(Einspieldatum: 14.03.2017)

The Haus - Street Art findet ein temporäres Zuhause. Wohnprojekte folgen Raumkonzepten.

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copyright Eugen Lebedew / millionmotions.com/

Das Genre ist nicht neu, Idee und Umsetzung schon. Der Projektentwickler PANDION stellt ein leeres Gebäude vor dem Abriss und dem Neubau von Eigentumswohnungen einer Gruppe von Künstler_innen zur Verfügung, die aus der Street Art Szene kommen. In der alten Berliner Volksbank in der Nähe des Wittenbergplatzes eröffnet am 1. April eine temporäre Galerie, sind über drei Monate die Raumkonzepte internationaler Künstler_innen seh- und erlebbar.

Subkultur und hochwertiges Wohnprojekt - das ultimative und innovative Duo im Hier und Jetzt? Alle Beteiligten bemühen sich auf der Pressekonferenz, den gegenseitigen Respekt und das Verständnis für einander zu betonen. „Kultur läuft Gefahr, ganz aus dem Innenstadtbereich zu verschwinden“, so Mathias Groß, Berliner Niederlassungsleiter der Kölner Firma, und daher hätten sie die Chance einer ungewohnten Kooperation genutzt. Oft lägen, wie im Fall des Projektes in der Nürnberger Straße, mehrere Monate zwischen dem Ankauf eines Grundstückes und dem Start der Bauphase. Nicht Leerstand vor dem Abriss, sondern Kunst und Begegnung als Zwischennutzung – das Unternehmen bietet den Künstler_innen eine Fläche, kostenfrei. Die Refinanzierung läuft über die Vermietung der Fassade als Werbefläche zu den branchenüblichen, gigantischen Preisen.

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Street Art Künstler_innenkollektiv DIE DIXONS zieht nun mit Berlin Art Bang „ein Kunstwerk für die Endlichkeit!“ in das Gebäude ein. Die temporäre Nutzung eines zum Abriss bestimmten Hauses sei eine kreative Herausforderung, mehr Festival als Museum oder Galerie, betonen die Mitglieder der Gruppe. Ebenso wird allerdings betont, dass es um Aufbruch, um eine Aufforderung zum Nachdenken gehe, nicht um Provokation.

Auf fünf Etagen, über 10 000 Quadratmeter, hat Berlin Art Bang 165 Künstlerinnen und Künstler zusammengebracht. 101 Flächen wurden innerhalb von drei Wochen vergeben, circa die Hälfte ging an lokale, 30% an deutsche und 20% an internationale Künstler_innen. Die Resonanz war enorm, viele standen auf der Warteliste, eine Auswahl wurde jedoch – dies ist dem Kollektiv wichtig – nicht im kuratorischen Sinne getroffen.

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Die Teilnehmer_innen, teilweise seit über 20 Jahren in der Street Art Szene unterwegs, arbeiteten über einen Zeitraum von acht Wochen, ohne Honorar und ohne Vorgaben. Doch eine „Wand bemalen“ ist die eine Sache, ein eigenständiges Raumkonzept zu entwickeln und zu gestalten „etwas völlig anderes“.

Und so ziehen sich über Treppenhaus, Flure und Räume Farb-Installationen (1up) und Foto-Wände, Papp-Landschaften (OKE-WG, Kaleido) und Comic-Welten (Deedeekid, Geoplata), akribisch gefertigte, kleinteilige Zeichnungen (Masha) und großformatige historische Persönlichkeiten im fluoreszierenden Licht (EMESS).

In der, laut Kollektiv, „größten Urban Art Gallery der Welt“, verteilen sich die Künstler_innen über die Stockwerke, erobern sich ihre „Spaces“. Von diesen gibt es, auch für die Presse, keine Fotos, nur kleine „Teaser“. Die Besucher_innen sollen sich von den Raumkonzepten selbst ein Bild machen. Auch in der Ausstellung, die am 1. April eröffnet wird, gibt es ein absolutes Fotografier-Verbot. Alle Geräte werden eingesammelt - „digitales Fasten“ nennen es das Kollektiv. Dokumentiert wird das Projekt mit THE BOOK, dessen Veröffentlichung zeitgleich mit der Eröffnung geplant ist und ebenfalls der Refinanzierung dienen wird.

Es geht um den Moment, des Erlebens, der Teilnahme. Auch eine Website wird es nicht geben. Ebenso wenig wie Eintritt. Spenden beim „Austritt“ sind natürlich willkommen.

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Viele Künstler_innen zitieren das Haus in ihren Werken, binden die eher spröde Architektur in ihre Konzepte ein. So ist in einem Raum die verschlissene, bläulich-graue Teppichware aufgerissen (Quintessenz). Ausgehend von diesem Loch rollen sich mehrfarbige Bahnen aus netzartigem Stoff in vielen Schichten zur Decke. Und so wird aus einem alltäglichen, abgenutzten Gebrauchsgegenstand ein bunter, vielschichtiger Aufbruch. Eine schöne und folgerichtige Metapher.

Es schließt sich die spannende Frage an, ob das Projekt, dessen Schirmherrschaft übrigens Berlins Senator für Kultur und Europa Dr. Klaus Lederer übernommen hat, der Beginn einer neuen, wunderbaren Freundschaft zwischen Kommerz und (Sub-)Kultur ist – es gäbe schon Anfragen von weiteren Bauträgern – oder ob Kreativität hier den mit Millionenbeträgen jonglierenden Projektentwicklern rechtfertigend beiseite steht.

THE HAUS – Berlin Art Bang
1.4. bis 31.5.2017
Nürnberger Straße 68/69
10787 Berlin

thehaus.de


Dr. Barbara Borek

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