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Berlin Daily 25.05.2019
DRUCK DRUCK DRUCK

16 Uhr: Hopscotch Reading Group / Bücherclub im Rahmen der Ausstellung: DRUCK DRUCK DRUCK
Galerie im Körnerpark | Schierker Str. 8 (im Park), 12051 Berlin

(Einspieldatum: 27.05.2015)

Schönheit im Blick

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YARA, 2001 von Anna Franziska Schwarzbach, ©DBT/Julia Nowak

Die neue Ausstellung "PRINZESSINNEN. Johann Gottfried Schadow / Anna Franziska Schwarzbach" im Schadow-Haus nähert sich einem Thema, das über die Jahrhunderte nichts an Aktualität verloren hat: dem menschlichen Körper, seinen Proportionen und unserem Begriff der Schönheit. Sensibel umgesetzt, führt der Besuch in einen interessanten und spannenden Dialog über vermeidliche Normen und Ideale.

Beim Eintreten in die Galerieräume im Seitenflügel des Bürgerhauses fällt der Blick zuerst auf eine Gruppe von Figuren im hinteren Teil der Ausstellung. Die weißen und farbig gefassten Plastiken aus Pappmaché, Gips und Holz (2012) der Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach, bekannt vor allem durch ihre Porträtskulpturen im öffentlichen Raum, sind in der Mitte des Raumes arrangiert. In ihren unterschiedlichen Größen, teilweise auf Sockel gestellt, erinnern sie an Präsentationen im Ethnologischen Museum. Sind dies Prinzessinnen – wie der Ausstellungstitel ankündigt? Ihre Proportionen entsprechen jedenfalls nicht der gängigen Vorstellung von den ästhetischen Idealen dieser weiblichen Repräsentantinnen der Monarchie.

Diese Vorstellung erfüllt vielmehr die Prinzessinnengruppe (1796) von Johann Gottfried Schadow im ersten Raum: Luise und Friederike haben grazile Körper und feine Gesichtszüge, tragen fließende Gewänder. „Die Schwestern galten als Schönheitsideal, gerade auch, weil Schadow sie realistisch darstellte, waren sehr beliebt und modisches Vorbild der Berlinerinnen“, erläutert Kuratorin Kristina Volke.
Gemäß dem Konzept des Hauses tritt das Oeuvre des klassischen Künstlers mit dem der zeitgenössischen Porträtkünstlerin in Dialog. So finden diesen Ikonen der Weiblichkeit in den Skulpturen von Anna Franziska Schwarzbach (geb. 1949) ein spannendes Gegenüber.

An den Wänden dokumentieren Blätter aus Schadows „Polyclet oder von den Maaßen der Menschen nach dem Geschlechte und Alter“ von 1834, dem berühmten Lehrwerk über Proportionen, Maße und Verhältnisse der Körperproportionen, seine Studien zum menschlichen Körper. Ergänzt werden sie um Arbeiten von Schwarzbach: Porträtbüsten (Gips, 1999-2015), die Kinder ihrer eigenen Familie zeigen, sowie einer schmalen Figur Schadows (Eisenguss, 2015). Die privaten Figuren stehen in enger räumlicher Nähe zu den adeligen Schwestern, negieren eine Distanz aufgrund gesellschaftlicher Zuschreibungen oder idealtypischer körperlicher Vorgaben.

Hauptdarsteller der Ausstellung sind jedoch die Mitglieder der aus Rumänien stammenden, jüdischen Artistenfamilie Ovitz. Sieben ihrer zehn Kinder waren kleinwüchsig. Sie reisten als Musikerinnen und Musiker in den 30er und 40er Jahren durch Europa. Dann wurde die ganze Familie im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und den bestialischen Forschungen des Lagerarztes Josef Mengele ausgesetzt. Sie überlebten und wanderten später nach Israel aus.
Die Geschwister Rosika, Franziska, Avram, Frieda, Mordechai, Elisabeth und Perla sind in Pappmaché, Wachs, Porzellan Bronze, Eisenguss oder Beton im Schadow-Haus präsent. Als Figuren stehen sie in einer Vitrine (Die kleinwüchsigen Kinder des Shimson Eizik Oviz, ca. 27 cm, 2002-2015), mehrfach in unterschiedlichen Techniken dargestellt, als größere Pappmaché-Arbeiten wie beschrieben im Raum - im Übrigen auch dies eine Parallele zu der Arbeitsweise von Schadow. Zusätzlich begegnen sie den Besuchern (Porträts, Kaltnadelradierungen, 2006) auf großformatigen Drucken.

Ihre in den Proportionen so ganz anders beschaffenen Körper harmonieren und ergänzen, auf sehr zum Nachdenken anregende Weise, die Frauenfiguren von Schadow. Seine unbekleidete Liegefigur (Ruhendes Mädchen, 1826, Gips) scheint mit den Kleinwüchsigen in Blickkontakt zu gehen, auf Abstand, jedoch auf Augenhöhe, eine Zusammenstellung ganz ohne voyeuristische Züge.

Anna Franziska Schwarzbach und der empfehlenswerten Ausstellung gelingt es, sich der Schönheit menschlicher Körper zu nähern, behutsam und eindringlich zugleich.


PRINZESSINNEN
Johann Gottfried Schadow
Anna Franziska Schwarzbach
bis 18. Oktober 2015
Schadow-Haus (Seitenflügel)
Schadowstraße 12-13
10117 Berlin

Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr
Der Eintritt ist frei, am Eingang werden Sicherheitskontrollen durchgeführt.

Dr. Barbara Borek

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Titel zum Thema Anna Franziska Schwarzbach:

Schönheit im Blick
Ausstellungsbesprechung: Die neue Ausstellung "PRINZESSINNEN. Johann Gottfried Schadow / Anna Franziska Schwarzbach" im Schadow-Haus nähert sich einem Thema, das über die Jahrhunderte nichts an Aktualität verloren hat: dem menschlichen Körper, seinen Proportionen und unserem Begriff der Schönheit.

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