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Berlin Daily 20.05.2019
Lesung Venus AD

18.30 Uhr: Lucas Cranach sucht eine Bilder-Idee. Und sieht sich in der Dürer´schen Werkstatt heimlich um. ... mit Gabriele Borgmann
Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, Grunewaldstr. 3, 12165 Berlin

(Einspieldatum: 14.09.2013)

L´Atelier - ksr

bilder

Stefania Angelini

Please scroll down for English version

In unserer Interviewreihe zu Berliner Projekträumen stellen wir dieses Mal L´Atelier - ksr in Berlin-Kreuzberg / Großbeerenstraße vor. Der Galerie- und Projektraum stellt seine Künstler in Einzel- und Gruppenausstellungen aus, vertritt sie auf Kunstmessen und hat ein eigenes Residency-Programm. Als Plattform lädt L´Atelier - ksr internationale Künstler und Kuratoren ein und organisiert Lesungen, Performances und Screenings. Wir haben mit der Gründerin Stefania Angelini über ihre Arbeit für L´Atelier gesprochen:

Vivi Kallinikou: Stefania, wann und mit welcher Motivation hast du L´Atelier - ksr gegründet?

Stefania Angelini: Ich habe L´Atelier -ksr im Juli 2011 gegründet, mit der Idee, Menschen aus den Bereichen Kunst und experimentelle Musik zusammenzubringen. Ich war gerade in Berlin angekommen und traf so viele Künstler - das kannte ich aus Paris oder London nicht. In Berlin scheint jeder irgendwie mit der Kunst verbunden. So beschloss ich, meine Zeit und Fähigkeit in die Suche und Förderung junger Talente zu investieren. Praktisch ist L´ Atelier eine Mischung zwischen einer kommerziellen Galerie und einem experimentellen Projektraum. Ich gehe zum Beispiel auf Kunstmessen, um Sammler zu finden, mein Netzwerk aufzubauen, natürlich um L´ Atelier finanziell zu stützen, aber auch um wichtiges Feedback zu bekommen. Und ich biete den Raum für experimentelle kuratorische Praktiken in Kunst und Musik an.
Das wichtigste Medium für L´Atelier war und ist die Zeichnung. Es ist das Medium, mit dem ich am liebsten arbeite. Der zweite Schwerpunkt ist experimentelle Musik. Die Szene ist allerdings sehr spezifisch, vor allem in Berlin. Es gibt interessante Bereiche für diese Art von Kunst und Musik, wie das Tannenbaum, die Sucked Orange Gallery oder das Leap. Sie alle machen einen tollen Job.

Projektraum

Daniela Huerta, "Musito", photogram, 2013, Courtesy L´Atelier - kunst(spiel)raum

VK: War Berlin also die wichtigste Inspiration für die Gründung von L´ Atelier?

SA: Ja, ich kam gerade aus London nach Berlin und mochte die Energie in der Stadt sofort. Berlin schien so ehrlich und hoffnungsvoll zu sein. Ich erlebe es jeden Tag in meinem privaten und beruflichen Leben: Kunstschaffende sind bereit, Risiken einzugehen. Man hat das Gefühl, die Stadt und seine eigene Umgebung noch mit gestalten und prägen zu können. Selbst wenn es immer heißt, es gäbe kein Geld in Berlin, ist das nicht ganz richtig. Subventionen für Kulturschaffende sind möglich, und auch Sammler leben in der Umgebung. Man muss nur geduldig und ausdauernd sein. Diese Erkenntnis war eine Inspiration.

VK: Was war die größte Herausforderung während der Gründung von L´ Atelier?

SA: Ich bin das, was man einen Expat nennt, und ich habe eine Expat-Community um mich herum, die mich in gewisser Weise unterstützt. Aber es ist schwer für einen Ausländer sich zu integrieren und etwas zu etablieren, wenn man beispielsweise die sozialen Regeln noch nicht genau kennt oder die Sprache nicht spricht. In Berlin bewegen wir uns auf einem kniffligen Terrain: eigentlich kann man sich mit Englisch ganz gut durchmogeln. Aber dann gibt es Situationen, die bewusst machen, dass man etwas verpasst, kritische Debatten zum Beispiel. Die Kritiker-Szene in Berlin ist überzeugend und qualitativ gut. Sie ist vor allem gut darin, eine Meinung zu bilden und sie publik zu machen. In London oder Paris habe ich keinen so intensiven Diskurs erlebt, und davon ich möchte profitieren.

