(Einspieldatum: 14.11.2017)

Vertraute Momente

Foto Album im Werkbundarchiv – Museum der Dinge


bilder

Seite aus einem Fotoalbum
Fotograf unbekannt
Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Foto: Armin Herrmann


Eine Schublade mit unsortierten Fotos aus vielen Jahren. Schon etwas vergilbte und abgeknickte Aufnahmen in Pralinenschachteln. Knallbunte Alben auf dem Kleiderschrank. … Wir alle kennen Erinnerungsobjekte dieser Art, doch scheinen sie ein wenig aus der Zeit gefallen. Heute dokumentiert die digitale Bildwelt in unüberschaubaren Mengen unseren Alltag, hält vermeintlich jeden Moment fest - und verschwindet dann oft in der Cloud. Eine kleine, dichte Ausstellung im Museum der Dinge holt nun die privaten Fotografien wieder in unsere be-greifbare Wahrnehmung zurück.

Der Ausstellungsraum wirkt wie ein begehbares Fotoalbum. Hunderte von Einzelfotos aus der Sammlung des Archivs der Dinge, beschriftet mit kurzen Kommentaren oder Anmerkungen, führen „in die Bilderwelt des Alltäglichen“, deren gemeinsames Merkmal, so die Kuratoren „ihre ursprüngliche Privatheit“ ist. Als private Bilder dokumentieren sie wichtige Momente des Familienlebens, dienen als Erinnerung an die Großeltern, Freund_innen und Hausgemeinschaften, lassen als Inszenierungen oder Schnappschüsse die Vergangenheit lebendig werden. Und bei aller Individualität zeigt sich stets etwas Universelles in den Szenen, den Gesten der Protagonisten.

Werkabbildung
Fotograf unbekannt
Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Foto: Armin Herrmann


Viele kennen die gewählte Systematik von den eigenen Familienfotos: „Posen“, „Rituale“ oder „Heiraten“. Auf einer großen Fotowand, die an eine Pinnwand im Flur erinnert, führen schwarz-weiße und farbige Aufnahmen durch die Jahrzehnte. Vater stolz vor dem neuerworbenen Opel („Mit Auto“), Tante Gerda und Onkel Fritz an der etwas stürmischen Nordsee („Windig“), die Kaffeetafel nach der Kommunionsfeier („Prost“). Die Fotos erzählen Geschichten, die privates Erleben in gesellschaftliche Verhaltensweisen einbetten, kollektive Erinnerungen in private zerlegen.

In den Vitrinen liegen weitere Erinnerungsstücke - Medaillons, Mäppchen und Etuis, in denen Fotos aufbewahrt wurden. Im Mittelpunkt steht der Nachlass der Berliner Artistenfamilie Berg: Werbekarten, Zeitungsausschnitte, ein Fotoalbum u.v.m. Das Fotoalbum, seit den 1860er Jahren zunächst als sogenanntes Steckalbum bekannt, diente dem Sammeln und vor allem auch dem Erzählen. Die Präsentation dieses Familienalbums verbindet beide Ebenen. Ein Video begleitet die ehemalige Artistin Ulla Berg beim Durchblättern des Albums, über eine Hörstation lässt sie die Besucher_innen teilhaben (Erzählen und Erinnern, Hörstation und Video, Fotografie und Lebensweg der Berliner Artistenfamilie Berg, Film- und Toninstallation).

Werkabbildung
Schachtel mit Fotos „Bilder“
Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Foto: Armin Herrmann


Es gelingt der Ausstellung nicht nur, über die privaten Motive, über den Blick auf gesellschaftliche Ereignisse und auf auch sehr humorvolle Momente, eine Verbindung zu den Besucher_innen herzustellen. Vielmehr entstehen aus den Motiven kleine Geschichten, sie verdichten sich, werden Erzählungen. Aus einer Ansammlung von analogen Bildern formen sich auch unsere Lebensgeschichten.

Am Eingang der Ausstellungsräume schlägt eine von Ivan Taranin progammierte Installation den Bogen in die gegenwärtige Fotokultur. Tausende von Selfies laufen über einen Bildschirm, Inszenierungen aus einer digitalen Bilderwelt (5000 Fotos mit # Selfie, Oktober 2017, Programmierung Ivan Taranin). Welche Geschichten erzählen sie? Denn durch die technischen Entwicklungen verändern sich die Inhalte und Identitäten.

