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B3 Biennale

(Einspieldatum: 05.12.2017)

Ein Blick hinter die Kulissen. VALIE EXPORTs Archiv im Linzer LENTOS

Werkabbildung

VALIE EXPORT
Stand up. Sit down, 1989 (Entwurf)
LENTOS Kunstmuseum / VALIE EXPORT Center Linz, © Bildrecht Wien, 2017


2015 kaufte die Stadt Linz für 700.000€ das Archiv einer ihrer berühmtesten Töchter an, deren Namen auch das kürzlich in der Linzer Tabakfabrik eröffnete Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst trägt: VALIE EXPORT wurde 1940 in der oberösterreichischen Landeshauptstadt geboren und arbeitet seit den 1960er-Jahren als Pionierin auf dem Gebiet der politischen und feministischen Medien- und Performance-Kunst. Mit ihrem „Tapp- und Tastkino“ und der „Aktionshose: Genitalpanik“ hielt sie der biederen österreichischen Nachkriegsgesellschaft einen Spiegel vor Augen und zerlegte sämtliche Geschlechterklischees in ihre Einzelteile.

Anlässlich des Ankaufes und der Eröffnung des VALIE EXPORT Centers zeigt nun das LENTOS im Untergeschoss des Museums die Ausstellung „VALIE EXPORT. Das Archiv als Ort künstlerischer Forschung“. Teile des Archivs in Form von Zeitungsartikeln, Notizen, Briefen, Büchern, Entwürfen, Drehbüchern und Exposés können darin unter die Lupe genommen werden. In zwei Räumen, die thematisch der Teilung zwischen künstlerischer Forschung und Produktion entsprechen, gibt die Schau den Blick auf EXPORT als Künstlerin, Theoretikerin, Dozentin und Person des öffentlichen Lebens frei. Ein paar Beispiele: Skizzen und Vorstudien legen den Arbeitsvorgang zu ihren montierten Digitalfotografien offen, ein Briefwechsel mit Alice Schwarzer dokumentiert die Vorbereitungen zu der von EXPORT kuratierten Ausstellung „MAGNA“ (1975), Zeitungsartikel erzählen vom Presseecho auf ihre provokanten Performances, und ein Brief des Biennale-Kommissars Hans Hollein aus dem Jahr 1980 zeugt von den Streitigkeiten rund um die in Venedig gezeigte Installation „Geburtenbett“, für die EXPORT einen Pfarrer während der Messe filmte. Auf einem Tablet können die Skripte zu ihren Vorlesungen an der University of Wisconsin-Milwaukee, der UdK Berlin und der Kunsthochschule für Medien in Köln nachgelesen werden. Außerdem zu entdecken gibt es Drehbücher zu nicht realisierten Filmen oder eine Materialiensammlung für ein im Jahr 2000 geplantes Projekt zum Thema Rechtsradikalismus in Österreich mit dem Titel „Faschismus in Wort und Bild“. Dass die Künstlerin dieses Projekt nicht umsetzte, erscheint natürlich heute – kurz vor einer erneuten Regierungsbildung von ÖVP und FPÖ – besonders schade.

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Ausstellungsansicht "VALIE EXPORT. Das Archiv als Ort künstlerischer Forschung"
LENTOS Kunstmuseum Linz, 2017
Foto: maschekS.


Neben den Archivmaterialien, die in 17 horizontal gestellten Tischvitrinen präsentiert werden, integriert die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des VALIE EXPORT Centers, Sabine Folie, auch visualisierende Überblicksdarstellungen: Eine Plakatwand macht EXPORTS Auftritte in Form von Filmen, Ausstellungen und Vorträgen sichtbar und eine überdimensionierte Literaturliste verweist auf die umfangreiche private Bibliothek der Künstlerin, die einer gut sortierten Forschungsbibliothek zu den Themen Feminismus, Film, Psychoanalyse und Medienwissenschaft gleichkommt. Besonders hervor sticht das ebenfalls wandfüllende „Archiv-Diagramm“ von Folie, in dem sie in Form eines Mind-Maps über die Beschaffenheit und die Aufgaben des (Künstler*innen-)Archivs im Allgemeinen und des Archivs von VALIE EXPORT im Besonderen reflektiert. Damit wird die Ausstellung auf sehr kluge Weise auf eine Meta-Ebene gehoben, die auf die Themen des Sammelns, des Bewahrens und des Erinnerns als verstärkte Interessensschwerpunkte in der zeitgenössischen Kunst und Kunstgeschichtsschreibung hinweist.

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Ausstellungsansicht "VALIE EXPORT. Das Archiv als Ort künstlerischer Forschung"
LENTOS Kunstmuseum Linz, 2017
Foto: maschekS.


Die unkonventionelle Ausstellung, die mit einigen Filmen und Foto-Arbeiten nur wenige Werke der Künstlerin zeigt, legt den Fokus auf die tiefgehende Auseinandersetzung mit der Kunst und Denkweise einer Avantgarde-Künstlerin und verweist auf die Vorteile von öffentlich zugänglichen Künstler*innen-Archiven für die Forschung und Wissenschaft. Dabei wird nicht wie zunächst vielleicht befürchtet einem Künstler-Kult (oder in diesem Fall ausnahmsweise einem Künstlerinnen-Kult) gefrönt – persönlichen Gegenständen der Künstlerin, etwaigen Rekonstruktionen ihrer Ateliers oder reliquienartigen Objekten (wie etwa Helmut Newtons Haarlocke im Berliner Museum für Fotografie) wird glücklicher Weise kein Platz gegeben. Man verzichtete auch ausdrücklich auf die Präsentation der Original-Bibliothek, um die einzelnen Bücher nicht zu „fetischisieren“, wie es im begleitenden Ausstellungs-Booklet lautet. Stattdessen erlauben hochspannende Dokumente einen Blick hinter die Kulissen und beleuchten EXPORTS Arbeitsweise aus einem neuen Winkel. Besonders niederschwellig ist die Ausstellung demnach natürlich nicht: Eingefleischte EXPORT-Fans sollten jedenfalls einige Zeit fürs Stöbern einplanen.

VALIE EXPORT. Das Archiv als Ort künstlerischer Forschung
10. November 2017 – 28. Januar 2018
LENTOS Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz
lentos.at

Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr
Eintritt: 8€ (ermäßigt 6€ bzw. 4,50€)

Anna Wegenschimmel

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Daten zu VALIE EXPORT:


- 19 New Acquisitions in Photography,MoMA
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- art cologne 2015
- Biennale Venedig 2007
- Das achte Feld, Köln
- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung
- MACBA COLLECTION
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- Sammlung DZ Bank, Frankfurt
- SCHWINDEL DER WIRKLICHKEIT, 2014
- Tate Post War Collection ,London

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