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Berlin Daily 16.07.2019
Kuratorinnenführung

18 Uhr: mit Marie-Christin Lender im Rahmen der Ausstellung Sitting Circles
Galerie Wedding | Müllerstraße 146 – 147 | 13353 Berlin

(Einspieldatum: 07.06.2015)

Nichts ist erledigt!

bilder

Klaus Staeck und Joseph Beuys, Rom 1972, © Archiv Staeck

Der Präsident der Akademie der Künste Berlin war und ist ein unbequemer und unerschrockener Bürger. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Klaus Staeck im Mai, nach dreimaliger Amtszeit, nicht mehr als Akademiepräsident antreten kann. Er gebe nicht auf, so Staeck, die Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Die aktuelle Ausstellung gibt einen eindrucksvollen Einblick in seine vielfältige Sammlung, die auch Dokumentation der bundesrepublikanischen Gesellschaft ist.

Mehr als 300 Exponate von über 150 Künstlern wählte Klaus Staeck aus, eine Vielzahl von Grafiken, Objekten, Materialtableaus, Künstlerbüchern und Schriftstücken, ein begehbares Zeitdokument, eine kulturpolitische Collage und Hommage an die unabhängige Stimme der Kunst. Der „Kunst- und Menschenfreund“ (Achim Freyer), 1938 geboren und in der DDR aufgewachsen, ging nach dem Abitur nach Heidelberg, studierte Jura. Doch sein Interesse und seine Leidenschaft gehörten schon früh der künstlerischen Produktion und den politischen Themen.

Wie viele Künstlerinnen und Künstler seiner Generation begab sich auch Staeck auf die Suche nach neuen Ausdrucksformen, von Institutionen losgelöst und basisdemokratisch, von den Regeln des Kunstmarktes befreit. Er wurde vom engagierten Demokraten, Mitglied der SPD seit 1960, zum kritischen Beobachter und Begleiter der Zeit. Er mischte sich ein, suchte einen Weg aus der elitären in die egalitäre Kunst. Hierbei fordert der kulturpolitische Aktivist Staeck die Betrachter bis heute auf, hinzusehen, nachzudenken, aktiv zu werden.


Klaus Staeck, Schnabeltasse für pensionierte Diktatoren, 1970, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: Simone Schmaus

Zunächst als Siebdrucke, dann als Plakate mit hohen Auflagen, eroberten Motive wie die Zeichnung Albrecht Dürers von seiner Mutter mit der Frage: „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ (1972), "Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen" (1972) oder „Alle reden vom Frieden. Wir nicht.“ (1981) den öffentlichen Raum und gehören heute zum kollektiven Gedächtnis. Unabhängig von Institutionen ist dies eine KUNST FÜR ALLE, verlegt in der Edition Staeck, die der Künstler 1965 unter dem Namen Edition Tangente in Heidelberg gründete und die in diesem Jahr das 50. Jubiläum feiert.

Klaus Staeck war und ist immer wieder Ideengeber und Organisator: so bei der Aktion: "Wir betreten den Kunstmarkt" in Köln 1970 mit Wolf Vostell, Helmut Rywelski und Josef Beuys, der bis heute in der Edition Staeck verlegt wird; oder der 3. Bitterfelder Konferenz 1992, zu der er zusammen mit Eugen Blume und Christoph Tannert unter dem Motto "Kunst. Was soll das?" einlud. Doch Staeck geht es niemals alleine um Provokationen, auch wenn bei den vielen Prozessen sein Jurastudium sicherlich hilfreich ist, er ruft auf zu gesellschaftlicher Verantwortung. So forderte er seine Zuhörer auch am Eröffnungsabend auf, die von ihm eingeladenen Verkäufer einer Berliner Straßenzeitung nicht zu ignorieren („Ich glaube, das können Sie sich alle leisten.“) und lädt ein zum Akademie-Gespräch "Nicht einknicken! 12 Wochen nach Charlie Hebdo" am 28. März.

Mit der Ausstellung führen Klaus Staeck und sein Team in die politischen und sozialkritischen Dimensionen der Kunst, geben in der ersten Halle dem Publikum die Möglichkeit, über Plakate und Filme der Aktionen Bekanntes wiederzuentdecken. In der zweiten Halle versammelt sich eine große Auswahl der bei Staeck verlegten Werke. Wie in einer begehbaren Collage, über-, unter- und nebeneinander, finden sich Plakate, Postkarten, Fotos und Objekte von Joseph Beuys (Demokratie ist lustig, 1973), Christo (Kölner Dom packed, 1969), Hanne Darboven (Theatre, 1985), Kirsten Klöckner (Shareware, 2008), Nam June Paik (TV News, 1991), Dieter Roth (Berner Oberland, 1979) und vielen mehr. Der Verleger Staeck war „immer neugierig auf die Arbeiten anderer Künstler, und … wollte möglichst viele neugierig machen auf die der Kunst innewohnende Energie jenseits von l´art pour l´art." Und er ist der Überzeugung, dass die Künstler selbst es sind, die Veränderungen in der Kunstwelt bewirken, die ihre geistige und ökonomische Unabhängigkeit – mit Künstlerkollektiven, Produzentengalerien oder selbstorganisierten Messen, verteidigen können und müssen.


Hanne Darboven, Theatre, 1985, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Der Kunstkritiker und Essayist Thomas Wagner formulierte es als "Versuch, Kunst und Gesellschaft in einer Produktionsöffentlichkeit zusammenzubringen und mit allen daraus resultierenden Folgen aufeinander reagieren zu lassen". Oder, um Josef Beuys zu zitieren: "Ich bin interessiert an der Verbreitung von physischen Vehikeln in Form von Editionen, weil ich an der Verbreitung von Ideen interessiert bin."

Ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsprogramm (Gespräche, Filme, Konzerte, Führungen und Werkstätten) in der Akademie der Künste von und mit Akademie-Mitgliedern begleitet die Ausstellung. Die Künstlerin Kirsten Klöckner lädt beispielsweise auf Facebook unter /KUNSTFUERALLE zu einem virtuellen Projektraum ein.
Zum Preis von 18 Euro ist ein reich bebildertes Katalogbuch mit Beiträgen von Claudia Jansen, Oskar Negt, Wolfgang Ulrich, Thomas Wagner, Stefan von Wiese und Klaus Staeck erhältlich.

KUNST FÜR ALLE
Multiples, Grafiken, Aktionen aus der Sammlung Staeck
bis 7. Juli 2015

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
Di - So 11-19 Uhr, Di 15-19 Uhr Eintritt frei
Oster- und Pfingstmontag geöffnet
adk.de

Dr. Barbara Borek

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Daten zu Klaus Staeck:


- documenta 7, 1982
- documenta 8, 1987
- MoMA Collection
- nbk Berlin
- ZKM Sammlung, Karlsruhe


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Titel zum Thema Klaus Staeck:

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