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B3 Biennale

(Einspieldatum: 02.12.2013)

Netz und Kultur 2013

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Im November 2013 veranstalteten sowohl die den Grünen nahestehende Heinrich Böll Stiftung als auch die Berliner Festspiele in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung Konferenzen zur Situation der Digitalisierung beziehungsweise den aktuellen Tendenzen der Datenverarbeitung und des Internets.

Die netz:regeln 2013 Veranstaltung in der Böll Stiftung wurde mit einer Keynote von Sarah Spiekermann, die an der Wirtschaftsuniversität Wien lehrt und forscht, eingeleitet.

Die Keynote umfasste sowohl ethisch reflektierte Positionen zur Gestaltung von Technologie als auch das Verständnis der menschlichen Erwartungshaltung an und den Zugang zu Technologie. In vier Punkten strukturierte Spiekermann aktuelle Tendenzen:

- Symbiose des Virtuellen und Realen
- Einschließung des Realen durch das Digitale
- Empowerment - Übertragung von Verantwortung / Unterstützung z.B. an Textilien, IBM Watson, etc.
- Robotik - Entstehen einer neuen Art von Robotern, u.a. Drohnen, etc.

Als Handlungsanweisung an die Politik sprach sie dringlich von der Notwendigkeit einer Default Einstellung, die menschliches Eingreifen in maschinelles Handeln priorisiere.

Des Weiteren sieht Spiekermann eine Notwendigkeit, den Tatbestand der Bloßstellung gesetzlich zu regeln.

Ganz anders die Keynote von Juli Zeh auf der Veranstaltung NETZKULTUR1314 mit der Thematik: Internet Freiheit und Supranationale Überwachung.

Juli Zeh, Juristin und Schriftstellerin, veröffentlichte im Jahr 2013 vier Bücher. Für sie ist Internet gleich Digitalisierung.

Zeh nutzt das Internet und weiß, das im Internet bestellte Waren auch aus dem Ausland mit einem 14tägigen Rückgaberecht versehen sind. Damit erklärt sie dem Publikum, dass auch ausländische Unternehmen, wollen sie in Deutschland Geschäfte machen, sich an nationales Recht halten. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der großen Koalition sei sie bereit, der Kanzlerin ein Gesetz zur Datenbalance, und damit zur Aufhebung einer allseits bekannten Machtasymmetrie, zu schreiben. Räumt allerdings in einem Nebensatz ein, auch nicht alles zu wissen.

Juli Zeh plädiert im Kern gegen Daten-Erkenntnis für ein Nichtwissen bzw. Informationsverzicht. Sie erklärt Folgendes: Wenn durch Datenerhebung festgestellt wird, dass ein Mann seine Frau in 7 Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit töten wird, soll man ihn dann festnehmen, nein, man solle die Daten nicht erheben.

(Man könnte ihn auch fragen, ob er einer Therapie gegenüber aufgeschlossen sei.)

Für Juli Zeh verliert der Mensch seine gewonnene Mündigkeit durch Datenerhebung. Sie sieht damit das Projekt der Moderne gescheitert.

So lange den Daten allerdings eine beratende, assistierende Funktion zugeordnet wird, scheint es noch tragbar.

Anders in den Beispielen der Machtasymmetrien von Frank Schirrmacher (u.a. Mitherausgeber der FAZ): “ Den Maschinen, die die Arbeit der Überwachung organisieren, ist es egal, ob sie Katastrophen voraussagen oder Anlagechancen.”

“Man muss sich nur die algorithmengesteuerten Wetten großer Hedge-Fonds, ihre spieltheoretischen, ebenfalls von Markt-Überwachungssystemen generierten Modellierungen während des drohenden Zerfalls des Euro-Raums anschauen, … “

Er weiß, es ist wirklich Neuland, in dem wir uns bewegen, plädiert für Ludwig Erhard, eine “soziale” Datenwirtschaft, den monetären Ausgleich. Soll jeder es mit den Daten tun, so gut er kann, zum Wohlstand für alle.

Ein erstes Modell, die Schockstarre, in der die Politik steckt, zu überwinden?

Danach kam, und es war mehr als ein Totalausfall wie er allen Konferenzen partiell innewohnen kann, es war eine Zumutung, das Panell mit dem TV Entertainer Ranga Yogeshwar. Yogeshwar - ein Internet-Ignorant, der sich geistig in den Vorurteilssphären von 2003 bewegte - moderierte ohne erkennbaren Sachverstand über Computer und Kunst.

Während Sarah Spiekermann berichtete, vom Veranstalter ermutigt worden zu sein, die positiven Aspekte der technologischen Entwicklung auch in der notwendigen Tiefe zu berücksichtigen und darzulegen, schienen die Metaphern und Inhalte bei den Berliner Festspielen eher einfach gehalten. So sprach selbst Frank Schirrmacher in nahezu historischen Beispielen von den “Kreditwünschen” und dem erfassten “emphatischen Ausdruck” auf Facebook, der den Arbeitsplatz gefährde, und nicht von Metadaten, die in ihrer Analyse viel weitreichendere Folgen mit sich bringen.

In der Hoffnung, dass Politiker sich auch in Zukunft von Wissenschaftlern beraten lassen, endet der Beitrag hier, obwohl auf beiden Veranstaltungen auch noch Anderes, Wesentliches debattiert wurde.

ct

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