(Einspieldatum: 03.03.2017)

Auf Augenhöhe – Porträts von Angelika Platen im Willy-Brandt-Haus

bilder

© Angelika Platen

Mit seinen Fotografie-Ausstellungen hat sich das Willy-Brandt-Haus einen respektablen Platz im Berliner Kunstleben gesichert. Die aktuelle Schau zeigt das erneut. Zu sehen sind Arbeiten der Fotografin Angelika Platen, die seit einem halben Jahrhundert einer Vielzahl von Künstlerinnen und Künstlern fotografisch auf der Spur ist.

Zwei Köpfe füllen die Aufnahme: Rechts der Medienkünstler Julian Rosefeldt, der in seinen Werken die sogenannte reale Welt immer wieder zerlegt und neu zusammensetzt. Auf der linken Seite das Bildnis einer jungen Frau des flämischen Malers Petrus Christus, gemalt Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Gesichter sind auf einer Höhe, die Lippen geschlossen, die Augen wach - melancholisch, nachdenklich und ernst blicken beide nach rechts aus dem Bild heraus. Ihre Blicke treffen nicht den Betrachter und dennoch berühren sie.

Seit den sechziger Jahren ist die 1942 in Heidelberg geborene Fotografin vor allem für ihre Porträts von Künstler_innen bekannt, sie nahm an der documenta 1968 teil, arbeitete als freie Journalistin und leitete von 1972 bis 1976 die Galerie Gunter Sachs in Hamburg. Nach zwei Jahrzehnten Unterbrechung, die sie in der Welt der Werbung und Kommunikation verbrachte, nahm Angelika Platen ab 1997 die Fotografie wieder auf. Heute befinden sich über 2000 Aufnahmen im Archiv der Bildagentur bpk des Preußischen Kulturbesitzes.


© Angelika Platen

Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien gehen außerordentlich nah an die Menschen heran, nicht nur auf der kompositorischen Ebene. Die Inszenierung der Abgebildeten ist eine Inszenierung mit und in inhaltlichen Bezügen zur Tätigkeit der Porträtierten. Person und Werk bilden eine Gesamtheit, ohne jedoch das Eigenständige aufzugeben. Sie bleiben weiter autonom lesbar.

So hat Blinky Palermo in Die Wand im Visier (1972, Silbergelantineabzug) sein wichtigstes Arbeitswerkzeug, die Wasserwaage, auf Augenhöhe, ebenso wie die Fotografin selbst auch immer auf Augenhöhe mit den Porträtierten bleibt. Diese gegenseitige Akzeptanz, in der ein hohes Maß an Vertrauen liegt, zeugt zudem von großer Kenntnis und großem Respekt. Der Titel der von Gisela Kayser und der Fotografin gemeinsam kuratierten Ausstellung ´Künstlern auf der Spur` ist eigentlich untertrieben. Angelika Platen, die heute in Berlin und Cannes lebt und arbeitet, hat die von ihr Porträtierten schon erreicht!

Konrad Klapheck blickt ernst aus der Fotografie Künstler mit gekränkter Braut (1971, Silbergelantineabzug), schaut auf die Betrachter_innen, eine Nähmaschine unter dem Arm. Neben ihm sein berühmtes Gemälde Die Gekränkte Braut - auch hier arrangiert und komponiert, überträgt und verdoppelt Angelika Platen die stilistischen und inhaltlichen Aussagen. Sorgsam arrangiert ist auch das Porträt von John M Armleder (Kopf mit zwei Hirnen, 2002, Silbergelantineabzug), der seinen Kopf zwischen zwei von ihm gestaltete Hirne legt und die Grenze zwischen Objekt und Subjekt aufhebt.


© Angelika Platen

Dem Künstlerpaar Gilbert & George, Günther Uecker, Man Ray und Sigmar Polke, Hanne Darboven und Leiko Ikemura – ihnen allen begegnet die Künstlerin mit ihrem eindrücklichen, sehr persönlichen, doch niemals aufdringlichen oder entblößenden fotografischen Blick.

Parallel zur Ausstellung im Willy-Brandt-Haus zeigt die Galerie Michael Schultz in Dialog. Digital bis zum 18. März weitere Arbeiten der Künstlerin.

Künstlern auf der Spur
Porträts 1968-2008 von Angelika Platen
26. Januar bis 5. März 2017

Willy-Brandt-Haus
Stresemannstraße 28
10963 Berlin
Di – So 12 bis 18 Uhr, Eintritt frei, Ausweis erforderlich

Dr. Barbara Borek

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