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(Einspieldatum: 12.10.2016)

Kunst ist Kommunikation: Krist Gruijthuijsen stellt das Jahresprogramm des KW vor

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Krist Gruijthuijsen, Direktor KW Institute for Contemporary Art, und das künstlerische Team, v.l.n.r. / Krist Gruijthuijsen, Director KW Institute for Contemporary Art, and the artistic team, f.l.t.r.: Leaver-Yap, Anna Gritz, Krist Gruijthuijsen, Maurin Dietrich, Tirdad Zolghadr, Cathrin Mayer, Marc Hollenstein, Foto/Photo: Ali Kepenik

Am Anfang ist das Wort. Auch in den Berliner Kunstwerken wird die verbale Kommunikation im kommenden Jahr eine entscheidende Rolle spielen. Am Montag stellte Krist Gruijthuijsen, seit dem Juli 2016 Direktor der KW Institute for Contemporary Art, der Presse sein Jahresprogramm vor.

Und das startet im Januar, im bis dahin neu renovierten Gebäude, mit einer Arbeit des Künstlers Ian Wilson. Der 74-jährige Südafrikaner experimentiert seit den späten 60er-Jahren mit Möglichkeiten, das Kunstwerk zu entmaterialisieren und vom kontextgebundenen Ort zu befreien. So präsentiert Wilson die mündliche Kommunikation als das eigentliche Objekt. Dabei geht er so weit, dass seine Diskussionen mit dem Kunstpublikum nicht aufgenommen und niedergeschrieben werden dürfen. Das KW würdigt Wilson mit einer Einzelausstellung, die eine neu in Auftrag gegebene und angekaufte Arbeit „Discussion“ (KW) einschließt. Im Frühjahr 2017 wird er mit Mitgliedern des gegenwärtigen Teams sowie früheren DirekorInnen und KuratorInnen des Teams debattieren.
Die in Berlin lebende britische Künstlerin Hanne Lippard (geboren 1984) wird sich auf Wilsons Wort einlassen. Der Fokus ihrer Arbeit ist die Stimme, die sie als Medium untersucht. Dabei funktionieren ihre Texte bildlich und rhythmisch und sind eher performativ als dass sie der Information dienten. Überhaupt zahnt im Programm Gruijthuijsens eins in das andere, generations- und genreübergreifend werden Künstler nach und nach das gesamte Haus bespielen.

Dabei verzichtet der neue Direktor auf einen großen Mitarbeiter-Stab. Stattdessen zieht er es vor, mit Freelancern projektbezogen zu arbeiten. Unterstützt wird sein künstlerisches Team von Anna Gritz, zuletzt Kuratorin an der South London Gallery, Leaver-Yap, zuständig für die Publikationen und dem Kurator und Autor Tirdad Zolghadr. Ebenso zum zentralen Team zählen die Projektassistentin Maurin Dietrich, die Kuratorin Cathrin Mayer und der Grafiker Marc Hollenstein, wobei Gruijthuijsen betont, dass er der Grafik und dem Design eine neue Rolle zukommen lassen wolle.

Und auch die „Artist Artists“, wie der Niederländer, der zuletzt Leiter des Grazer Kunstvereins war, die Künstler nennt, bei denen klassische materielle Ausdrucksformen im Vordergrund stehen, kommen nicht zu kurz im Jahresprogramm.

Am 9. Februar etwa eröffnet eine Ausstellung des Künstlers und Designers Paul Elliman. Und dieser beschäftigt sich - wie könnte es anders sein - mit Kommunikation. In seiner Arbeit untersucht er die diversen technologischen und sozialen Ausprägungen der Sprache. Wie spiegelt sich die Welt in der Typographie, der menschlichen Stimme und körperlichen Gesten? Wie wirken sich die alltäglichen Formen und Geräusche der Stadt auf den Menschen aus? Für das KW produziert Elliman eine speziell in Auftrag gegebene Klangarbeit, die regelmäßig im Hof der KW zu hören sein wird.

Den politischen Aspekt der Kommunikation greift dann der 1984 in Richmond, USA, geborene Konzeptkünstler Adam Pendleton in einer Einzelausstellung auf. Er beschäftigt sich u.a. mit der Rekontextualisierung von Geschichte. Sein Ziel: „eine zukünftige Dynamik, in der neue historische Narrative und Bedeutungen existieren“ können.

Neben einigen den Berlinern eher unbekannten Künstlern will Krist Gruijthuijsen auch Künstler wie den Kubaner Félix González-Torres oder Willem de Rooij präsentieren. Überhaupt hat der ebenso eloquente wie überlegte Niederländer nicht vor, das Rad neu zu erfinden. Er schätzt jedoch die Zeit der Renovierungspause, um Bilanz zu ziehen darüber, welchen Weg das KW in immerhin einem Vierteljahrhundert gegangen ist.

Und knüpft dabei auch an liebgewonnene frühere Einrichtungen an. So wird Gruijthuijsen die legendäre Pogo Bar wiederbeleben und hat dazu den Designer und Künstler Robert Wilhite eingeladen. Und auch der Garten, der in letzter Zeit doch sehr vernachlässigt wurde, soll – gestaltet vom atelier le balto - neu erblühen. „Das ist eine wunderschöne Art, den Besucher willkommen zu heißen“, freut sich der neue Direktor. Und natürlich ist es ein weiterer geeigneter Ort, um miteinander zu kommunizieren.

kw-berlin.de/

Inge Pett

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