(Einspieldatum: 13.08.2003)

"Territories" in den Berliner Kunst-Werken

bilder

Als im letzten Jahr der internationale "Weltkongress der Architektur" in Berlin stattfand, fehlte die parallel dazu angekündigte Ausstellung: Die israelische Architektenvereinigung hatte ihren ursprünglichen Beitrag kurzfristig zurückgezogen.
Hintergrund der damaligen Streitigkeiten war die Untersuchung zur politischen Rolle von Architektur in Israel und dem Nahen Osten durch Eyal Weizman und Rafi Segal. Die beiden israelischen Architekten hatten ihre Untersuchungsergebnisse schon ausstellungsgerecht aufgearbeitet, als ihr Auftraggeber die Zusammenarbeit aufkündigte. Begründet wurde die Absage mit der nicht opportunen politischen Aussage der zusammengestellten Objekte und Untersuchungsergebnisse. Die Architektenvereinigung sah sich nicht repräsentativ vertreten, sie wollte nicht missverstanden werden.

Diese Ausstellung ist zurzeit in etwas veränderter und erweiterter Form in den Berliner Kunst Werken zu sehen. Sie beginnt mit dem "Blick vom Feldherrenhügel" (taz vom 5.8.03) auf drei zusammenhängende Fotografien von Danny Bauer in der großen Halle der Kunst-Werke.
Der Panoramablick bleibt nur kurze Zeit eine idyllische Wiedergabe vom gelobten Land mit Olivenhain-Romantik. Unvermittelt treten Panzerstellungen, der sich im Bau befindenden "Separation Fence" und riesige Erdhügel mitten auf den palästinensischen Straßen in den Vordergrund.
Nach und nach werden die weniger auffälligen Merkmale der Ausgrenzung sichtbar, z.B. unscheinbare Kanaldeckel inmitten eines Feldes, als Hinweis auf die fortschreitende Bebauung durch israelischen Siedler oder hohe Sichtschutzmaßnahmen an israelischen Brücken als Schutz vor palästinensische Heckenschützen.
Im weiteren Verlauf wird sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch konzeptionell die immer gleiche Frage nach der Eroberung von Raum und dessen spätere Kontrolle thematisiert. Israelische Siedlungen im Gazastreifen oder auf der Westbank befinden sich zu einem Großteil auf den Bergrücken. Mit ihnen werden Wohnhäuser zu strategischen Stellungen, gleichsam vorgeschobene Beobachtungsposten. Der strategische Umgang mit Raum impliziert die Manifestation von Macht.
Die präsentierten Arbeiten sind tendenziös. Aber die Auseinandersetzung ist dennoch vielschichtig und tiefgreifend. So wird zum Beispiel in einem der Ausstellungsräume das Video-Interview von zwei sehr jungen israelischen Architektinnen der fotografischen Auswertung von Bebauungsstrukturen illegal entstandener Siedlungen gegenübergestellt.
Neben diesem thematischen Schwerpunkt werden auch Arbeiten in Bezug zu menschenrechtsfreien Territorien wie Guantanamo Bay oder utopischen Räumen wie dem Freistaat Christiania in Kopenhagen gezeigt.
Beteiligt sind unter vielen anderen die Architekten Eyal Weizmann und Rafi Segal, die Künstler Sean Snyder und Danny Bauer und auch Kollektive wie AnArchitektur und MULTIPLICITY.
Trotz der räumlichen wie inhaltlichen Unübersichtlichkeit und der ausufernden Themenvielfalt sind viele Exponate und Untersuchungsergebnisse von erstaunlicher Aussagekraft.
Sicherlich ist die aktuelle Präsentation der KW nicht weniger politisch brisant als die jetzt schon viel diskutierte und eventuell noch folgende Ausstellung über die RAF.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 20 Beiträgen auf 300 Seiten erschienen. (30.00 EUR)

"Territories"
Verlängert bis zum 7. September 03
Kunst-Werke Berlin e.V. | Auguststraße 69 | 10117 Berlin
Di.-So. 12-18.00 Uhr | Do. 12-20.00 Uhr

kw-berlin.de

Stella Hoepner-Fillies

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