(Einspieldatum: 26.04.2016)

Ali Kaaf - Islamische Kunst und zeitgenössische Intervention

bilder


Untitled Nº1
2011
Glassblowing
51 × 35 × 37 cm
Mukilteo, Washington
Copyright: Ali Kaaf


„Erst einmal wurde das Studio komplett leer geräumt“, berichtet Ali Kaaf. Dann habe er aus den Beständen der Bumiller Collection fünf Werke frühislamischer Kunst für seine Einzelausstellung ausgewählt. Vor knapp einem Jahr eröffnete die Bumiller Collection aus Bamberg eine Dependance in Berlin, ein Studio in der oberen Etage eines ehemaligen Fabrikgebäudes in der Kreuzberger Naunynstraße.

„Fünf Öllampen, Kannen und Hadj-Flaschen habe ich auf mich wirken lassen, um einen Bezug zu meinen Arbeiten der letzten acht Jahre herzustellen.“ Der 1977 in Algerien geborene Kaaf, dessen Eltern syrischer Herkunft sind, lässt die ausgewählten frühislamischen Exponate mit eigenen Werken in Dialog treten, vor allem Glasobjekte und Papierarbeiten, aber auch ein Video. Sammlungsdirektorin Jill Bumiller habe ihm dabei völlig freie Hand gelassen, betont er.

Werkabbildung
Glas-Pilgerflasche 6235
8-9 Jh.
Khorasan (Afghanistan)
Copyright: Studio Bumiller


Fünf Säulen sind es auch, die nach Überzeugung gläubiger Muslime den Islam tragen. Nach diesen fünf Säulen ist die Dauerausstellung in Berlin konzipiert.

Ali Kaaf, der u.a. an der UdK bei Rebecca Horn studierte, ließ sich von den islamischen Weisheitslehren des Sufismus beeinflussen, für die alles Existierende eine Einheit bildet. „Die Farbe des Wassers ist die Farbe seines Gefäßes“, diese dem Mystiker Al-Dschunaid, der im 9. Jahrhundert in Bagdad wirkte, zugeschriebene Sentenz hat Kaaf so tief beeindruckt, dass er ihn seiner Ausstellung als Titel verlieh.

Wie viele Künstler lässt auch Kaaf seine Arbeiten für sich selbst sprechen. Unaufgeregt, reduziert, aber nachhaltig. Was ist vorne? Was ist darunter? Es die Fragen nach diesen Dualitäten, die den in Berlin lebenden Künstler beschäftigen. Dazu geht er weit, brennt die Ränder der Papierarbeiten an. Lässt Brandspuren, Löcher und Risse entstehen. Es sind Narben auf dem Bildträger, Öffnungen, die auf eine tiefere Dimension durchscheinen lassen. So etwa bei „Rift M I“ von 2013, in dem ein harmonisches abgerundetes, mit schwarzer Tinte bemaltes Gebilde den versehrten Unterteil mit Würde trägt – und dabei eine ganz eigene Schönheit ausbildet.

In anderen Arbeiten gelingt es dem Künstler, einzig mit Schwarz- und Grautönen, eine Haptik zu erzeugen, die an einen textilen Untergrund glauben lässt. So etwa in der monumentalen abstrakten Arbeit „Mihrab IV“, wo Kaaf mittels Graphit und Pigment auf Papier der Eindruck eines Gewandes erzeugt.

Werkabbildung
Layrnx
2015
Glassblowing
250 × 190 × 120 cm
Mukilteo, Washington
Copyright: Ali Kaaf


Neben den Wandarbeiten ergänzt eine Reihe von gläsernen Skulpturen den großzügigen lichtdurchfluteten Ausstellungsraum. Sinnlich etwa die an einen Phallus erinnernde Arbeit „Tattoo N° 14“ aus dem Jahr 2012. Deren Oberfläche ist – wie bei allen seiner meist mehrfach gewölbten Glasobjekte – ganz oder teilweise mit Löchern versehen oder mit Glaspickeln überzogen.

Kaafs Skulpturen korrespondieren mit seinen Papierarbeiten ebenso wie mit den frühislamischen Objekten. Es scheint fast, als hätte er sich schon im Schaffensprozess auf diese bezogen. Und es wird deutlich, in welchem Maße sich der ehemalige DAAD-Stipendiat, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, in der bildnerischen und philosophischen Tradition einer Hochkultur befindet – und sich auch bewusst in diese stellt.

Eine Ausstellung im Kontext islamischer Kulturtradition, die wohltuend nah an der Poesie und entfernt von der aktuellen Politik ist.

Ausstellungsdauer: 23. April – 14. Mai 2016

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 14-18 Uhr
oder auf Anmeldung unter 030 52666246

Studio Bumiller
Naunynstraße 68
10997 Berlin
the-bumiller-collection.com


Inge Pett

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Daten zu Ali Kaaf:


- Positions Berlin 2016

Kataloge/Medien zum Thema: Ali Kaaf

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Titel zum Thema Ali Kaaf:

Ali Kaaf - Islamische Kunst und zeitgenössische Intervention
Ausstellungsbesprechung zu Die Farbe des Wassers ist die Farbe seines Gefäßes. Contemporary Interventions in “The Bumiller Collection”. Bis zum 12. Juni in Berlin

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