VK: L´ Atelier repräsentiert im Augenblick die Künstler Benjamin Laurent Aman (FR), Renata Har (BR), Daniela Huerta (ME), Nicolas Puyjalon (FR) und Clémence de La Tour du Pin (FR). Wie und warum hast du diese Künstler ausgesucht?

SA: Ich bin an dem Verständnis meiner Künstler von der Welt interessiert und wie sie dieses Verständnis mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Natürlich kenne ich alle persönlich und vertraue ihnen bedingungslos, wir haben sozusagen unsere Karrieren gemeinsam gestartet. Zum Beispiel gefiel mir Clemence de La Tour du Pins Ästhetik überhaupt nicht, ihre Denkweise dafür umso mehr, ihre Sicht auf die Welt - sie ist frisch und unschuldig. Clemence ging von sarkastischen Zeichnungen über zu Digital Art, in der Regel ist ihre Kunst heute von Publikationen begleitet.
Jeder einzelne meiner Künstler hat mich von seiner Sicht auf das Leben überzeugt. Ich mag Kunst, die Realität kontrastiert, die introspektiv ist, nicht schreit.
Als Galerist oder Kurator ist es interessant, die eigenen Künstler zu verfolgen und deren Entwicklung zu erleben. Ein Künstler kann dich überall hin bringen - ich weiß, das klingt jetzt sehr romantisch - aber ich bin fest davon überzeugt. Das ist es jedenfalls, was meine Künstler mit mir machen, sie zeigen mir Dinge, die ich vorher nicht kannte, oder nicht in einer bestimmten Weise sehen konnte.

Projektraum

Benjamin Laurent Aman and Laura Gozlan, "A thousand miles below" (screen shot), film, 23mn, 2013, Courtesy L´Atelier - kunst(spiel)raum

VK: Wie würdest du deine Arbeit in L´ Atelier beschreiben?

SA: Ich treffe Entscheidungen (lacht), organisiere die Veranstaltungen und Ausstellungen, und ich bin diejenige, die finanzielle Risiken übernimmt. Seit Kurzem arbeite ich mit Judith Lavagna zusammen, die eine starke kuratorische Vision hat und als Vermittlerin zwischen mir und den Künstlern fungiert. Judith kooperiert mit unseren Künstlern, sie zwingt ihnen keine eigenen Ideen auf. Das ist es eine gute Mischung.

VK: 2011 hast du und und Clemence de la Tour du Pin die Veranstaltungsreihe Kunst(Shot) gegründet. An einem Tag wurde dafür exzessiv Kunst und Musik gezeigt.

SA: Ja, ich bin von der Idee solcher one-shot-Veranstaltung sehr angetan. Wir zeigten an einem Tag und Ort visuelle und akustische Arbeiten. Die Ausstellungen hatten ein gemeinsames Format: auf one-shot-Veranstaltungen präsentierten wir internationale Nachwuchskünstler. Als Ausgangspunkt fungierte experimentelle Musik. Dafür suchten wir nach unkonventionellen Ausstellungsorten, Clubs als Veranstaltungsorte haben sich zum Beispiel dafür gut geeignet. Allerdings muss ich zugeben, dass es ziemlich zeit- und arbeitsaufwändig war für eine Ein-Tages-Veranstaltung. Seit 2012 haben wir aufgrund von Zeitmangel keinen Kunst(Shot) mehr durchgeführt. Das Konzept würde ich aber gerne für L´ Atelier beibehalten.

Projektraum

Benjamin Laurent Aman, UFO (light study I), 2013, graphite on paper, 21 x 29,7 cm, Courtesy L´Atelier - kunst(spiel)raum

VK: L´Atelier öffnet nach der Sommerpause mit der Gruppenausstellung ´Stand Still and Promises`. Was kannst du uns darüber erzählen?

