(Einspieldatum: 05.09.2015)

Alles findet seine Form. Michael Beutler im Hamburger Bahnhof

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Michael Beutler, Moby Dick, 2015, Ansicht Ausstellungsaufbau Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Die historische Halle des Hamburger Bahnhofs verwandelt sich für die nächsten Monate in ein raumgreifendes Kunstwerk: architektonische Konstruktionen in unterschiedlichen Größen bilden Bögen und Flächen, formen Räume in verschiedenen Größen. Bunte Holzstäbe lehnen an den Wänden, liegen auf dem Boden. Dazwischen technisches Gerät, Materialansammlungen, Werkzeuge und eine größere Anzahl von arbeitenden Menschen.

Unter dem Titel Moby Dick bespielt Michael Beutler den Bau, wie auf einer Bühne stehen und liegen die Arbeiten dicht beieinander, bilden auf 2000qm einen Parcours des scheinbar Unbestimmten und Unfertigen. Michael Beutler, 1976 in Oldenburg geboren, studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main und an der Glasgow School of Art, heute lebt und arbeitet er in Berlin. Der Künstler „ist alles“, beschreibt die Kuratorin Melanie Roumiguière, „was man in der Regel so über ihn sagt: Er ist Erfinder, Ingenieur, Initiator, Baustellenleiter, Kapitän, Vorarbeiter und Handwerker. Er ist erfahrener Künstler und immer auch Amateur." Beutler und sein Team, zu dem während der Laufzeit auch eine Gruppe von Auszubildenden der VW Werke in Wolfsburg – dem finanzstarken Partner der Nationalgalerie – gehören wird, schaffen Raum-Skulpturen, Raum-Installationen, Raum-Architekturen. Beutler macht die Halle zu einem überdimensionalen und öffentlichen Atelier, zu einem Raum-Zeit-Experiment.

„Eigentlich hätten wir jederzeit eröffnen können“, so Udo Kittelmann. Der Ausstellungsbeginn sei zwar als Datum festgelegt worden, doch die Besucher erwarte keine statische Präsentation, vielmehr eine experimentelle Schau, in der das Prozesshafte auch sie einbinde.


Michael Beutler, Moby Dick, 2015, Ansicht Ausstellungsaufbau Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Der offene Charakter zeigt sich in den Veränderungen, Umbauten und Ergänzungen, die während der Laufzeit durchgeführt werden. Gleichzeitig schafft Beutler ein geschlossenes System, indem er sich immer wieder auf die historischen Elemente des Baus bezieht und alle Objekte mit Maschinen herstellt, die in der Ausstellung bleiben und zu sehen sind. So wurde für die Arbeit Zustand mit Loops und Kringeln (2012/2015) eine meterlange Maschine konstruiert und mit dieser große Mengen an überdimensionalen Papierkringeln hergestellt. Die Wandelemente für Potpourri (2004/2015) sind aus Wellpapier, die ein Apparat aus Papier, Draht und Leim zusammensetzt. Alle Objekte entstehen in einem modularen System, können miteinander verbunden, ersetzt, neu zusammengestellt werden. Beutler verwendet die Materialien immer wieder und weiter, lässt sie in immer neue Dialoge mit den bespielten Bauwerken treten.

Vorwiegend aus dem in der Bauindustrie verwendeten Material Pecafil, leichte und gleichzeitig stabile Metallgitter, die mit einer transparenten Plastikfolie bezogen werden, erarbeitet Beutler seine großflächigen Wände. Mit milchig weißer Gewächshausfarbe bemalt, erhalten sie ihre lichtdurchlässige, transparente Struktur, wirken oft selbst wie kleine Hallen. Beutler verschiebt so die Perspektiven, weist auf die Herkunft und aktuelle Nutzung des Gebäudes hin.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht jedoch der künstlerische Prozess, die kontinuierliche Reaktion auf die Produktion der Raum-Wahrnehmung. „Das Werk ist schon vollendet gewesen“, so Beutler. „Das Werk ist die Arbeit an sich.“


Michael Beutler, Moby Dick, 2015, Ansicht Ausstellungsaufbau Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Im sogenannten Haus Beutler dokumentieren Modelle, Materialproben, Zeichnungen, Videos und Fragmente älterer Installationen die Arbeiten der letzten 15 Jahren, wie in einem „begehbaren Technikkatalog“. Ein Besuch der spannenden Ausstellung zu unterschiedlichen Zeitpunkten lässt die Besucher am Prozess teilhaben, nimmt sie in den Bauch des Walfisches auf. Sie nehmen so an den Raum-Befragungen von Michael Beutler teil.


Michael Beutler. Moby Dick
bis 6. September 2015

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
Invalidenstraße 50/51
10557 Berlin
Di, Mi, Fr 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
Sa, So 11-18 Uhr
michaelbeutlerinberlin.de

Dr. Barbara Borek

weitere Artikel von Dr. Barbara Borek


Daten zu Michael Beutler:


- 30 Künstler / 30 Räume, 2012
- Berlin Biennale 2006
- Biennale Venedig 2017
- Göteborg Biennial for Contemporary Art, 2005
- Gwangju Biennale 2016
- Gwangju Biennale, 2006
- Kunstverein Heilbronn
- Sammlung MMK, Frankfurt
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD
- Singapur Biennale 2011

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Alles findet seine Form. Michael Beutler im Hamburger Bahnhof
Dieses Wochenende letzte Gelegenheit, die Ausstellung zu sehen. Hier unsere Besprechung.

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