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Berlin Daily 20.06.2019
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18 Uhr: Melania Mazzucco: Bellinis letztes Lachen
Istituto Italiano di Cultura, Hildebrandstraße 2, 10785
Berlin

(Einspieldatum: 05.11.2016)

Refuges Welcome - Halil Altındere im Neuen Berliner Kunstverein

bilder

Halil Altındere, 3 Cosmonaut Family Costumes (2016), Muhammed Ahmed Faris with Friends I-II (2016); exhibition view Space Refugee, Neuer Berliner Kunstverein, 2016 © Neuer Berliner Kunstverein / Jens Ziehe.
Courtesy the artist and PİLOT Gallery, Istanbul.


Sie sind aus Ihrem Heimatland geflohen, Sie suchen einen Ort, an dem Sie und Ihre Familie in Frieden und ohne Ressentiments leben können? Wie wäre es mit dem Weltraum? Hier ist genug Platz für alle und hier fühlt sich niemand belästigt durch Ihre Anwesenheit!

So könnte die zynische Aufforderung lauten, die hinter der künstlerischen Auseinandersetzung von Halil Altındere steht. Der türkisch-kurdische Multimedia- und Aktionskünstlers wirft eine aktuelle, eine hochsensible, eine wesentliche Frage auf: Wie gehen wir mit den geflüchteten Menschen um, die uns um Zuflucht bitten, um Zugang zu einem Ort, an dem sie sicher leben und heimisch werden könnten?

Gestellt wird diese Frage in den Räumen des nbk. Die Ausstellungsfläche wirkt wie eine Filmkulisse, die Besucher_innen tauchen ein in den unendlichen Kosmos: Wände mit Sternkonstellationen, Milchstraßen. Gerahmte Fotos von Astronauten an den Wänden (Kosmonautenporträt 2016). In Miniaturausgabe ein Modell des Geländewagens (Mars Mission Rover, 2016) für die Mission Palmyra – Flüchtlinge auf den Mars.


Halil Altındere, Journey to Mars, 2016, series of photos, dimensions variable.
Courtesy the artist and PİLOT Gallery, Istanbul.


Für den nbk entwickelte Halil Altındere, geb. 1971 in der Türkei, das Projekt Space Refugee. Altındere gehört zu den Künstler_innen der Türkei, die den kulturellen Aufbruch im Land in den 1990er Jahren mitgestalteten, er war auf der documenta 12 in Kassel 2007 vertreten, im letzten Jahr präsentierte das MoMA/PSI New York die Einzelausstellung Wonderland. In Berlin zeigt der Künstler parallel weitere Arbeiten: Für das Festival im HAU Hebbel am Ufer Köfte Airlines (2016), einen Appell für sichere Reisewege sowie auf der Berlin Biennale die Videoarbeit Homeland: Schüsse auf Flüchtlinge. Hier wird Flucht als Breakdance-Clip inszeniert, aus der Perspektive des syrischen Rappers Mohammed Abu Hajar, der inzwischen in Berlin lebt.

Altındere, der in Istanbul lebt und dort auch als Kurator und Verleger, u.a. des art-ist Contemporary Art Magazine tätig ist, stellt den gesellschaftspolitischen Umbau der Türkei, den Widerstand gegen repressive und nationalistische Tendenzen und Entwicklungen sowie den Einfluss westlicher zeitgenössischer Kunst auf die aktuelle türkische Kunstszene, in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Er geht in direkte Konfrontation mit Militär und Regierung, kritisiert patriarchalische und nationalistische Strukturen. Sein Vorschlag, so Kuratorin Kathrin Becker, den Planeten Mars als Zufluchtsort für Geflüchtete zu etablieren, sei eine Aufforderung an das Publikum, mit „ironischer Distanz“ auf das Thema Migration zu blicken. Mars, der Gott des Krieges, könnte den geflohenen Menschen Asyl bieten.

Angekommen auf dem Mars, erwartet sie dann ein Planet, auf dem neues Leben gestaltet, eine neue Heimat entwickelt werden kann. Mit dem Aufsetzen einer 3D-Brille wird die Marslandschaft in einem Virtual Reality-Video lebendig, die Besucher_innen befinden sich jetzt ebenfalls zwischen den Felsformationen des Weltraumnachbarn der Erde (Journey to Mars, 2016). Sie sind Beobachter der Kosmonauten_innen, die in ihren Raumanzügen durch Höhlen und Schluchten gehen, sich umblicken - eine auch körperlich sehr intensive Begegnung.

Altındere überträgt dem ehemaligen syrischen Kosmonauten Muhammed Ahmed Faris, der sich im Jahre 1987 mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus TM-3 für sieben Tage in der Raumstation Mir aufhielt, die Rolle des Kommandanten seiner Mission. Der heute in der Türkei lebende Faris, Anhänger der demokratischen Oppositionsbewegung gegen Assad, floh aus seinem Heimatland. In einem Dokumentarvideo spricht der ehemalige Held der Sowjetunion über seine Erfahrungen als Kosmonaut und seine Weigerung, die eigenen Landsleute als Kampfpilot anzugreifen. Porträts des Kommandanten (Muhammed Ahmed Faris with Friends I-II, 2016) ergänzen die Weltraumkulisse der Ausstellung, heroische Kommentare angelehnt an die Ästhetik des Sozialistischen Realismus.


Halil Altındere, Journey to Mars, production still from VR video, 2016.
Courtesy the artist and PİLOT Gallery, Istanbul.


Speziell entworfene Raumanzüge, ein Rover-Raumfahrzeug, Entwürfe für Wohnmöglichkeiten (Architectual Design for Mars Refugee Colony, 2016), Gärten (Space Aero Garden 2016) – die Vision nimmt konkrete Formen an. Und die Besucher_innen werden Teil der Fiktion: Vor der Kulisse des unendlichen Weltalls stehen drei lebensgroße Figuren (3 Cosmonaut Family Costumes, 2016), eine Familie, ausgewandert auf den Mars. Ihre Körper werfen Schatten auf die Wand, beim Betrachten fügt sich der eigene in die Installation ein.

Und so wird aus der Vision eine bedrückende Tatsache: Auch ich könnte hier stehen, als Geflüchtete, nicht willkommen und in den Weiten des Weltraums eine Heimat suchend.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag Walther König.

Halil Altındere
Space Refugee
15. September – 6. November 2016
n.b.k.
Chausseestraße 128/129
10115 Berlin
Di – So 12 – 18 Uhr
Do 12 – 20 Uhr
nbk.org

Dr. Barbara Borek

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Daten zu Halil Altindere:


- Affekte, Kunstpalais Erlangen, 2014
- Berlin Biennale 2016
- Bienal de São Paulo, 2014
- Biennale Venedig 2019
- documenta 12, 2007
- Gwangju Biennale, 2002
- Istanbul Biennale 2013
- Istanbul Biennial, 1997
- Istanbul Biennial, 2005
- Kunstverein Hannover
- Manifesta 4, 2002
- SHARJAH BIENNIAL 9, 2009
- The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 - ZKM, 2011


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Titel zum Thema Halil Altindere:

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