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Berlin Daily 25.06.2019
Denkerei mobil:

18:30 Uhr: Selfie und Otherfie – Selbstbild, Idealbild und Image/Fremdbild. Über das Verhältnis von Dauer und Flüchtigkeit im digitalen Zeitalter – mit Bazon Brock
Berlin-Saal der Bibliothek (ZLB), Breite Straße 36, 10178 Berlin, 2. Stock

(Einspieldatum: 22.12.2015)

Balagan - eine schöne Bescherung oder ein gottloses Durcheinander

bilder

AES+F, Inverse Mundus, People and Donkeys, 2015, HD Still; (c) AES+F 2015 Courtesy MAMM and Triumph Gallery

Alle zwei Jahre präsentiert das Festival NORDWIND Kunst und Kultur des Nordens. Die mittlerweile sechste Ausgabe der Plattform zeigt neue Performance- und Tanzprojektionen aus Island, Dänemark, Schweden und Norwegen und wirft einen Blick auf den östlichen Nachbarn Russland. Unter dem Titel BALAGAN werden die Aufführungen durch ein von David Elliott kuratiertes Ausstellungsprojekt ergänzt. Der Brite lud 75 Künstlerinnen und Künstler aus Ländern des ehemaligen Ostblocks ein, insgesamt 150 Arbeiten führen seit dem 14. November in die aktuelle Kunstszene Osteuropas.

Es ist frisch in den Räumen des ehemaligen Kühlhauses am Gleisdreieck in der Luckenwalder Straße, einem der insgesamt drei Ausstellungsorte (die anderen beiden sind das Max Liebermann Haus und das Kunstquartier Bethanien). Auf vier Etagen stehen, liegen und hängen Objekte und Fotoarbeiten, über Projektoren laufen Filmsequenzen, Installationen sind aufgebaut. Der offene Raum ist durch eine etwas anstrengende Tonkulisse verbunden, gusseiserne Wendeltreppen führen hinauf und hinab, Schilder mit Angaben zu den Werken oder gar erklärenden Worten sucht man vergeblich. Das hört sich etwas chaotisch an? „Balagan“ – so sagt man auf Russisch, um eine „schöne Bescherung, ein gottloses Durcheinander“ zu beschreiben, ein Chaos. Balagan will mit den Arbeiten einen kritischen Blick auf die Gegenwart werfen - einen Blick, der seine Kraft auch aus Humor und Parodie bezieht, sich über die bestehende Ordnung lustig macht, einen nachdenklichen Raum schafft.

Im Mittelpunkt der Schau steht die monumentale Videoarbeit INVERSO MUNDUS (Video-Fries, 2015) der Moskauer Gruppe AES+F, ebenfalls auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Eine Frau, gekleidet in ein Partykleid, und ein Mann, in Arbeiterhose, jedoch mit bloßem Oberkörper, tragen auf ihren Rücken jeweils einen Esel, vor einer futuristisch surrealen Kulisse in Silber und Blau – dies ist eine Sequenz der Arbeit. In einer weiteren zerlegen Schweine den Fleischer, Hausherren bekochen ihre Bediensteten und anderes mehr – VERKEHRTE WELT (siehe Trailer ). Die Gruppe zeige „die Welt auf dem Kopf“, so Elliott und vergleicht die Arbeit mit dem literarischen Werk des Autors Michail Bachtin. Sie schaffen „eine Metapher für den Sieg über eine absolute Macht“ und mit ihr eine „subversive Phantasie, die die Leser direkt auf ihre Gegenwart beziehen können.“

Die Arbeit hat durchaus komische Momente, ein Hinweis darauf, dass Widerstand und Humor kein Gegensatz sein müssen? Widerstand auch gegen übliche Kategorisierungen, Widerstand gegen Ab- und Ausgrenzungen, Widerstand gegen politische Repressalien. Aktuellstes Beispiel ist die Inhaftierung des zum Festival eingeladenen russischen Konzeptkünstlers Pjotr Pawlenski vor einigen Tagen aufgrund einer provokanten Aktion in Moskau: Er hatte die Tür zum russischen Geheimdienst in Brand gesetzt.


Arsen Savadov, Commedia Dell´Arte, In Crimea by Arsen Savadov, 2012 © Courtesy the artist

Arsen Savadov, Konzeptkünstler aus der Ukraine, ist mit seiner jüngsten Fotoserie Commedia dell´Arte in Crimea (Serie von 20 digital foto prints, 2012) vertreten. Er versetzt die traditionelle Geschichte der Figuren Pagliaccio, Arlecchino und Colombina auf die Halbinsel Krim. Surreale Installationen aus fotografischen und gemalten Elementen, Figuren, die wie erstarrt im Bild stehen, unfähig zu handeln. Der Bezug zu dem kriegerischen Konflikt um die Halbinsel manifestiert sich in den Arbeiten, von denen drei großformatige Drucke der Serie gezeigt werden sowie Projektionen von allen Bildern.

Die Fünf-Kanal-Videoinstallation Kurchatka 22 (2012) der kasachischen Künstlerin Almagul Menlibayeva führt in die bedrückenden und gespenstischen Areale des ehemals wichtigsten sowjetischen Atomwaffentestgeländes Semipalatinsk; die aufblasbaren Skulpturen der russischen Künstlerin Sacha Frolowa werden in Performances zu Erweiterungen ihres eigenen Körpers – in grelles Giftgrün gefärbt; Natalie Maximowa porträtiert in ihrer 10-teiligen Fotoserie True Self (2013) Menschen, die sich einer Geschlechtsangleichung unterzogen haben und in einem Land mit homophoben Ängsten auch Ziel alltäglicher Gewalt werden.

Alle Arbeiten der Ausstellung führen aus bedrückenden Konstellationen und Entwicklungen in farb- und formintensive, überzeichnete und grelle, phantastische und futuristische künstlerische Erwiderungen auf eine Welt, die nicht im Chaos versinken darf, zu Menschen, die Chaos als Kraft verstehen und diese zu nutzen wissen.

Ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen ist im Max Liebermann Haus erhältlich.

BALAGAN!!!
Contemporary Art from the Former Soviet Union and Other Mythical Places

14.11. bis 23.12.2015

Max Liebermann Haus
Stiftung Brandenburger Tor
Pariser Platz 7
10117 Berlin
Mo, Mi - Fr 10-18, Sa, So 11-18

Kühlhaus am Gleisdreieck
Luckenwalder Straße 3
10963 Berlin
Mo - Do, So 12-18, Fr, Sa 12-20

MOENTUM
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
Mo – Do, So 12-18, Fr, Sa 12-20

nordwind-festival.de
momentumworldwide.org

Dr. Barbara Borek

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Titel zum Thema Balagan:

Balagan - eine schöne Bescherung oder ein gottloses Durcheinander
Nur noch bis morgen: das Festival NORDWIND Kunst und Kultur des Nordens, hier unsere Besprechung.

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