(Einspieldatum: 27.01.2014)

Art of Science


bilder

Differential intake of coloured substances by slime mould Physarum polycephalum in laboratory implementation of Kolmogorov-Uspenskii machine. Courtesy of Andrew Adamatzky. Adamatzky A. "Physarum Machines" (World Scientific, 2010).

Das Jahresprogramm des Art Laboratory Berlin startet mit einem intensiven Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft. In der DIY Bio Lounge treffen sich Theorie und Praxis, Forscher und interessiertes Publikum in einem Labor abseits des elitären Elfenbeinturmes.

2006 wurde Art Laboratory Berlin gegründet, ein nicht kommerzieller Raum für Kunst. Die Kuratoren Regine Rapp und Christian de Lutz bieten eine Plattform für interdisziplinäre Ausstellungen und Diskussionen an, ziehen die künstlerischen Auseinandersetzungen mit Nachdruck ins 21. Jahrhundert. "Wir sind angekommen," betont Regine Rapp, "unser Fokus liegt auf dem Jetzt." Die im Art Laboratory Berlin vorgestellten künstlerischen Projekte entwickeln die Kunsthistorikerin und der Künstler zusammen mit internationalen Arbeitsgruppen und Gästen, viele arbeiten in biowissenschaftlichen Bereichen.

xxx
DIY Bio Lounge mit dem Open BioLab Team aus Graz, Courtesy Art Laboratory Berlin

So führt der Dialog zwischen der deutschen Künstlerin Theresa Schubert und dem britischen Wissenschaftler Andrew Adamatzky über den Einblick in den einzelligen Organismus Physarum polycephalum. In den "Physarum Machines" finden sogenannte Schleimpilze selbstständig ihren Weg, lösen als leuchtende Pfade geometrische Probleme, überziehen die menschliche Hand. Ein sehr poetisches Bild entsteht, stellt die Frage nach Intelligenz und Kreativität. "Der posthumane Blick auf die Welt und seine Kreaturen wird dabei betont," so Schubert. Die Auseinandersetzung der Betrachter geht über die optischen Effekte in die Suche nach dem eigenen Anteil und den politischen Dimensionen der Bio-Kunst.

Die Installation von Sarah Chareza (Mikrobiologin und Virologin) und Jessica Bernds (Biologin) zeigt bioluminiszierende Bakterien. Die Aliivibrio Fischeri leben in allen Weltmeeren, bevorzugen die Symbiose mit Meeresorganismen wie Heringe oder Kalmare (zehnarmigen Tintenfischen). Chemische Reaktionen innerhalb der Bakterienzellen lassen sie in der Dunkelheit leuchten. Die Bio-Künstlerinnen nutzen den Vorgang, der nur bei lebenden Organismen auftritt, zur Ästhetisierung des Zerfalls. Sie kritisieren in ihrer Arbeit die weltweite Nahrungsknappheit.

Basis der aus den USA stammenden und auch in Südostasien populären Bewegung DIY (Do It Yourself) ist die Idee einer "Citizien Science", einer Wissenschaft, die ihren elitären Zirkel verlässt und allen Bürgern zugänglich ist. Unabhängig von Universitäten und Forschungsprojekten, doch "selbstverständlich weiterhin kontrollierbar und unter strenger Einhaltung der wissenschaftlichen Laborsituation". Der Biologe Rüdiger Trojok arbeitet zur Zeit an der Produktion von citizen science biolab in Berlin und an der Unterstützung von open source Biotechnologie in Öffentlichkeit, Politik und Kunst.

xxx
Präsentation von Rüdiger Trojok, Courtesy Art Laboratory Berlin

Die dreitägige Veranstaltung zum Thema open source biology und Mikroorganismen findet in Kooperation mit dem transmediale Festival statt. Sie bildet den Auftakt einer Reihe von Ausstellungen, Performances und Gesprächen, die unter dem Titel: [macro]biologies & [micro]biologies den Weg von den großen (macro) in die kleinen (micro) Bewegungen beschreiten.

