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Berlin Daily 13.11.2019
Pushing the Boundaries

17 Uhr: Julian Adenauer, Gastprofessor für Interaction and Digital Technologies
Aula der weißensee kunsthochschule berlin | Bühringstraße 20, 13086 Berlin

(Einspieldatum: 24.11.2014)

Tautropfenklänge. Hydroelektronische Kunst auf dem Rütli-Campus

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TRANSFORMATION III - Tomoko Sauvage, Installationsansicht Temporäre Galerie in der Quartiershalle Campus Rütli - CR², 2014 / Foto: Jens Ziehe

Sie glitzern im sanften Licht wie riesengroße Kristalle. Doch was wie Juwelen an Fäden von der Decke hängt, sind tatsächlich Eisklumpen, die langsam dahinschmelzen in der Wärme der Temporären Galerie in Berlin-Neukölln.

Dabei geben sie eine in stillen Momenten vernehmbare Melodie von sich. Eine Melodie tropfenden Wassers, das von weißen Porzellanschüsseln aufgefangen wird. Unterwasser-Mikrofone fangen diesen Klang ein und verstärken ihn. Die Installation stammt von der in Japan geborenen und in Frankreich lebenden Musikerin Tomoko Sauvage.

„Die Töne fallen in den Raum“, so beschreibt Ida Schildhauer das Hörerlebnis. Sie ist die Initiatorin der Temporären Galerie, eines Projektes der Campus Bildung im Quadrat gGmbH, im Rahmen von Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Neukölln, gemeinsam mit dem Campus Rütli-CR². Es finde eine dreifache Transformation statt, erläutert Ida Schildhauer den Ausstellungstitel „Transformation III“: Eis werde zu Wasser, die Tropfen zu Schwingungen und Tönen und alles zusammen zu Kunst.

Anlässlich der Vernissage am 21. November gab Tomoko Sauvage ein Konzert auf einem „hydroelektronischen“ Musikinstrument, bestehend aus eigens für sie gefertigten, wassergefüllten und mit Hydrophonen (Unterwassermikrofonen) versehenen Porzellanschalen verschiedener Größe. Ihnen entlockt Sauvage Klänge, in dem sie das Wasser in einer Balance zwischen Kontrolle und Zufall bewegt. So erzielte sie fragile, natürliche Übertöne, die sich mit den Tönen des Umfeldes verbinden. Ihre Musik bildet organische, kontinuierliche sogenannte „Drones“ (dt. Bordun), die sich in einem steten Prozess von Bewegung und Auflösung befinden.

TRANSFORMATION III - Tomoko Sauvage, Installationsansicht Temporäre Galerie in der Quartiershalle Campus Rütli - CR², 2014 / Foto: Jens Ziehe

Die von Silvia Ploner kuratierte Ausstellung „Transformation III“ findet quasi mitten im Leben statt: Als Ort wurde der Vorraum zur Quartiershalle der Rütli-Schule gewählt, den Franziska Giffey, die Neuköllner Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport, als ein „Schaufenster zum Quartier“ beschreibt. Schildhauer betont, dass der Klang bewegten Wassers, Plätschern, Topfen, Murmeln in Japan seit jeher als Gestaltungsmittel eingesetzt werde. Die Wahrnehmung der Klänge jedoch erfordere Stille. Ein Innehalten, das erst einmal erlernt sein muss.

Bereits das dritte Mal werden in der Temporären Galerie künstlerische Positionen präsentiert, die sich im Spannungsfeld zwischen Bildender Kunst und Wissenschaft bewegen. Jede der Ausstellung wird durch Workshops mit Kindern und Jugendlichen aus lokalen Bildungseinrichtungen begleitet und in Kooperation mit Pädagogen entwickelt und umgesetzt.

Im Rahmen von „Transformation III“ wird Heidrun Schramm, die als Geräuschesammlerin, Klangkünstlerin und Komponistin elektro-akustischer Musik tätig ist, gemeinsam mit der Musiklehrerin Maja Dürr einen mehrtägigen Klangworkshop für Kinder der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli leiten. Wie hört sich Schule an? Wie der Alltag? Schramm und Dürr möchten die auditive Wahrnehmung der Kinder auf ihre Umgebung lenken. Auch werden die Kinder verschiedene Aufnahmetechniken kennenlernen sowie Kontaktmikrophone basteln und damit experimentieren. Ferner werden sie eine Soundcollage erstellen und am Ende ihre Erfahrungen in einer Performance verarbeiten, die anlässlich der Finissage am 12. Dezember aufgeführt wird. Während der drei Wochen, in denen die Ausstellung aufgebaut wird, gibt Sauvage „Minikonzerte“ für die Kinder aus den Kitas des Kiezes.

TRANSFORMATION III - Tomoko Sauvage, Installationsansicht Temporäre Galerie in der Quartiershalle Campus Rütli - CR², 2014 / Foto: Jens Ziehe

Die Rütli-Schule hatte bundesweit von sich reden gemacht, als deren Lehrer im März 2006 einen „Brandbrief“ an den Berliner Senat schickten. Sie prangerten damit die unhaltbaren, von Straftaten und Schulschwänzen geprägten Zustände an, die den Unterricht unmöglich machten. Der damalige Senator Böger stellte den Lehrern Polizeischutz zur Seite. Später wurde die Schule, die eine bildungspolitische Debatte ohnegleichen ausgelöst hatte, in eine moderne Gemeinschaftsschule umgewandelt, Motto: „Eine Schule für alle! Kein Schüler bleibt zurück.“ Jeder Schüler soll individuell gefördert werden, unabhängig von der sozialen, kulturellen oder ethnischen Herkunft. Bislang mit großem Erfolg: Während 2007 noch 27 Prozent der Neuntklässler die Schule ohne Abschluss verließen, waren es 2009 nur noch sieben Prozent.

Vor diesem Hintergrund ist auch das Konzept der Temporären Galerie zu verstehen, das unaufdringlich und dabei auf höchstem ästhetischen und künstlerischen Niveau Angebote für die Kinder des Kiezes schafft und seismographisch auf die Veränderungen des Reuterkiezes eingeht. Ida Schildhauer weist jedoch auf die Knappheit der Mittel hin. Alleine könne sie das Projekt in Zukunft nicht mehr stemmen, Sponsoren seien herzlich willkommen.

Ab Montag, wenn der Schulbetrieb in vollem Gange ist, wird das Tropfgeräusch wohl erst einmal übertönt werden. Ohne Zweifel wird die Klanginstallation Beachtung bei einem jungen, frischen Publikum finden, das sonst wenig mit Kunst in Berührung kommt. Für die ebenso poetischen wie haptischen Gebilde aus Eis allerdings hofft man, dass diese Berührung nicht zu konkret wird...

Ausstellungsdauer: 21. November – 12. Dezember 2014

Temporäre Galerie in der Quartierhalle Campus Rütli – C²
Mo-Fr 11-19 Uhr
Rütlistr. 35
12045 Berlin
http://campusbildungimquadrat.eu

Inge Pett

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Titel zum Thema Rütli-Schule:

Tautropfenklänge. Hydroelektronische Kunst auf dem Rütli-Campus
Ausstellungsbesprechung: Sie glitzern im sanften Licht wie riesengroße Kristalle. Doch was wie Juwelen an Fäden von der Decke hängt, sind tatsächlich Eisklumpen, die langsam dahinschmelzen in der Wärme der Temporären Galerie in Berlin-Neukölln.

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