SA: Es ist das erste Mal, dass wir alle unsere Künstler zur gleichen Zeit zeigen. Alle fünf kennen sich gut und haben sich durch die Arbeit der anderen in der Vergangenheit inspirieren lassen. Aber eine Gruppenausstellung dieser Art ist neu, und wir freuen uns auf die visuelle Energie.
In gewisser Weise präsentieren wir mit der Ausstellung, was L´Atelier in den vergangenen zwei Jahren künstlerisch erreicht hat. Wir wollten aber nicht Werke aus unserem Lager auftischen, sondern die Künstler gemeinsam und mit dem Raum arbeiten lassen. Das Thema ´Stand Still` erinnert an den Begriff der Zeit. Es ist eine Einstellung. Natürlich sind Raum und Zeit Konzepte jeder künstlerischen Äußerung, aber in diesem Fall erscheint ´Stand Still` als ein Paradox, denn alle unsere Künstler haben eine experimentelle Praxis, works in progress, und betonen in ihren Arbeiten den Prozess der Entstehung. Außerdem mochte ich die sarkastische Frivolität des Wortes Promises als Unsicherheitsfaktor. So kamen wir auf den Titel. Es war interessant zu sehen, wie alle aus ihren Komfort-Zonen traten und etwas völlig Überraschendes entwickelten. Sie haben es geschafft, jeder für sich, ganz andere Aspekte ihrer Arbeit zu zeigen. Ich bin gespannt auf das endgültige Ergebnis.

VK: Sind wir auch, danke für das Gespräch!


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English Version

art-in-berlin’s new interview series introduces you to Berlin’s project spaces worth a visit. We talked to Stefania Angelini, founder of L'Atelier - kunst(spiel)raum. L’Atelier is a gallery and project space in Berlin-Kreuzberg. It showcases solo and group exhibitions, a residency program, and represents its artists at art fairs.

Vivi Kallinikou: When did you start L’Atelier, and what was the motivation behind it?

Stefania Angelini: We started in July 2011 with the idea of bringing people together from different backgrounds, from the visual arts to the music scene. I had just arrived in Berlin at this time, and met so many artists, it’s not like that in Paris or in London. In Berlin everyone is somehow related to the arts, so I decided to offer my time and expertise to showcase young talent. The essence of L’Atelier is a mix between commercial gallery and project space. I go to art fairs where I find and build a network of collectors, who support L’Atelier financially but also give important feedback, and I offer the space for experimental curatorial practices, both in arts and music. I found the space in Großbeerenstraße, and was able to combine the two ideas of an exhibition space and a residency. The main medium I focused on was, and still is, drawing. It’s what I enjoy most working with. The second focus was experimental music, though it’s hard to follow up because it’s a very specific scene, especially in Berlin. There is so much going on, and people really are connoisseur. There are interesting spaces for this kind of art and music, like Tannenbaum, Sucked Orange Gallery or Leap. They are all doing such a great job.

VK: Do you consider Berlin the main inspiration for opening L’Atelier?

SA: Yes, it was the one inspiration. I liked the energy in Berlin, it seemed so honest and hopeful. When I arrived here, I felt it right away, and I still experience it everyday in my private and professional life, people are genuine and positive, they like to take risks. You feel that you can still shape the city or your environment somehow. Even if people say there is no money in Berlin, it’s not completely true - subvention is possible, collectors do live in the area - you just have to be patient and persistent. That was a real inspiration.

VK: What was the biggest challenge in establishing L’Atelier in Berlin?

SA: Well, I am what they call an expat, and I have this expat community around me which is supportive in a way. But it is hard for a foreigner to establish something if you don’t know the social rules exactly; it’s just hard to integrate yourself. Not speaking the language is not precisely making your work easier. Berlin is a tricky ground, in a way you can do anything in English, everyone speaks the language, so it’s comfortable to keep speaking English, but then there are certain situations when you realise you are missing out, on critical debates for instance. The critics’ scene in Berlin is fierce and very good; it’s good in forming an opinion and make it public. I’ve never experienced this kind of discourse in Paris or in London, and I would like to benefit from it.

VK: L'Atelier currently represents the artists Benjamin Laurent Aman (FR), Renata Har (BR), Daniela Huerta (ME), Nicolas Puyjalon (FR) and Clémence de La Tour du Pin (FR). How and why did you choose these artists?

