(Einspieldatum: 06.03.2014)

Aus Styropor befreit - Davide Quayola bei Import Project

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Copyright Davide Quayola, Courtesy Import Project

“Er war immer schon da gewesen. Ich musste lediglich den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen.” Dieses Zitat stammt von Michelangelo Buonarroti. Und das, was sich unter dem überflüssigen Marmor verbarg, war nichts Geringeres als die berühmte Skulptur des David.

Mit einem Figurenensemble des Renaissance-Künstlers – den „unvollendeten“ Prigoni (Sklaven) - setzt sich ein halbes Jahrtausend später Michelangelos Landsmann Davide Quayola auseinander.

Vierzig Jahre lang hatte Michelangelo an den Prigoni-Figuren für das Grab von Papst Julius II. gearbeitet. Allerdings war das Projekt vom Zeitpunkt des Auftrags im Jahr 1505 bis zur Fertigstellung 1545 Projekt drastisch zusammengestrichen worden. Der französische Schriftsteller Romain Rolland schrieb später von einem „fiebernden Delirium von Plänen“, auch wenn Michelangelo am Ende nur drei Statuen selbst erschuf - einen Bruchteil des ursprünglich geplanten Ensembles.

„Für mich stehen die unvollendeten Sklaven für das Streben des Künstlers nach Perfektion“, erklärt Quayola, der als gebürtiger Römer und Sohn einer Künstlerin früh mit dem Werk des Altmeisters in Berührung gekommen ist.

Copyright Davide Quayola, Courtesy Import Project

In seiner Ausstellung „Captives“, die bis zum 12. April in der Galerie Import PROJECTS zu sehen sein ist, untersucht er die Beziehung zwischen Modell und Objekt, zwischen virtueller und materieller Form. In seiner neuen Serie arbeitet Quayola, der sich zuvor mit den Alten Meistern in Form von Installationen, Fotografie und Multimedia auseinandergesetzt hat, erstmals mit Skulpturen.

In der Berliner Galerie füllen drei versetzt stehende Quader fast den gesamten Raum. Während der hintere Block „naturbelassen“ ist, schält sich aus dem zweiten eine Männerfigur, die zu etwa einem Drittel erkennbar ist. Die vordere Figur ist zu etwa zwei Drittel entwickelt. An ihrem Rand sieht man Spuren, als hätte sich ein Bildhauer hier am Marmorblock abgearbeitet. Doch der erste Eindruck trügt. Die Quader sind keineswegs aus Marmor, sondern aus hochdichtem geschäumtem Kunststoff. Und kein Mensch mit Hammer und Meißel, sondern ein Industrieroboter war hier zugange. Das vom Künstler eigens entwickelte Programm hat zweidimensionale Fotografien in dreidimensionale virtuelle Modelle umgewandelt. Diese wurden schließlich aus den Styropor-Blöcken gefräst.

Copyright Davide Quayola, Courtesy Import Project

Vis-à-vis der Michelangelo nachgeahmten Figuren befinden sich drei Plasmabildschirme: Bilder der Fragmente von Michelangelos „Sklaven“ scheinen aus amorphen Blasen und Strudeln aufzutauchen und wiedererkennbare Formen anzunehmen, um dann wieder abzutauchen. So wird der Prozess des Bildhauens, des Herausschälens einer Figur aus der Materie, ästhetisch fassbar.
Quayola mag sich zeitgemäßer Werkzeuge bedienen, doch die Ideen, die er neu interpretiert, sind in den Grundzügen zeitlos. Ob mit oder ohne Schwielen an den Händen. „Mich interessiert die Spannung zwischen dem Reellen und Artifiziellen, dem Figurativen und Abstrakten, dem Alten und Neuen“, erklärt der 1982 geborene Künstler, der seit zwölf Jahren in London lebt.

Längst ist Quayola im internationalen Kunstbetrieb angekommen. So war er u.a. bei der Biennale in Venedig, im Victoria & Albert Museum und der Park Ave Armory in New York vertreten. Ob es das perfekte Kunstwerk gebe? Nein, das gebe es nicht, dafür aber das Streben nach Perfektion. Heute wie einst bei Michelangelo – nur mit zeitgenössischen Mitteln.


IMPORT projects
10787 Berlin,
Keithstrasse 10
Mobil +49 (0) 176 - 98 107 466
Telefon: 030 - 956 183 23
Finissage Samstag, 12. April, 19.00-21.00 Uhr
http://import-projects.org/


Inge Pett

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