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Berlin Daily 19.11.2019
Kunstraub im Film-Kurzfilmprogramm Museumsobjekte

19 Uhr: Begrüßung: Prof. Dr. Bénédicte Savoy+Merten Lagatz (translocations, TU Berlin); Einführung: Debbie Onuoha (CARMAH, HU Berlin) Zeughauskino, Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin

(Einspieldatum: 04.10.2015)

Der Angriff der Zeit - Der Auftakt zum Langzeitprojekt „100 Jahre Gegenwart“

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Installationsansicht: Dehydrierte Landschaft des Zustands,(2007–2015), Reto Pulfer, Eröffnung 30.9.2015, © Stephanie Pilick / HKW

Ein inzwischen aus Medienbildern gewohnter Anblick tat sich dieser Tage auf im Haus der Kulturen der Welt (HKW): Eine Zeltstadt verstellte das Foyer.

Bei den improvisiert wirkenden Notunterkünften handelte es sich um eine - angesichts der Flüchtlingssituation hochaktuelle - Installation von Reto Pulfer. 2007 entwickelte der 1981 in Bern geborene und in Berlin lebende Künstler diese Arbeit und gab ihr den Titel „Dehydrierte Landschaft des Zustands“. Für seine Zelte hat Pulfer textile Fundstücke eingefärbt und per Hand zusammengenäht. „Treffen des Platzes“ heißt eines der Zelte, „Türkises Zustandsgrab“ ein weiteres. Im „Entscheidungshaus“ stand es dem Besucher offen, einen der gazeartigen Overalls anzuziehen, aus denen auch das Zelt bestand, und somit Teil des Tableaus zu werden.

Mit seinen Konstruktionen entwirft Pulfer – einem intimen Tagebuch gleich - ein eigenes Universum. Im Wechselspiel von Bild und Wort bezieht er sich auf die antike Methode der Mnemotechnik, die Rednern hilft, sich durch Gedankenbilder an Ideen und einst erworbenes Wissen zu erinnern. Es sind Zustände der Veränderlichkeit, Momente des Übergangs, die der Künstler zeichnet. Performances sowie eigene Soundkompositionen und Sprachimprovisationen ergänzen die Installation. Transformation sei der Schlüssel zu allen Erzählungen, so das Credo des Autodidakten, der mit zahlreichen Ausstellungen in den letzten Jahren auf sich aufmerksam machte.

Die Arbeit war bis zum 4. Oktober zu sehen. Sie war Teil des Auftaktes zum Langzeitprojekt „100 Jahre Gegenwart“. Es ist ein ambitioniertes Projekt, das die Organisatoren am 30. September der Presse vorstellten. „Es ist keine Erinnerungskultur“ betont Bernd Scherer, Intendant des HKW. Stattdessen wolle man sich über ein Zeitraum von vier Jahren hinweg mit den Möglichkeitsräumen beschäftigen, die seit dem 1. Weltkrieg der Gesellschaft offen standen.


Avery F. Gordon & Natascha Sadr Haghighian, Reden aus dem Gefängnis, 30.9.2015, © Stephanie Pilick / HKW


Im Ersten Weltkrieg hatten sich immense Transformationsprozesse vollzogen: Neue Verfahren zur Zeitmessung ermöglichten eine synchronisierte Kriegsführung sowie ein kapitalistisches Wirtschaften. Viele der damals geschaffenen Ordnungssysteme brechen heute zusammen: Nationalstaaten implodieren und Millionen Menschen sind auf der Flucht. Eine rasche Entwicklung, die fordert und überfordert.

Um Entschleunigung geht es Scherer und seinem Team, denn symptomatisch für die hochtechnologierte Jetztzeit sei das Gefühl, in einem Hamsterrad zu laufen. „Obwohl sich dieses immer schneller bewegt, hat man das Gefühl auf der Stelle zu treten“, so Scherer.

Mit einer Sonderförderung von 15 Millionen Euro unterstützt der Bundestag das gesamte Projekt, das eine Gegenbewegung zum „Diktat des Augenblicks“ schaffen will und dafür Zeitdiagnosen mit Handlungshorizonten verbindet. Welche nicht genutzten Potentiale haben sich in der Vergangenheit aufgetan? Etwa durch das Internet, das ungekannte Dimensionen der demokratischen Vernetzung eröffnete, aber zunehmend reglementiert wird.
Und wie hätten sich die Entwicklungen der letzten 100 Jahre alternativ vollziehen können? Wie vor allem, lässt sich das Jetzt erweitern und an den Erfahrungen und Hoffnungen der Vergangenheit anknüpfen?

Zum Auftakt brachte „100 Jahre Gegenwart“ Künstler, Wissenschaftler, Aktivisten und Zeitbeobachter zusammen. „Die Technosphere“, das planetare Geflecht aus Technologien, sozialen und natürlichen Prozessen, etwa untersuchte den „Angriff der Zeit auf das übrige Leben“.

Die Hamburger Band Trümmer erzählte in einer Auftragskomposition die Geschichte von einem Menschen, der in die Welt auszog und nicht zurückkam. Den Reibungsmomenten zwischen Mensch und Technologie spürte der Schriftsteller Rana Dasgupta nach, während der Philosoph Michael Feher über Geopolitik und den Umgang mit Migranten im neoliberalen Europa spricht.

Wie brisant all diese Themen sind, wurde nicht zuletzt immer dann überdeutlich, wenn der Blick auf die provisorische Zeltstadt im Foyer fiel.

Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
www.hkw.de

Inge Pett

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Titel zum Thema Haus der Kulturen der Welt:

Der Angriff der Zeit - Der Auftakt zum Langzeitprojekt „100 Jahre Gegenwart“
Besprechung: Ein inzwischen aus Medienbildern gewohnter Anblick tat sich dieser Tage auf im Haus der Kulturen der Welt (HKW): Eine Zeltstadt verstellte das Foyer.

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