abbildens. Viele der Fotos wurden in dem legendären "details magazine" abgedruckt, herausgegeben von Stephen Saban.

Mit Vitrinen voller Erinnerungsstücke an die nicht mehr existierenden Nightclubs und einer Filmecke, wo die Filme "Studio 54" und "Basquiat" laufen, versuchen die Kuratoren dennoch, etwas von der damaligen Atmosphäre zu vermitteln.


Zwar wird Wert auf die Feststellung gelegt, dass wowe vor seinen Aufnahmen immer um Erlaubnis fragte, was ihn von einem ordinären Paparazzo unterschied, aber interessant sind eigentlich gerade die Fotos, auf denen die Abgebildeten eben nicht für den Fotografen in die Kamera schauen. Das gelungenste Beispiel dafür ist das Foto von William S. Burroughs mit Madonna, das schon allein durch die Komposition, aber auch durch die Beziehung der beiden zueinander wirkt. Hier wird Nightlife in New York greifbar: Trinken und Rauchen, Flirten und Schweigen, das Aufeinanderprallen von Berühmtheiten mit nicht (oder noch nicht) Berühmten und manchmal auch ein Sitznachbar, dem man eher weniger zu sagen hat. Aber vor allem und zu allererst: Bewegung.

Genau wie die Zeit des glamorösen Nightclubbing in den 80ern ein Ende fand, so hat auch wowe New York den Rücken gekehrt. Er lebt jetzt in einer italienischen Kleinstadt, wo er eine eigene Fotogalerie führt und sich eher mit Landschaftsfotografie beschäftigt. Auf der Eröffnung genoss er jedoch sichtlich mit etwa 500 Personen sein eigenes Nightclubbing, diesmal in Berlin.

Zusätzlich zu "Nightclubbing" gibt es einen Sonderraum, wo Musikerporträts von wowe in Farbe (und was für Farben!) zu sehen sind. Neben den Ausstellungen bietet das c/o berlin übrigens eine Präsenzbibliothek, die zur Zeit aus ca. 200 Büchern zur Fotografie besteht und mit jeder Ausstellung wächst.

Foto: Burroughs und Madonna © wowe
Die Ausstellung läuft noch bis 16.3.03.

Öffnungszeiten: täglich 11.00 bis 19.00 Uhr. Eintritt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Mittwoch frei.

C/O Berlin | Linienstraße 144 | 10115 Berlin-Mitte
Tel.:030-28 09 19 25



Christine Roth

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