SA: For starters it happened on a personal level. I need to get along with people I am working with. My approach was always to give my artists all the freedom possible. For this I must trust them unconditionally. On a second level, I am interested in their understanding of the world, and how they communicate it with the public. For instance, I didn’t really like Clemence’s aesthetics, instead I liked her way of thinking, her eye on the world, she has this fresh, innocent eye. For each one of my artists there was this appreciation for how they approach life. I like art that contrasts reality. When you have so many sounds and colours around you, you want something where you can rest, something simple. I expect from music and art to be introspective. It’s not so hyped to like introspective art, but this is what we have been doing (laughs). I also like that we started together. We are all very young, so we evolved together. Everyone developed his or her own interests and visual ideas. Clemence de La Tour du Pin went from really humorous drawings to digital art, her work became collaborative and philosophical, and is now accompanied by publications. As a gallerist or curator it is interesting to follow your artists and experience their development. An artist can bring you anywhere, even though this sounds quite romantic, i firmly believe it. This is what the artists I represent do with me; they show me things I didn’t know before, or didn't see in a specific way.

VK: What is your part at L’Atelier?

SA: I make the decisions (laughs). I organise the venues and exhibitions, and I am the one who takes the financial risks. Other than that I let my artists express whatever it is they want to express. I am also working with Judith Lavagna who has a strong curatorial vision and acts as a mediator between me and the artists. I am afraid of being too direct to artists - I don't want to change their idea - but I realize that in a way I need to be, and Judith does a good job with this. She is collaborating, she doesn’t force her visual ideas on the artist. She goes into the space and puts herself on the same level as them. So it's a good mix.

VK: You’ve also founded Kunst(shot) in 2011, a venue that shows art on one specific day. Tell us something about it.

SA: I loved the idea of having a one-shot venue on one day, where both visual and acoustic work was shown. Kunst(shot) was initiated by Clemence de la Tour du Pin and myself. The exhibitions had a common format: one-shot events, presenting international emerging artists and taking as a starting point experimental music. We were looking for unconventional places to showcase, that enabled us to show both visual and sound creations, like clubs. Though it was quite frustrating to realise. It involved a lot of work for a one-day venue. Clemence is currently into so many things, and I prefer letting her go. We therefore haven't done Kunst(shot) since 2012. The main idea, the essence of it all, I would like to keep for L’Atelier though.

VK: L’Atelier reopens after the summer break with a group show called 'Stand Still and Promises'. Tell us something about it.

SA: It’s the first time we show all of our artists at the same time and place. All five of them know each other well, and have been inspired by each other’s work in the past, but to showcase all of them together is new for us, and we are looking forward to the visual energy of it all. In a way it’s also going to show what L’Atelier has accomplished in the past two years. Everyone approached the exhibition differently. The main idea was to let the artists collaborate by inviting a guest. They got a theme, and decided what they wanted to showcase. I didn’t want to sum up pieces that I had in stock but once again, challenge them with a special situation. The theme had to be wide enough to include them all. ‘Stand Still’ evokes the notion of time. A cessation. Of course space and time are concepts always present in any artistic manifestation but in that case, ‘Stand Still’ appears as a paradox. They all have a practice toward the experimental, works in progress, emphasising on the process of emergence. Moreover I liked the sarcastic frivolity of the word ‘Promises’, introducing uncertainty. It was interesting to see how they got out of their comfort zones and developed something surprising. Through these collaborations, they each managed to show complete different aspects of their work. I am excited about the outcome.

VK: So are we, thank you for the talk!

L´Atelier – ksr
Großbeerenstraße 34
10965 Berlin
Ausstellungsdauer: 14.9. - 5.10.2013
Öffnungszeiten: Di-Sa 14-19 Uhr und nach Vereinbarung
latelier-ksr.com/

Vivi Kallinikou

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Titel zum Thema L´Atelier – kunst(spiel)raum:

L´Atelier - ksr
In unserer Interviewreihe zu Berliner Projekträumen sprach Vivi Kallinikou mit Stefania Angelini von L´Atelier - ksr.

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