Werkabbildung
Seite eines Fotoalbums
Fotograf unbekannt
Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Foto: Armin Herrmann


Die sehenswerte Ausstellung wird begleitet durch ein Programm mit Vorträgen, Gesprächen und Führungen. In Kooperation mit dem Verein Jugend im Museum sind auch Familien eingeladen, Workshops zu besuchen. Weitere Informationen auf der Website des Archivs.

Foto Album
Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung
des Werkbundarchivs – Museum der Dinge
bis 26.02.2018

Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin
www.museumderdinge.de/
Do – Mo 12 – 19 Uhr

Dr. Barbara Borek

weitere Artikel von Dr. Barbara Borek

Newsletter bestellen



Kataloge/Medien zum Thema:

top

Titel zum Thema :

ART COLOGNE 2018
Insgesamt sind 200 internationale Galerien aus 31 Ländern auf der diesjährigen Art Cologne (19. bis 22. April 2018) versammelt, darunter die folgenden Teilnehmer aus Berlin:

Vorschau: berlin daily (bis 04.03. 2018)
"berlin daily" mit Tagestipps zu Veranstaltungen rund um die zeitgenössische Kunst in einer wöchentlichen Vorschau:


museumFLUXUS+studis 2018
Das museumFLUXUS+ ruft zum diesjährigen Wettbewerb museumFLUXUS+studis auf! Die Ausstellung findet im Mai/Juni statt.

Von der Unternehmensberatung zur Kunst
Die Autodidaktin Anna Schiller stellt in der Martin Mertens Galerie aus.(Sponsored Content)

Dahin - Dorthin: Kunst am Wochenende
Zwei Tipps für morgen und fürs Wochenende:
Galerien-Rundgang Charlottenburg - Wilmersdorf und
Ausstellungs- und Eröffnungswochenende der Kolonie Wedding

Ideenwettbewerb „Werkstatt der Kulturen“ 2018
Ausschreibung: Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa will einen Austausch über neue Ideen und alternative Konzepte anregen, um die „Werkstatt der Kulturen“ weiterzuentwickeln.

Archivierte Bedeutungen – „Unboxing Photographs“ in der Kunstbibliothek
Ausstellungsbesprechung: Das Archiv ist kein neutraler Ort. In ihm werden nicht nur Objekte gesammelt, sondern vielmehr Realitäten erzeugt und für die Nachwelt aufbereitet.

Vorschau: berlin daily (bis 25.02. 2018)
"berlin daily" mit Tagestipps zu Veranstaltungen rund um die zeitgenössische Kunst in einer wöchentlichen Vorschau:

Neuer Preis für Porträtphotographie: August-Sander-Preis
Nur noch eine Woche Zeit, um sich zu bewerben ...

Eine Ausstellung ist eine Ausstellung ist eine Ausstellung...
Von einem Ausflug nach Wolfsburg: Im Kunstmuseum Wolfsburg dreht sich alles um den Loop.

Forum Expanded: A Mechanism Capable of Changing Itself
Ausstellungsbesprechung: Wer die Ausstellung „A Mechanism Capable of Changing Itself“ in der Akademie der Künste am Hansaweg besucht, braucht Zeit. Viel Zeit.

Neues von der Berlin Art Week
Informationen: Seit 2012 findet die Berlin Art Week statt - ein Großereignis zur zeitgenössischen Kunst, ...

Fingerübungen – es wird weiter gemalt
Nur noch heute und morgen: die Ausstellung "Canvas. Junge Malerei aus Prag, Dresden und Berlin" im Tschechischen Zentrum Berlin.

Stiftung Preußischer Kulturbesitz erhält den Nachlass von Leni Riefenstahl
Information: Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte, Briefe, Akten und Dokumente von Leni Riefenstahl gehen in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz über.

Adrian Piper erhält Käthe-Kollwitz-Preis 2018
Adrian Piper wird mit dem Käthe-Kollwitz-Preis 2018 ausgezeichnet, mit dem die Akademie der Künste die international arbeitende Künstlerin und analytische Philosophin ehrt.

top

zur Startseite





Berlin Karte Galerie Ausstellungen

Berlin Daily 25.02.2018
Ausstellungsführung
14.30 Uhr: im Rahmen der Forum Expanded Exhibition
„A Mechanism Capable of Changing Itself“
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10 | 10557 B

Anzeige
Atelier

Anzeige
rundgang

Anzeige
berlin

Anzeige
karma


Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Galerie Parterre Berlin




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Morgenstern-Galerie




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Alfred Ehrhardt Stiftung




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
me Collectors Room Berlin




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
ifa-Galerie Berlin