Im März konzentriert sich die erste Schau auf die Makro-Ansicht der Welt, die Arbeiten von Katya Gardea Browne, Mathias Kessler, Alexandra Toland und Rich Pell setzen sich mit Strukturen und der Entstehung sowie Zerstörung von Landschaft auseinander. Ende Mai präsentieren Suzanne Anker, Brandon Ballengée und Maja Smrekar künstlerische Projekte zum Thema mehrzellige Organismen. Die in der dritten Ausstellung vorgestellten Arbeiten der britischen Künstlerin Anna Dumitriu bewegen sich an der Grenze zwischen Kunst und Naturwissenschaft. Sie richtet ihr Augenmerk auf ethische Fragestellungen im Kontext neuester Technologien. Zusätzlich wird ein Programm von Vorträgen, Performances und anderen Veranstaltungen mit Künstlern und Wissenschaftlern die spannende Ausstellungsreihe begleiten.

Art Laboratory Berlin
Prinzenallee 34
13359 Berlin
www.artlaboratory-berlin.org/

Dr. Barbara Borek

weitere Artikel von Dr. Barbara Borek




Kataloge/Medien zum Thema: Art Laboratory Berlin

top

Titel zum Thema Art Laboratory Berlin:

Die Kunst des Händeschüttelns. Eine neue Ausstellung bei Art Laboratory Berlin
Ausstellungsbesprechung: Wer bitte kommt auf die Idee, freiwillig hintereinander 1000 Hände zu schütteln? Und das dazu im Berliner Winter, wo die Infektionsgefahr besonders groß ist. François-Joseph Lapointe lacht.

Where there´s dust there´s danger
Ausstellungsbesprechung: Der Weddinger Projektraum Art Laboratory Berlin widmet sein Ausstellungsprogramm in diesem Jahr dem Thema [macro]biologies & [micro]biologies - Kunst und Lebenswissenschaften im 21. Jahrhundert.

Dramen in der Petrischale - [macro]biologies II: organisms
Ausstellungsbesprechung: Der Anblick hat durchaus etwas Apokalyptisches: Aschfahle Froschleiber, die in expressiver Verrenkung ihre verstümmelten Schenkelchen vor die Linse pressen.

Art of Science
Besprechung: Das Jahresprogramm des Art Laboratory Berlin startet mit einem intensiven Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft. ...

Video: Der Projektraum ArtLaboratoryBerlin
In unserer neuen Interviewreihe stellen wir Berliner Projekträume vor, die es zu besuchen lohnt. ...

A ist blau – ein Künstlergespräch mit Annette Stahmer bei Art Laboratory Berlin
A ist blau. E ist weiß. U ist braun; braun wie Holz. Laute werden mit Farben verbunden. Es ist das neurologische Phänomen der Synästhesie, das uns hier begegnet.

Künstlerische Projekträume und -Initiativen ausgezeichnet
Erstmals hat die Berliner Kulturverwaltung in diesem Jahr künstlerische Projekträume und -Initiativen ausgezeichnet, ...

top

zur Startseite





Berlin Karte Galerie Ausstellungen

Berlin Daily 09.12.2016
OPEN STUDIOS - GLOGAUAIR RESIDENT ARTISTS
9.12.+10.12.:Clark Beaumont / Alexandre Félix /Carlos Franco / Britni Franklin / Pratheek Irvathur / Jignesh Panchal / Maximilien Pyée / Ben Reilly / Mireille Ripoll / Sam Hatfield & Fiona Skelton / Natalia Urnia / Jun Zhang. GlogauAIR | Glogauerstr. 16 | 10999 Berlin

Anzeige
Atelier

Anzeige
Atelier

Anzeige
Burg Halle



Anzeige


Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Kunsthochschule Berlin-Weißensee




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
GNYP Gallery




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Ephraim-Palais




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Schering Stiftung




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Galerie im Saalbau