(Einspieldatum: 13.03.2016)

Spielen, Träumen, Ausruhen - DEMO:POLIS. Das Recht auf öffentlichen Raum in der Akademie der Künste


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Prozess zur Erlangung des Urban Right Qualitätssiegels für Berlin
cc by-SA: Zuloark

Welches urbane Recht schütze ich, welches erkämpfe ich und welches urbane Recht schaffe ich ab? Drei simple Fragen sind es, die das spanische Kollektiv Zuloark nach zahlreichen Stationen in Madrid und anderen europäischen Städten nun auch den Berlinern stellt. Zuloark, das ist ein Zusammenschluss von Architekten, Designern und Intellektuellen. „Gemeinsam wollen wir Kriterien finden, den öffentlichen Raum zu bewerten“, erklärt Juan Chacón das Anliegen. Schließlich lebe mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung bereits in städtischen Gebieten.

In der Akademie der Künste (AdK) am Hanseatenweg, wo bis zum 29. Mai 2016 die Ausstellung „DEMO:POLIS – Das Recht auf Öffentlichen Raum“ zu sehen ist, hat Zuloark ein Urbanes Parlament errichtet, in dem in den kommenden Wochen eine Reihe parlamentarischer Sitzungen stattfinden werden. In Kooperation mit Berliner Aktivisten und Stadtinitiativen - darunter die Prinzessinnengärten sowie das Allmende-Kontor - soll eine „Universal Declaration of Urban Rights“ verfasst werden, die am 24. Mai den Politikern übergeben wird. Dabei solle die Charta „weder Manifest noch Lösung“ sein, sondern „ein dynamisches Handbuch für kollektives Bauen, eine aktive Denkhilfe.“

„Bürger haben das Recht, Orte zu verlangen, wo sie spielen, träumen, ausruhen können“, betont AdK-Präsidentin Jeanine Meerapfel. Nicht zuletzt der erfolgreiche Ausgang des Volksentscheids „100 Prozent Tempelhof“ habe der ganzen Welt bewiesen, dass sich Demokratie lohnen kann: Das Feld auf dem ehemaligen Flughafengebäude blieb - entgegen den Plänen der Politiker – unbebaut und den Berliner somit als innerstädtisches Ressort erhalten.

Es ist ein ebenso ambitioniertes wie wichtiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt, das die Architekten Wilfried Wang und Barbara Holdn ins Leben gerufen haben. Und natürlich spielt in der Akademie der Künste die Kunst selber eine zentrale Rolle.

Werkabbildung
Hans Haacke
Gift Horse, 2014
Trafalgar Square, London, 2015
© Hans Haacke / VG Bild-Kunst, Bonn
Courtesy the artist and Paula Cooper Gallery, New York

So die Dokumentation einer Intervention des 1936 in Köln geborenen Künstlers Hans Haacke am Londoner Trafalgar Square. Dort versah er 2015 den Fourth Plinth, den einzigen freien, ursprünglich für König William IV vorgesehenen Sockel am Platz, mit einer Skulptur auf Zeit. Doch anstelle eines heroischen Reiterbildes wählte Haacke ein Pferdegerippe – reiterlos. Einzig eine LED-Schleife schmückte das Spielbein des Skelettes, über das die Aktienkurse der Stadt London live übertragen wurden.

Das Pferd, das sich auf einen Entwurf des englischen Tiermalers George Stubbs aus dem Jahr 1766 bezieht, wandte der National Gallery den Rücken zu – eine ätzende Kritik des Künstlers an einer neoliberalen Gesellschaft, in der die Gesetze des Marktes das öffentliche Leben regieren. Anspielungsreich ist bereits der Titel „Gift Horse“. „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, lautet ein deutsches Sprichwort, wobei natürlich auch der Begriff „Gift“ mit seinen entgegengesetzt besetzten Bedeutungen im Englischen und Deutschen nicht zufällig gewählt ist.

Werkabbildung
Wermke/Leinkauf
Security Breakdown/
Zwei weiße Flaggen
New York, 2014
Foto © Wermke/Leinkauf

Welche Macht Kunst im öffentlichen Raum haben kann, zeigt die Dokumentation der Aktion „White American Flags“ von Matthias Wermke und Mischa Leinkauf. Das Berliner Künstlerduo hatte 2014 weiße handgenähte Flaggen auf der Brooklyn Bridge installiert und mit diesem Moment der Freiheit im öffentlichen Raum eine regelrechte Hysterie ausgelöst, zumal die New Yorker Behörden einen Terrorakt befürchteten. Wermke und Leinkauf führten mit ihrer Aktion der Öffentlichkeit vor Augen, dass es keine absolute Kontrolle, aber auch keine absolute Sicherheit geben kann.

Es reiche nicht, dass man Künstlern öffentliche Plätze anbiete, auf denen sie ihre Kunst zeigen können, erklärt Meerapfel. Im Vorfeld der Ausstellung wurden daher vier Berliner Kunst- und Architekturhochschulen eingeladen, sich mit den Orten Anklam, Gelsenkirchen und Berlin-Mitte auseinanderzusetzen. Wie konkret können diese unterschiedlichen Areale in ein paar Jahren aussehen?

„Gestaltung macht Freude. Gemeinsam sollte man sich an die konstruktive Arbeit machen, um die beste Lösung für unsere Städte zu finden“, fordert Wang. Und das dürfen auch die Besucher der Ausstellung. In den 3-D-Stadtsimulationen des Architekten Stefan Müller-Arisonas können sie selber stadtplanerisch tätig werden. Und dabei etwa den Alexanderplatz in die Höhe schnellen lassen oder aber in eine grüne Parklandschaft verwandeln.

DEMO:POLIS – Das Recht auf Öffentlichen Raum
12. März – 29. Mai 2016. Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
adk.de/

Inge Pett

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