(Einspieldatum: 14.08.2015)

Dem Nichts Raum geben – das NO SHOW MUSEUM zu Besuch in Berlin


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Andreas Heusser, No Show Museum, 2015. Foto: Willy Heusser, Copyright

Die Räume der Galerie in der Kreuzberger Fichtestraße waren übersichtlich bestückt, bis auf wenige Schilder hing, stand oder lag NICHTS in ihnen. Mit der Tafel „Here is nothing by Gordon Matta-Clark“ wurden die Besucher begrüßt zu einer besonderen Schau – einer Gastausstellung des „weltweit ersten Museums, das sich dem Nichts und seinen vielfältigen Erscheinungsformen in der Kunst widmet“.

Seit dem Frühjahr tourt der Schweizer Andreas Heusser mit seinem schwarzen Ausstellungsbus durch Europa, eine Auswahl von 24 unsichtbaren und immateriellen Kunstwerken an Bord: Pure Poetry (Ed. 3/5), Zen Piece I – III (Beginner, Intermediate, Advanced, Ed. 1/10), Infinity (Ed. 1/3), This Sound Can Only Be Heard When One Is Around To Here It (Ed. 1/10). Die Werke stehen zum Verkauf, mit Echtheits-Zertifikat und speziellen Aktionen, die Künstler bleiben anonym.

Mittlerweile umfasst die Sammlung des Konzeptkünstlers (1976 in Dielsdorf geboren, Studium der Philosophie, Deutsch und bildender Kunst in Zürich und Bern, lebt und arbeitet in Zürich und Johannisburg) 120 Werke und Dokumente von internationalen Künstlerinnen und Künstlern. „Zurzeit steckt mein Bus in einem Stau fest“, entschuldigte sich Heusser auf der Eröffnung im Grimmuseum, der Berliner Station auf dem Weg nach Venedig zur Biennale. Nur ein Teil der Sammlung sei zu sehen, präsentiert wird nichts von Joseph Beuys, Gordon Matta-Clark, Agnieszka Kurant, Santiago Sierra, Robert Rauschenberg und Ben Vautier.

Doch was genau zeigt nun das NO SHOW MUSEUM, wie macht der Gründer und Kurator das NICHTS zum Exponat? Die Antwort ist simpel und komplex zugleich: indem er dem NICHTS einen Raum gibt, dessen Idee oder genauer, dessen Ideen, konsequent und ernsthaft verfolgt. Gleichzeitig gibt er auch dem Denken der Besucher einen Raum, lässt Assoziation und Reflexion zu. Die Räume seien nicht leer, erklärte der Künstler, sie seien vielmehr voll mit NICHTS. Auch der Raum mit dem Titel „Here is Nothing by Santiago Sierra“ war gefüllt mit der Idee des Bildhauers, der Abwesenheit seines Werkes („ein Alptraum aller Galeristen“, so Heusser), der Anwesenheit unserer Gedankenketten.

Das NO SHOW MUSUEM (noshowmuseum.com) funktioniert vor allem als Internet Plattform, als ein virtuell begehbares Haus über das NICHTS oder wenn man so will: als ein kuratorischer Diskurs über Künstler, die sich auf die eine oder andere Weise mit dem Nichts auseinandergesetzt haben. Das Museum sammelt auf vier Etagen und in einer Vielzahl von Räumen künstlerische Ansätze unter verschiedenen Kategorien: das Nichts als Verweigerung (Daniel Buren, Closed Show, 1968), das Nichts als Lücke (Ben Vautier, Das erste tragbare Loch, 1960) oder das Nichts als Vorstellung (Jeppe Hein, Invisible Labyrinth, 2005). Hier sind die Abbildungen von Werken aus vergangenen Tagen jedoch sichtbar, die Autorenschaft wird genannt. Spätestens seit Marcel Duchamp und seinen Readymades hat das Thema seinen festen Platz in der Kunstgeschichte. Im Heusser Museum findet sich Duchamp unter der Kategorie "Nichts als Statement". Auch Kazimir Malevich mit seinem "Schwarzen Quadrat" (1915) im Museum vertreten, gehört für Heusser zum „starting point“. Das Nichts ließe sich jedoch nicht definieren, so Heusser, es sei ein facettenreiches und eine hoch produktive Kategorie im Kunstschaffen. Auch Robert Rauschenbergs Erased de Kooning Drawing (1953) oder die Blank Books (1995) der Künstlerin Irma Blank mit ihren leeren Seiten stehen für das Nichts als Auslöschung, das Nichts als Lücke.

Wen das Konzept überzeugt, kann ein Fan-T-Shirt mit dem Aufdruck PREFER NOTHING erwerben.

NICHTS VON JOSEPH BEUYS – GORDON MATTA-CLARK – AGNIESZKA KURANT – SANTIAGO SIERRA – ROBERT RAUSCHENBERG – BEN VAUTIER.

Grimmuseum
Fichtestraße 2
10967 Berlin
Mi – Sa 14 – 18 Uhr
grimmuseum.com

Dr. Barbara Borek

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Ausstellungsrückblick: Letzten Samstag im Grimmuseum: Die Räume der Galerie in der Kreuzberger Fichtestraße waren übersichtlich bestückt, bis auf wenige Schilder hing, stand oder lag NICHTS in ihnen.

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