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B3 Biennale

(Einspieldatum: 02.05.2013)

Mindpirates Projektraum: Über das kollektive Wollen und Denken


Foto: © Effie Rebecca Harland

In unserer neuen Interviewreihe stellen wir Berliner Projekträume vor, die es zu besuchen lohnt. Wir haben mit Pauline Doutreluingne, eines der Gründungsmitglieder der Mindpirates und Kuratorin des Projektraumes gesprochen.

Vivi Kallinikou: Wann und mit welcher Motivation wurde das Künstlerkollektiv Mindpirates gegründet?

Pauline Doutreluingne: Das Künstlerkollektiv Mindpirates wurde 2009 im Zuge eines harmonischen Prozesses gegründet. Nach zweijähriger Arbeit an einem not-for-Profit-Dokumentarfilm, der sich mit gesellschaftlichen Problemen im 21. Jahrhundert auseinandersetzte, entwickelte sich bei uns der Wunsch, sich weiterhin künstlerisch und kollektiv mit der Gesellschaft und auch mit der lokalen Szene in Berlin auseinanderzusetzen. Wir wollten uns künstlerisch weiterentwickeln und experimentieren, ohne uns bestimmten Formaten oder Medien zu verwehren. Das war der erste Ansatz.

VK: Wie sind die einzelnen Säulen der Mindpirates - Mindpirates e.V., Vereinsheim und Projektraum - strukturiert und wie haben sich die Mindpirates in den vergangenen Jahren entwickelt?

PD: 2008 wurde der Verein gegründet, kurz darauf das Vereinsheim. Am Anfang haben nur Mitglieder aus dem Verein Veranstaltungen organisiert. 2009 haben wir unsere wöchentlichen Filmscreenings gestartet, die laufen mittlerweile seit drei Jahren jeden Mittwoch. Darüber hinaus organisiert das Vereinsheim freitags einen sogenannten Livingroom, in dem verschiedene Events und Venues stattfinden. Dafür laden die Mindpirates Musiker, Künstler und Freunde ein. Es ist mittlerweile eine feste Instanz geworden, an der Berliner und Interessierte von überall her teilnehmen. Wir haben uns über die Jahre hinweg nach außen geöffnet. Der Projektraum wurde schließlich 2012 eröffnet. Wir hatten Lust visuell zu arbeiten und auch andere Formate anzunehmen, die nicht so richtig ins Vereinsheim passten. Das Vereinsheim ist ein verlassenes Kesselhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert, es ist eine ganz einzigartige Architektur, modern, aber auch ziemlich dunkel und eignet sich dadurch gut für Filmscreenings, Konzerte oder Performances, aber nicht so sehr für Malerei- oder Installationsausstellungen. Daher war es für uns sehr aufregend, als wir die Möglichkeit hatten, gleich nebenan einen Projektraum zu eröffnen. Wir haben seitdem Symposien, Filmvorführungen und Ausstellungen organisiert. Letztes Jahr haben wir beispielsweise zu “Global Revolutions / Local Contradictions” [mindpirates/global revolutions], - einem damals laufenden Forschungsprojekt, das die Beteiligung an politischen Kämpfen wie sie in den Medien dargestellt werden, untersucht hat -, Künstler und Journalisten aus Kairo, Syrien, Korea oder New York eingeladen. Allgemein haben sich unsere Optionen vermehrt, wir könnten nun gleichzeitig Symposien, Filmscreenings und Ausstellung zeigen und damit viele spannende Formate verbinden.

Mindpirates
Vivi Kallinikou (art-in-berlin) im Gespräch mit Pauline Doutreluingne (Mindpirates), Foto: © Effie Rebecca Harland

VK: Wie finanziert sich der Projektraum?

PD: Der Projektraum wird intern finanziert. Wir sind ein unabhängiger Raum und möchten das auch bleiben. Wir erhalten weder eine staatliche Förderung noch werden wir von Konzernen finanziell unterstützt. Das Geld kommt durch eigene Aufträge rein. Wir sind ja nicht nur ein Ausstellungsraum oder ein Vereinsheim, wir sind als Mindpirates eine eingetragene GmbH und produzieren z.B. Filme. Im Augenblick arbeitet etwa die Hälfte unseres Teams an einem Dokumentarfilm in New York. Viele unserer Projekte oder not-for-Profit Aktivitäten finanzieren dann unsere Arbeit hier in Berlin mit. In Zukunft müssen wir auch nach anderen Mitteln suchen. Wichtig ist, dass der Projektraum unabhängig bleibt. Aber das ist natürlich nicht leicht. Man muss sich für jede Anfrage beweisen, muss zeigen, was der Projektraum alles leistet.

VK: Wie unterscheidet sich Mindpirates inhaltlich von anderen Offspaces in Berlin?

