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Berlin Daily 20.09.2020
Poetry Salon von Danielle des Picciotto

20h: The Blood of a Poet III. Lineup: Babiche Papaya, Hinrik Þór Svavarsson & Martina Bertoni, Sailesh Naidu, Yaneq, Alexander Norton, Käthe Kruse and hackedepicciotto
VOLKSBÜHNE | Linienstraße 227 | 10178 Berlin

Was sonst noch los war am Gallery Weekend? Die Baustelle als Ort der Kunst

von Inge Pett (03.05.2015)
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AN EVENING AT VARNHAGENS, Baustelle Paiais Varnhagen © David Szauder, BuildingScape, Courtesy Goldmann PR

„Was ich mache? Nichts – ich lasse das Leben auf mich regnen“. Mit ausgebreiteten Armen tanzt die Schriftstellerin Rahel Varnhagen durch den Raum. Sie unterhielt ab 1793 einen berühmten Salon, in dem u. a. Heinrich Heine, Friedrich Schlegel, Franz Grillparzer und Wilhelm von Humboldt verkehrten. Des Nachts geisterte sie am 1. und 2. Mai als Scherenschnitt über die Brandmauern einer Baugrube an der Französischen Straße in Berlin-Mitte. Dort entsteht derzeit das Wohnprojekt „Palais Varnhagen“ von Stararchitekt David Chipperfield.

Die Videoprojektion sollte den Genius Loci der im Bau begriffenen Luxusanlage heraufbeschwören, auch wenn sich Varnhagens zweiter Salon – der erste war in der Jägerstraße - vis-à-vis befand.

Anlässlich des Gallery Weekends waren fünf Künstler eingeladen, die sich über 70 Meter erstreckende Fläche von zwei über Eck gelegenen Brandmauern mit einer riesigen Multimedia-Installation zu bespielen. Eine Hommage an Rahel Varnhagen und an Berlins Salonkultur, die derzeit wieder zum Leben erwacht. Während sich Gaspar Battha, Panni Neder und Mari Cantu in ihrem Kurzfilm „An Evening At Varnhagens“ des klassischen Schattenspiels bedienten und dazu u.a. Klänge von Rossini erklingen ließen, zeigte der 1984 in Budapest geborene Emil Goodman erstmals einen Ausschnitt seines retro-futuristischen Schwarz-Weiß-Films „Henry Waltz“. Goodman führt ein in das Leben seiner Kunstfigur – Fotografie und Animationsfilm wechseln einander im schnellen Rhythmus ab.

Bemerkenswert ist der Beitrag „Atara“ des Israelis Amir Fattal. Das Video ist unterlegt mit der Musik von Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“. Fattal hat sie in umgekehrter Reihenfolge aufgenommen und abgespielt. „Dadurch setze ich die Aspekte Auferstehung und Schöpfung künstlerisch um“, so der Künstler. Der Zuschauer wird in den Sog einer Zeitreise hineingezogen. Spielort ist vor allem die Schlossbauhütte Spandau, wo Männer in Astronauten-Anzügen in der fernen Zukunft versuchen, Geschichte zu rekonstruieren. Seltsam weltfremd wirkt der Stuck aus lange vergangenen Berliner Tagen. Eine Parabel auf das Projekt der Bauherren Artproject in Kooperation mit Baywobau, die in der Französischen Straße den Geist der Vergangenheit aufleben lassen und eine Ort schaffen möchten, an dem private Salons wieder möglich werden.

Die Videoinstallation gab einen Vorgeschmack und verwandelte die Baustelle für einen Moment „in ein urbanes Erlebnis“. „Großbaustellen sind für viele Anwohner ein Ärgernis“, erklärte dazu Thomas Hölzel, einer der Gründer der zur Artproject gehörigen Immobilienmarketing-Gesellschaft BuildingScape. „Dass mit einem Neubau aber oft neue, positive Impulse entstehen, wird dabei gern übersehen“. Ziel von Building Scape sei daher „eine kreative Auseinandersetzung mit urbaner Transformation, Stadt- und Nachbarschaftsentwicklung“ sowie der „Blick in die Zukunft eines Standortes oder einer Stadt“.

Nachdem Hölzel diese Worte sprach, tanzte Rahel über die Mauern, erfüllten Paganinis Klänge die abendliche Französische Straße, unweit der Komischen Oper. Ungnädig war lediglich der Himmel über Berlin. So war es leider nicht nur das Leben, was auf die tanzende Salonnière herabregnete.
1. Mai (20minütiger Loop zwischen 21-24 Uhr), und Samstag, den 2. Mai (Loop zwischen 21 - 24 Uhr), auf der Baustelle des zukünftigen Palais Varnhagen in der Französische Straße 56 - 60

Palais Varnhagen (Architekt: David Chipperfield), Französische Straße 56-60, Berlin-Mitte

amir-fattal.com/
https://vimeo.com/25208232

Inge Pett

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Titel zum Thema Palais Varnhagen:

Was sonst noch los war am Gallery Weekend? Die Baustelle als Ort der Kunst
Ausstellungsbesprechung: Tanz auf der Brandmauer - „Was ich mache? Nichts – ich lasse das Leben auf mich regnen“.

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