(Einspieldatum: 04.03.2016)

Sowohl als auch – Die Ausstellung „Inverresion“ in der Galerie Daniel Marzona


bilder

Aron Mehzion
A I A´
2016
semitransparent mirror glass, travertine, brass, objects
unique work
145 x 150 x 75 cm / 57 x 59 x 29 1/2 in
AM/S 1, Courtesy Galerie Daniel Marzona


Wie kann man ein dreidimensionales Objekt in sein eigenes Spiegelbild überführen? Zwanzig Jahre lang hat Aron Mehzion diese Frage nicht losgelassen. Dabei ist der Forschende keineswegs ein Physiker, sondern ein bildender Künstler.

Bereits während seines Studiums bei Gerhard Merz hat sich der Düsseldorfer bemüht, durch Ab-und Umgussverfahren zwei spiegelsymmetrische Skulpturen zu schaffen. Das war lange bevor sich diese auf technischem Wege mit 3D-Druckern herstellen ließen. „Aus einem linken Handschuh lässt sich kein rechter machen. Man muss einen rechten Handschuh nähen“, so seine damalige Erkenntnis.

Die Galerie Daniel Marzona zeigt nun - unter dem Titel „Inverresion“ - die erste Einzelausstellung Mehzions. Bis zum 5. März wird sie in der in der Berliner Friedrichstraße zu sehen sein. Der vom Künstler geschaffene Begriff „Inverresion“, den man im Duden sowie im englischen Wörterbuch vergeblich sucht, lehnt sich sowohl an das Nomen „Inversion“ (Umkehrung) als auch „Irreversibilität“ (Rückgängigmachen) an.

Aron Mehzion Aron Mehzion
Non fatto con le mani
2016
semitransparent mirror glass, travertine, brass, objects
unique work
145 x 150 x 75 cm / 57 x 59 x 29 1/2 in
AM/S 2, Courtesy Galerie Daniel Marzona


Mehzion geht es um Transformationen, die im dreidimensionalen Raum nicht vorstellbar sind. Es braucht dazu eine vierte Dimension. Eine zweidimensionale Figur lässt sich durch Umklappen in ihr Spiegelbild überführen, indem sie um eine Achse herum in der dritten Dimension gedreht wird. Eine dreidimensionale Figur müsste in der vierten Dimension um eine Ebene herum gedreht und in ihr Spiegelbild überführt werden können. Doch diese Möglichkeit erschließt sich allein der mathematischen Logik. Der sinnlichen Wahrnehmung ist die vierte Dimension entzogen.

Neben Wissenschaftlern haben auch immer wieder Künstler versucht, die vierte Dimension zu erkunden. Allen voran Marcel Duchamp mit seiner Installation „Die Braut von ihren Junggesellen nackt entblößt, sogar“, bekannt als „Das große Glas“ aus den Jahren 1915-23. Letztlich habe Daniel Marzonas Affinität für das Werk Duchamps auch den Ausschlag gegeben, dass ein gemeinsamer Freund ihn und Mehzion zusammengebracht habe, erzählt der Galerist.

Aron Mehzion hat für seine Installation „A I A´“ zwei durch halb-transparente Spiegel getrennte Figuren auf eine Travertinplatte gegenübergestellt. Nach einer Firma, die derart aufwändige Spiegel anfertigen kann, habe er lange suchen müssen, so Mehzion.

Sie erlauben die gleichzeitige Wahrnehmung zweier optischer Eindrücke, die zu einem Bild verschmelzen: je nach Perspektive die Überlagerung oder Durchdringung des Spiegelbild der einen Figur bei Durchsicht auf die andere.

Einer der beiden Figuren fehlt ein Arm. Läuft der Betrachter allerdings um die Installation herum, sieht er plötzlich beide Arme am Körper. Der linke Arm der zweiarmigen Figur wird in der Spiegelung zum rechten Arm der anderen. Der fehlende Arm ist somit zugleich da und nicht da – und zugleich rechter und linker Arm.

So führen Reflektion und Durchblick zu einer Gleichzeitig des sich eigentlich Ausschließenden, zu einem „Sowohl als Auch“. Umkehren und Rückgängigmachen fallen im selben Augenblick zusammen.

Aron Mehzion
Raumansicht, Aron Mehzion "Inverresion", Courtesy Galerie Daniel Marzona

Das Messinggestell der Installation „A I A´“ korrespondiert farblich mit anderen Arbeiten Mehzions, den monumentalen Zeichnungen „Passage III“ und „Passage IV“. Sie werden ergänzt durch die „Passage V“ auf schwarzem Lack. Mit einem Bleistift wiederholt der Künstler auf der Dibond-Unterfläche zeichnerische Formen, die sich auf etwas Gegenständliches beziehen, in der Wiederholung aber dessen Auflösung betreiben. „Alle Perspektiven finden gleichzeitig statt: Man nimmt das Bild nicht mehr wahr und ist dabei selbst im Bild“. Die Wahrnehmung des Betrachters werde so intensiv herausgefordert.

Welches dreidimensionale Objekt er als Vorbild gewählt hat, möchte der Künstler jedoch nicht verraten. „Aber wenn man lange genug schaut, sieht man, wo oben und wo unten ist“, tröstet Mehzion, „vielleicht…“

Ausstellungsdauer: 6.2.-5.3.2016

Galerie Daniel Marzona
Friedrichstrasse 17
10969 Berlin
Tue–Sat: 11am-6pm
www.danielmarzona.com

Inge Pett

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