(Einspieldatum: 01.12.2015)

Parcours der Gefährten - Toni Schmale in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst

bilder

fuhrpark, 2013
Installationsansicht, nGbK 2015
Foto: Christin Lahr
© Toni Schmale, Courtesy Galerie Christine König, Wien


Toni Schmales Skulpturen funktionieren als Objekt-Installationen, es sind raumgreifende Auseinandersetzungen mit unseren Identitäten und Zuschreibungen. Die Ausstellung TONI SCHMALE SUPEREGO in der nGbK zeigt über den Jahreswechsel Arbeiten der in Wien lebenden Künstlerin, in denen harte Werkstoffe wie Beton und Stahl menschlichen Körpern und Gefühlen eine ungewohnte Form geben.

Der Feuerbock aus der Serie fuhrpark. was das | der neue gefährt sein kann (Feuerverzinkter Stahl, pulverbeschichteter Stahl, Messing, Polyurethan, 2015) im Eingangsbereich der Ausstellungsfläche zeigt die Dimensionen, in denen sich die Künstlerin bewegt. Ein großes Kreuz aus Stahl (173x183x215), seitlich gekippt wie ein Andreaskreuz, führt die Besucher_innen in die Skulpturen-Serie, die im Mittelpunkt der Werkschau steht. Das RealismusStudio hat nun erstmals eine umfassende Ausstellung zusammengestellt, insgesamt sechs Arbeiten allein aus dem fuhrpark sind zu erleben.

Die ehemalige Leistungssportlerin und Fußball-Nationalspielerin Toni Schmale, 1980 in Hamburg geboren, begann nach ihrer Karriere im Profifußball ein Studium der Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 2009 wechselte sie an die Akademie der Bildenden Künste nach Wien, machte ihr Diplom in der Klasse Performative Bildhauerei bei Prof. Monica Bonvicini. Toni Schmale, die 2013 den Preis der Akademie der Künste erhielt, ist weiter als Sportlerin aktiv, mittlerweile als Wettkampf-Boxerin. Das Video wo die angst ist geht es lang (Video, DV-Pal, 11:28min, 2006) nimmt auch diesen Themenbereich auf und beobachtet Schmale, die in ihrem Atelier auf einen Punchingball einschlägt.


hl. antonia, 2015
Installationsansicht, nGbK 2015
Foto: Christin Lahr
© Toni Schmale, Courtesy Galerie Christine König, Wien


In der Oranienstraße zeigt die Künstlerin eine neue Arbeit aus der Serie fuhrpark. was das | der neue gefährt sein kann: hl.antonia (Feuerverzinkter Stahl, pulverbeschichteter Stahl, Aluminium, Messing, Polyurethan, 2015). Eine überdimensionale Schraubzwinge lässt Assoziationen auf die Märtyrerin Antonia von Cirta zu, die der Legende nach drei Tage lang qualvoll an einem Balken hing, die Konstruktion weist auf die brutale Fixierung des weiblichen Körpers. Der Titel könnte sich jedoch ebenso auf die Kurzform des Namens der Künstlerin beziehen, ein Beispiel für die vielschichtige Arbeitsweise von Toni Schmale. Ihre Werke verweigern sich der eindeutigen Zuordnung, irritieren auch aufgrund der überdimensionalen Größe und/ oder des benutzen Materials. So gelingt Schmale die Aufforderung, unsere Assoziationen zu hinterfragen, zu überdenken, ob das vermeintlich zu Sehende wirklich das Gesehene ist.

Auch hafenperle, ein weiteres Werk aus der fuhrpark Serie, besteht aus harten Werkstoffen (pulverbeschichteter Stahl, Beton, Polyurethan, 2013). Die Installation deutet auf Rudergeräte und eine Hantelbank hin: ein Fitnessstudio, der Wunsch nach Optimierung der Körper, qualvolle Übungen, ein Folterinstrument?

Der Körper als individueller und gesellschaftlicher Träger von Lust- und Schmerz, Sex und Leidenschaft, Sport und Energie, aber auch Qual und Folter. Toni Schmales Arbeiten sind Fragestellungen, macht- und gesellschaftspolitische Interventionen mit einem Votum zum Durchbrechen von Regeln und Grenzen - auch der Verhaltensregeln und Körpergrenzen, der Definition von weiblich und männlich.

Ihre Kunst widersetzt sich der klaren Einordnung, stößt Gedankengänge an. Ihre „Gefährte/n sind ironische Überzeichnungen“, schreibt Christin Lahr. Sie formulieren „eine radikale Kritik an bestehenden sozialen und gesellschaftlichen Machverhältnissen mit ihren stereotypen Geschlechterkonstruktionen und Zuschreibungen.“


feuerbock, 2015
Installationsansicht, nGbK 2015
Foto: Christin Lahr
© Toni Schmale, Courtesy Galerie Christine König, Wien


Und so wird der Ausstellungsbesuch zu einem Parcours zwischen Stahl und Beton, zwischen Ironie und gesellschaftlichen Fragestellungen. Anregend und empfehlenswert!

Am 6. und 13. Dezember sowie am 10. und 17. Januar finden Kurator_innenführungen statt, eine Führung mit der Künstlerin selbst am 24. Januar 2016. Zur Ausstellung ist eine zweisprachige Publikation (dt./engl.) mit Texten von Silvia Eiblmayr, Christin Lahr und Stefanie Seibold erhältlich, sie kostet 18 Euro.

Toni Schmale Superego
Bis 24. Januar 2016

neue Gesellschaft für bildende Künste
Oranienstraße 25
10999 Berlin
ngbk.de

Dr. Barbara Borek

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Parcours der Gefährten - Toni Schmale in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst
Ausstellungsbesprechung: Die ehemalige Leistungssportlerin und Fußball-Nationalspielerin Toni Schmale begann nach ihrer Karriere im Profifußball ein Studium der Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

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