PD: Inhaltlich, meine ich, haben wir ein sehr weites Programm. Wir verbinden Kunst, Musik mit gesellschaftlichen Themen aus Ökologie und Politik und verschließen uns keinem Medium und keinem Format. Viele Berliner Projekträume haben ein spannendes Programm, häufig sind sie aber am Kunstmarkt orientiert oder haben einen Schwerpunkt. Durch die verschiedenen Interessen der einzelnen Mindpirates gestaltet sich unser Programm offen und sehr vielfältig. Wir bleiben auch nicht nur in unseren Räumen, viele Projekte werden außerhalb der Mindpirates-Basis organisiert. Im Sommer letzten Jahres führten wir beispielsweise ein spannendes Experiment durch: “The Lovers”. Dafür haben wir 24 Stunden lang auf offenem Feld in Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Wir hatten mehr als 100 Musiker, Performancekünstler aus Berlin und etwa 200 geladene Gäste dabei, um 24 Stunden mit uns im Nichts zu verbringen. Es war eine richtig spannende Erfahrung. Wir haben das Projekt mit Kamera und Fotos dokumentiert, daraus soll demnächst ein Film entstehen und ein großes Ausstellungsprojekt im September folgen. Außerdem arbeiten wir im Kollektiv, alles wird gemeinschaftlich besprochen und entschieden.

© Photographer: Kevin Klein, Works by Ma Ke, 2013, Courtesy of Platform China

VK: Welche Rolle und welchen Einfluss hat Ralf Schmerberg (Fotograf, Filmproduzent und Gründungsmitglied der Mindpirates) auf die Ideenfindung und Produktion von Mindpirates-Projekten?

PD: Wir haben mehrmals in der Woche Meetings, dabei spielt er eine sehr aktive Rolle. Wir setzen uns zusammen und besprechen Ideen. Für den Projektraum bin ich als Kuratorin eher zuständig, aber auch das ist ein gemeinsames Arbeiten. Ich reiche Vorschläge ein, in der Gruppe werden sie besprochen und bearbeitet. Es wird auch immer in der Gruppe abgestimmt. Findet ein Projekt keine Zustimmung, wird es verworfen. Wir versuchen wirklich non-hierarchisch und kollektiv zu arbeiten. Mir ist es wichtig, dass alle Projekte, die für den Projektraum gedacht sind, auch von den Mindpirates unterstützt werden. Ralf Schmerberg hat viel Erfahrung und große Ideen, er lässt uns über uns hinauswachsen, lässt uns träumen und in größeren Formate denken.

VK: Du hast Deine Rolle als Kuratorin angesprochen. Was ist für Dich die größte Herausforderung bei der kuratorischen Arbeit in einem unabhängigen Projektraum wie dem der Mindpirates?

PD: Ich glaube, das kollektive Denken. Wenn man als unabhängige Kuratorin arbeitet, bringt man nur eigene Interessen ein und setzt sie durch. Hier werde ich positiv von den anderen Mitgliedern beeinflusst. Manchmal ist das etwas umständlich, aber meistens ist das ein spannender, energetischer Prozess. Man braucht als Kurator ohnehin das Team, um Projekte zu realisieren. Daher empfinde ich das als eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Den Raum finde es sehr schön, er inspiriert mich verschiedene Sachen zu tun und ihn unterschiedlich zu nutzen. Man kann verschiedene Räume bespielen. Man hat hier einfach mehr Möglichkeiten als in einem kleinen Raum.


Foto: © Effie Rebecca Harland

VK: Am 25. April hat Eure aktuelle Ausstellung „Odyssey- Extension of a journey“ eröffnet. Kannst Du uns ein letztes Wort dazu sagen?

PD: Wir freuen uns sehr, dass das Platform China Contemporary Art Institute aus Peking und Hongkong so positiv auf unsere Einladung reagiert hat, eine Ausstellung in Berlin während des Gallery Weekends zu kuratieren. Das Feedback auf die Ausstellung war bisher sehr gut. Es ist eine andere Welt, die man hier her bringt. Chinesische Künstler werden nicht allzu oft in Berlin gezeigt, jedenfalls nicht in solchen experimentellen Formen wie sie beispielsweise Jin Shan in seinen großen Installationen gebraucht. Ich freue mich sehr, diese Arbeiten hier in Berlin zu zeigen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. Mai 2013.

VK: Vielen Dank für das Gepräch!

Mindpirates Projektraum
Schlesische Straße 38, 3. Hinterhof
10997 Berlin
+49 (0)30 8170 8895
Ausstellungsdauer: 25.4. - 17.5.2013
Öffnungszeiten: Di, Do, Sa 13 - 19 Uhr, Mi + Fr 18 - 24 Uhr

mindpirates.org

Vivi Kallinikou

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