(Einspieldatum: 12.03.2014)

Biosphärische Wechselwirkungen


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Ausstellungsansicht, Detail Center for PostNatural History

Kürzlich haben chinesische Forscher erstmals eine präzise Genchirurgie an Primaten, genauer gesagt an Makaken-Äffchen, durchgeführt. Die vor einem Jahr entwickelte Gentechnik CRISPR/Cas9 ermöglicht das Einfügen, Ausschneiden und Umschreiben von Erbinformationssegmenten an der DNA und war bisher nur bei Mäusen, Ratten und Fischen erfolgreich. Diese Methode lässt nun bei schweren Erbkrankheiten auf Behandlungsfortschritte hoffen.

Die Veränderung biologischer Ressourcen und deren Auswirkungen auf uns Menschen und unsere Umwelt thematisiert auch die aktuelle Ausstellungsreihe [macro]biologies & [micro]biologies bei Art Laboratory Berlin. Bereits im Januar dieses Jahres fand dazu eine dreitägige Veranstaltung zum Thema open source biology und Mikroorganismen statt. Sie bildete den Auftakt des diesjährigen Schwerpunktthemas bei Art Laboratory Berlin. Letzten Freitag wurde in diesem Rahmen die Ausstellung [macro]biologies I: the biosphere eröffnet.

In der Ausstellung werden vier internationale künstlerische Positionen vorgestellt, die sich aus einer unterschiedlichen Perspektive mit den biosphärischen Bedingtheiten unserer Lebenswelten beschäftigen: Center for PostNatural History / Katya Gardea Browne / Mathias Kessler / Alexandra Regan Toland.

> Ausstellungsansicht, Detail Center for PostNatural History

Beim Betreten des Ausstellungsraumes überrascht den Besucher eine monumentale Raum-im-Raum-Installation für die das Center for PostNatural History verantwortlich zeichnet. Hinter dem Namen stehen als Direktor: Richard Pell, als Learning Science Advisor: Lauren Allen und als Designer: Mason Juday.
Die wie aus einem alten Naturkundemuseum anmutende Installation ist ein achteckiger Holzbau mit integrierten Vitrinen. In den Vitrinen sind u.a. ausgestopfte Tiere, Knochen oder Pflanzen zu sehen. Was es damit auf sich hat, erfährt der Besucher aus Telefonhörern, durch die eine Stimme in einem wissenschaftlich-nüchternen Ton durchaus skurrile Auskünfte über die Besonderheiten der Objekte gibt. Verbindendes Element ist das Spiel mit dem Phänomen des Repräsentierens von Natur, Kultur und Technik.

Ausstellungsansicht, Detail Katya Gardea Browne

Fast könnte man meinen, dass die einzelne Holz-Glas-Vitrine, die im selben Raum der Installation gegenübersteht, zu dieser gehört. Denn diese scheint ebenfalls aus vergangen Zeiten zu sein. Sie ergänzt jedoch das Video auf der dahinter liegenden Wand und enthält Relikte wie Mais, Bohnen, kleine Statuen und Körner aus dem Video in natura. Die Videoinstallation sowie zwei weitere Videoarbeiten stammen von der in Mexiko-Stadt lebenden Künstlerin Katya Gardea Browne, die sich mit der Fragilität von Ökosystemen auseinandersetzt. Browne befragt mexikanische Bauern zu ihrem Umgang mit den durch Genmanipulation veränderten Getreidesorten und die Auswirkungen auf das Umfeld. Oder, sie zeigt in diesem Zusammenhang eine Köchin beim Zubereiten traditioneller mexikanischer Gerichte. Geschickt werden die Aufnahmen durch Filmsequenzen unterbrochen, die in langen Kamerafahrten - fast medidativ - die Weite und Schönheit der Landschaft aufzeigen. Der Betrachter ist hin- und hergerissen zwischen poetischen Bildern und unaufhaltsamer Veränderung, die in ihrer Auswirkung nicht abschätzbar ist.

Ausstellungsansicht, Detail Mathias Kessler

Erstmals bezieht Art Laboratory Berlin den in unmittelbarer Nähe liegenden Theatersaal als Ausstellungsort zusätzlich zu den eigenen Räumen mit ein. In diesem Raum präsentieren Mathias Kessler und Alexandra Regan Toland ihre Arbeiten. Alexandra Regan Toland erforscht urbane biologische Strukturen und der in New York arbeitende Mathias Kessler zeigt anhand eine riesigen Luftaufnahme, wie inmitten einer idyllischen Landschaft ein Kohlebergwerk unwiderrufliche Schäden an der Natur verursacht. Energiegewinnung contra Naturerhaltung.

Ausstellungsansicht, Detail Alexandra Regan Toland

Der Mensch und sein radikaler Wandel im Verhältnis zur Natur wird hier wie auch in den anderen Arbeiten eindrucksvoll dargelegt.
Durch die Fortschritte in Biologie und Medizintechnik bedarf dieses Thema - ohne Frage - der besonderen gesellschaftlichen ethischen Betrachtung. Wenn sich die oben erwähnte CRISPR Methode etabliert, lassen sich dadurch sowohl Gentherapien als auch gewünschte Genmanipulationen am Menschen durchführen.
Inwieweit künstlerische Positionen ihren Beitrag zur Diskussion leisten können, macht die Ausstellungsreihe sichtbar.

postnatural.org
katyagardea.com/
artoland.wordpress.com /
mathiaskessler.com /
artlaboratory-berlin.org

Standorte für die aktuelle Ausstellung:
Art Laboratory Berlin
Prinzenallee 34, 13359 Berlin

Theatersaal
Prinzenallee 58, 13359 Berlin

chk

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Ausstellungsbesprechung: Kürzlich haben chinesische Forscher erstmals eine präzise Genchirurgie an Primaten, genauer gesagt an Makaken-Äffchen, durchgeführt.

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